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Christine Blasey Ford

Die Psychologie-Professorin während der Anhörung vor dem Justizausschuss des US-Senats.

(Foto: AFP)

USA Professorin belastet Supreme-Court-Anwärter Kavanaugh vor Justizausschuss schwer

Die Psychologin wirft dem Anwärter auf einen der höchsten US-Richterposten versuchte Vergewaltigung vor. Die Luft für Kavanaugh wird immer dünner.
Update: 28.09.2018 - 00:00 Uhr Kommentieren

WashingtonBei der Anhörung des Richterkandidaten Brett Kavanaugh im US-Senat hat der republikanische Senator Lindsey Graham zu einer wütenden Schimpftirade gegen die Demokraten ausgeholt. „Das ist die unmoralischste Schande, die ich je erlebt habe, seit ich in der Politik bin“, erklärte Graham bei der Befragung Kavanaughs am Donnerstag im Justizausschuss des Senats.

Der Ausschuss hatte zunächst die Psychologie-Professorin Christine Blasey Ford angehört, die Kavanaugh vorwirft, er habe 1982 versucht, sie zu vergewaltigen. Kavanaugh wies die Anschuldigungen am Donnerstag erneut zurück und warf den Demokraten vor, eine politische Kampagne gegen ihn gestartet zu haben.

Mit ihrer öffentlichen Aussage vor dem US-Senat hat die Psychologie-Professorin den Supreme-Court-Kandidaten in Bedrängnis gebracht. In einer hoch emotionalen Ansprache legte die 51-Jährige vor dem Justizausschuss ausführlich ihre Missbrauchsvorwürfe gegen den Richter-Kandidaten von US-Präsident Donald Trump dar. Ford zeigte bei der anschließenden Befragung keine Zweifel daran, dass es Kavanaugh gewesen sei, der 1982 bei einer Schülerparty versucht habe, sie zu vergewaltigen. Sie sei sich zu „100 Prozent“ sicher, sagte sie. Seit Tagen dominiert Fords Name die Schlagzeilen in den USA.

Kavanaugh wiederum hat erneut alle Vorwürfe zurückgewiesen. Er sei unschuldig, sagte er vor einem Senatsausschuss. Er werde sich nicht einschüchtern lassen und seine Nominierung nicht zurückziehen.

„Sie werden mir vielleicht in der Abstimmung eine Niederlage beibringen, aber sie werden mich nicht dazu bringen aufzugeben“, erklärte Kavanaugh in seiner Stellungnahme zu Beginn der Anhörung. „Niemals.“ Die Vorwürfe der Professorin Christine Blasey Ford und zwei anderen Frauen hätten seine Familie und seinen Ruf „vollständig und dauerhaft zerstört“. Der Prozess seiner Bestätigung durch den Senat sei eine Schande für das Land, erklärte er mit lauter Stimme.

Neben Ford haben auch mindestens zwei weitere Frauen Missbrauchsvorwürfe gegen den Kavanaugh erhoben. Ford erklärte, sie habe wegen des Vorfalls an Angstzuständen, Platzangst, Panik und Symptomen gelitten, die einer posttraumatischen Belastungsstörung ähnelten. Ford kämpfte mit den Tränen, als sie vor der Befragung durch die Senatoren ihr vorbereitetes Statement ablas.

„Ich bin heute nicht hier, weil ich das will“, sagte Ford. „Ich habe Angst. Ich bin hier, weil ich glaube, dass es meine Bürgerpflicht ist, Ihnen zu erzählen, was mir passiert ist, als Brett Kavanaugh und ich auf der High School waren.“ Ford beschrieb detailliert, wie ein betrunkener Kavanaugh in Anwesenheit einer seiner Freunde sexuell übergriffig geworden sei und seine Hand auf ihren Mund gelegt habe, um sie am Schreien zu hindern. „Es war schwer für mich zu atmen, und ich dachte, dass Brett mich versehentlich töten würde.“

Ford fügte hinzu, am deutlichsten in Erinnerung sei ihr das Gelächter der beiden Freunde bei dem Vorfall gewesen. „Das brüllende Gelächter der beiden, und dass sie auf meine Kosten Spaß hatten.“ Sie betonte mehrfach, sie verfolge keinerlei politische Absichten damit, die Vorwürfe öffentlich zu machen. Sie habe versucht, die Anschuldigungen dem Kongress zur Kenntnis zu bringen, als neben Kavanaugh noch weitere Namen für den Posten gehandelt wurden.

