USA und Kuba „Seid willkommen, Ihr Gringos“

Nach 70 Jahren Eiszeit eröffnet am Freitag die erste US-Botschaft in Havanna – nur ein Schritt eines langen Weges. Viele Kubaner freuen sich auf den ehemaligen Feind des Nordens, doch nicht alle.
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Eine Epoche geht zu Ende: Kuba und die USA geben sich auch symbolisch die Hand. Quelle: AFP
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Eine Epoche geht zu Ende: Kuba und die USA geben sich auch symbolisch die Hand.

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HavannaIn diesen Tagen, in denen eine Epoche zu Ende geht, wirkt in Havanna alles so wie immer. Die Interessenvertretung der USA, ein trotziger und klotziger Betonbau an der malerischen Uferpromenade Malecón, steht weiter wie ein kleiner Staat im Staate, ein eckiges Gebäude mit Fenstern wie Schießscharten. 50 Konsularbeamte bearbeiten hier die Visaanträge und verlosen Aufenthaltserlaubnisse. 

An dem Gebäude, auf dem von Freitag an wieder die US-Flagge wehen wird, war kalter Krieg lange ganz heiß, als die USA im obersten Stockwerk des Gebäudes nachts leuchtende elektronische Spruchbänder laufen ließen und mehr Freiheiten im Land der Castros einforderten. Diese zogen gleich gegenüber des Gebäudes einen Fahnen-Wald auf, beschallten den Klassenfeind mit Revolutionspropaganda und ließen Sinnsprüche montieren: „Vaterland oder Tod“, zum Beispiel.

Die belehrenden Spruchbänder gibt es schon lange nicht mehr. Aber Fahnenmasten und Sinnsprüche sind geblieben. Doch sie wirken heute aus der Zeit gefallen, ein Relikt von mehr als einem halben Jahrhundert mehr oder minder offener Feindschaft zwischen den USA und Kuba. Zwei Länder, die sich geografisch so nah sind und doch ideologisch immer so fernblieben.

Ein historischer Tag für Kuba
Ein historischer Tag in Kuba
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Meilenstein beim Neustart zwischen den USA und dem sozialistischen Kuba: Rund drei Wochen nach der Wiederaufnahme bilateraler Beziehungen reist US-Außenminister John Kerry am Freitag nach Havanna, wo ihm die Aufgabe zufällt, nach 54 Jahren wieder eine US-Botschaft in dem Karibikstaat offiziell zu eröffnen.

Vor der US-Botschaft
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Die Eröffnungsfeier in der bisherigen US-Vertretung vor der Uferpromenade Malecón in Havanna ist für etwa 10.00 Uhr (Ortszeit, 16.00 MESZ) angesetzt. Bei dem festlichem Akt mit Dutzenden geladenen Gästen soll die US-Flagge im Außenhof der Botschaft gehisst werden. Auch eine Rede Kerrys ist geplant. Quelle: dpa

Ein typisches kubanisches Taxi
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Am Sonntag hatten in Havanna die oppositionellen Damen in Weiß gegen die Annäherung der USA an Kuba demonstriert, da die kommunistische Führung in Havanna sich dadurch in ihrem Vorgehen gegen Dissidenten bestätigt sehe. 90 Teilnehmer der Kundgebung wurden vorübergehend festgenommen. Das US-Außenministerium äußerte sich am Montag "zutiefst besorgt" darüber. Auswirkungen auf den Besuch Kerrys in Havanna haben die Festnahmen aber nicht.

Kubanische und amerikanische Flagge nebeneinern
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Trotz des Tauwetters verbleiben zwischen beiden Ländern aber noch eine Reihe von Streitpunkten. Zwar befürwortet Obamas Regierung die vollständige Aufhebung des Anfang der 60er Jahre verhängten Embargos. Dazu ist aber die Zustimmung des US-Kongresses nötig. Dort haben die oppositionellen Republikaner die Mehrheit, die diesen Schritt strikt ablehnen.

Stimmung ist geteilt
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Gegenwind gibt es für Obama aus ungewohnter Richtung: Kubanische Dissidenten, die seit jeher auf die Unterstützung aus Washington vertrauen konnten, halten die diplomatische Offensive des US-Präsidenten für einen Fehler. Sie fürchten um den Rückhalt aus den USA und bemängeln, dass die Forderung der Vereinigten Staaten nach der Einhaltung der Menschenrechte seit Beginn der Verhandlungen in den Hintergrund gerückt sei. Stattdessen stehe nun die Wiederbelebung der Wirtschaftsbeziehungen im Fokus.

USA und Kuba
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US-Präsident Barack Obama hat eingesehen, dass Washington durch die Annäherung deutlich mehr Einfluss hat als bei einer totalen politischen und wirtschaftlichen Blockade. José Miguel Vivanco, Direktor der Amerika-Abteilung bei „Human Rights Watch“, sprach im Dezember von einer „goldenen Gelegenheit“, denn nun könne der sozialistische Staat sich nicht mehr als Opfer des großen Bruders USA darstellen. Die Öffnung ist aus US-Sicht also eine Chance, aber längst kein Garant für bessere Verhältnisse auf Kuba.

Geändert hat sich daran nichts, aber die Politik hat auch hier über die Ideologie gesiegt. Und so wird nun am Freitag US-Außenminister John Kerry als erster Chef des State Departement seit 70 Jahren auf die kommunistisch regierte Karibikinsel reisen und die Interessensvertretung zu einer vollgültigen diplomatischen Vertretung machen. Der Erzfeind ist Neufreund. Auch wenn der erste Streit programmiert scheint: Kerry will zum Empfang nach der feierlichen Eröffnung die kubanische Opposition laden. Das wird der Regierung in Havanna nicht gefallen.

Und wenn man in diesem heißen Sommer die Menschen in Havanna fragt, was sie von der Annäherung halten, dann kommt fast nur Zustimmung. Man hat das Gefühl, dass die Politik endlich das macht, was die Kubaner schon lange wollten. Desto mehr US-Amerikaner kämen, umso besser, heißt es oft. „Wir wollen mehr Internet, mehr Smartphones, mehr coole Klamotten und mehr Musik“, fordern die Jüngeren. „Wir brauchen das Geld, den Input“, sagen die Älteren.

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