Vor den Kongresswahlen Anfang November ist die Personalie Kavanaugh ist Gegenstand einer erbitterten parteipolitischen Auseinandersetzung zwischen Trumps Republikanern und den oppositionellen Demokraten geworden. Für diesen Freitag ist eine Abstimmung im Justizausschuss über eine Empfehlung Kavanaughs angesetzt. Danach muss der US-Senat über die Berufung des 53-Jährigen an das höchste US-Gericht abstimmen.

Fords Vorwürfe sind bereits seit Mitte des Monats bekannt und führten nun zu der Anhörung des Justizausschusses. Die stellvertretende Ausschussvorsitzende, die demokratische Senatorin Dianne Feinstein, sagte: „Das ist kein Gerichtsprozess für Dr. Ford. Es ist ein Bewerbungsgespräch für Richter Kavanaugh.“

Feinstein kritisierte, Ford und zwei weitere Frauen, die Vorwürfe gegen Kavanaugh erheben, hätten um Ermittlungen der Bundespolizei FBI gebeten. „Trotzdem drängen die Republikaner blind nach vorne.“ Der Ausschussvorsitzende Chuck Grassley sagte, sein Büro habe die Anwälte der beiden anderen Frauen erfolglos um weitere Informationen gebeten.

Trump verteidigte Kavanaugh am Mittwochabend (Ortszeit) zwar nochmals. Angesichts der zunehmenden Missbrauchsvorwürfe schloss der US-Präsident eine Abkehr von der Nominierung des umstrittenen Richters aber nicht generell aus.

Trump hatte Kavanaugh im Juli für den hochrangigen Richterposten vorgeschlagen. Kurz vor der Entscheidung des US-Senats über die Personalie waren Fords Vorwürfe gegen Kavanaugh an die Öffentlichkeit gekommen. Später meldete sich eine frühere Kommilitonin Kavanaughs an der Universität Yale, Deborah Ramirez. Sie gibt an, Kavanaugh habe sie bei einer Studentenparty Anfang der 80er Jahre sexuell belästigt.

Am Mittwoch – also kurz vor Fords Anhörung – ließ eine weitere Frau, Julie Swetnick, über ihren Anwalt eine Erklärung veröffentlichen, in der sie Kavanaugh vorwirft, er habe in den 80er Jahren bei diversen Partys in angetrunkenem Zustand junge Frauen sexuell belästigt. Swetnick sagte dem Sender MSNBC: „Nach dem, was ich aus erster Hand erlebt habe, glaube ich nicht, dass er in den Supreme Court gehört.“

Trump sagte am Mittwoch mit Blick auf die Anhörung: „Ich glaube, das wird ein sehr, sehr wichtiger Tag in der Geschichte unseres Landes.“ Kavanaugh sei ein herausragender Mann mit großem Talent und großem Intellekt. Mit Blick auf die Missbrauchsvorwürfe sagte Trump aber zugleich: „Ich könnte überzeugt werden.“ Er wolle sich die Vorwürfe genau anhören. „Ich werde sehen, was morgen passiert.“

Er selbst sei in der Vergangenheit ebenfalls mit Missbrauchsvorwürfen konfrontiert gewesen, die sich alle als falsch herausgestellt hätten, sagte der Präsident. Im Fall Kavanaugh wähnt Trump eine politische Kampagne der oppositionellen Demokraten. Er warf ihnen erneut vor, sie betrieben hier ein „betrügerisches Spiel“.

Die oppositionellen Demokraten haben große Vorbehalte gegen den erzkonservativen Richter und sehen eine Chance, dessen Bestätigung hinauszuzögern, bis sich nach der Zwischenwahl am 6. November möglicherweise die Mehrheitsverhältnisse im Senat ändern. Die Nachbesetzung mit Kavanaugh könnte im obersten US-Gericht auf viele Jahre den Konservativen ein Übergewicht geben. Die Richter dort werden auf Lebenszeit ernannt.

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  • dpa
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