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USA und Nordkorea Der Überraschungsgipfel von Trump und Kim könnte erste Erfolge bringen

Tatsächlich könnte das Treffen von Donald Trump mit Nordkoreas Machthaber zu mehr führen als nur schönen Bildern: Denn der US-Präsident hatte offenbar ein Angebot für Kim dabei.
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Als erster US-Präsident im Amt betritt Trump nordkoreanischen Boden – und scheint Kim einen kleinen Deal angeboten zu haben. Quelle: AFP
Kim Jon Un und Donald Trump

Als erster US-Präsident im Amt betritt Trump nordkoreanischen Boden – und scheint Kim einen kleinen Deal angeboten zu haben.

(Foto: AFP)

Panmunjom Panmunjom, der Ort des innerkoreanischen Waffenstillstands, geht an diesem Sonntag ein zweites Mal in die Geschichte ein. Langsam schreitet US-Präsident Donald Trump zwischen blauen Militärbaracken an die innerkoreanische Grenze. Er stoppt kurz, um auf Nordkoreas Führer Kim Jong Un zu warten.

Kurz schütteln sich die beiden die Hand. Dann macht Trump einen kleinen Schritt, der große Geschichte machen wird. Vorsichtig steigt er über einen niedrigen Grenzstein, der dort die geteilte Nation trennt. Nun ist er der erste amtierende US-Präsident auf nordkoreanischen Boden. Nach einer Fotogelegenheit für Nordkoreas Reporter gehen beide zurück – nach Südkorea.

Kim nutzt die historische Gunst der Stunde und beginnt eine kleine Pressekonferenz. „Dies ist ein Ausdruck von US-Präsident Trumps Willen, die Feindschaft der Vergangenheit zu überwinden“, sagt Kim. Trump antwortet, Kim sei ein „besonders guter“ Freund geworden. „Viele wirklich gute Dinge passieren“, sagte Trump und machte Hoffnung auf neuen Schwung im festgefahrenen Poker um die atomare Abrüstung des nordkoreanischen Regimes.

Damit ist der Überraschungsgipfel von Panmunjom perfekt. Zwar hatte Trump angekündigt, während eines Gipfeltreffens mit Südkoreas Präsidenten Moon Jae-in die „entmilitarisierte Zone“ zu besuchen, die nahezu unüberwindbar beide Staaten trennt.

Es gab daher auch Spekulationen, dass er Kim treffen könnte. Doch erst am Sonnabendmorgen lud Trump am Rande des G20-Gipfels in Japan Kim via Twitter zu einem Handschlag an der Grenze ein. Und Kim nahm die Einladung prompt an. So lautet die offizielle Geschichte.

Dem dritten Gipfeltreffen zwischen Trump und Kim seit 2018 kommt große Bedeutung zu, auch aus Sicht von Südkoreas Präsident Moon Jae-in: „Die Begegnung wird ein großer historischer Moment im Friedensprozess auf der koreanischen Halbinsel.“ Glaubt man seinen Worten, stellt das Treffen keinen Mediengag dar, sondern möglicherweise eine Wende in den Verhandlungen um die Abrüstung von Nordkoreas Atomwaffen- und Langstreckenraketenprogramm.

Moon deutete vor dem Grenzplausch von Trump und Kim in einer Pressekonferenz mit Trump an, die USA seien bereit, von ihrer Maximalposition abrücken und sich auf einen schrittweisen Tauschhandel von nordkoreanischen Abrüstungsschritten und Aufhebung von Sanktionen einzulassen.

Trump sagte vor dem Treffen zwar, dass er nicht in Eile sei, die Sanktionen aufzuheben, mit denen die Vereinten Nationen (UN) und die USA Nordkorea zu Abrüstung seines Atomprogramms und seiner Langstreckenraketen zwingen will. Aber Moon erklärte auf einer gemeinsamen Pressekonferenz, dass ein Abbau aller Nuklearanlagen in Yongbyon den Beginn eines unumkehrbaren Prozesses bedeuten würde. In dem Fall könnte die internationale Staatengemeinschaft in der Lage sein, Sanktionserleichterungen zu diskutieren, so Moon.

Trump stand direkt daneben – und widersprach nicht. Und er gab einen weiteren Hinweis auf eine flexiblere Verhandlungstaktik. So überraschte er viele Experten mit der Aussage, dass eine Schließung von Yongbyon „ein wichtiger Schritt“ sei. Dabei war der vorige Gipfel zwischen Trump und Kim in Vietnam genau daran gescheitert, dass die USA einen größeren Deal von Nordkorea gefordert hatten.

Trump hatte offenbar einen konkreten Vorschlag für Kim dabei

Kim hatte ein Teilschließung der Atomanlage angeboten. Aber schnell wurde klar, dass eine dortige Urananreicherungsanlage nicht Teil des Vorschlags war, so Experten. Außerdem würde Yongbyon nur 30 bis 40 Prozent der Plutoniumproduktion darstellen. Die USA hätten stattdessen gefordert, dass Nordkorea deutlich mehr Anlagen abwickelt und vor allem auch über den Endzustand einer Denuklearisierung diskutiert.

Doch dazu war Kim nicht bereit. Beide Seiten beendeten das Treffen daraufhin ohne Abschlusserklärung und ohne gemeinsame Pressekonferenz. Seither ruhten die Gespräche. Erst nach einem Brief von Kim an Trump kam wieder Bewegung in den Prozess, der nun richtig starten könnte.

Ob das Treffen eine nachhaltige Veränderung der Beziehungen bringen könnte, hängt Bruce Bennett zufolge von einer Schlüsselfrage ab: „Hat Trump einen konkreten Vorschlag für Kim dabei, der hoffentlich einen Unterschied in den Verhandlungen ausmachen wird?“, sagte der Experte der US-Denkfabrik Rand Corp dem südkoreanischen Fernsehsender Arirang.

Das hatte Trump offenbar. Zuvor hatte Trump von einem kurzen Handschlag gesprochen. Doch dann wurde daraus ein mehr als halbstündiges Treffen auf südkoreanischer Seite. Südkoreas Präsident Moon musste derweil draußen bleiben.

Bei Experten ist Trumps Schritt allerdings höchst umstritten. Mintaro Oba, ein Korea-Experte und früherer Mitarbeiter des US-Außenministeriums, ist nicht gegen das kurzfristig anberaumte Treffen. Ein kurzes Zusammenkommen, das keine Erwartungen auf Ergebnisse wecke, verstärke Trumps Story, dass er mit guten Willen die Diplomatie vorbringen wolle. „Dies könnte Kims Bewegungsspielraum daheim in den Verhandlungen mit den USA erweitern.“ Kim hatte Trump erzählt, dass auch er daheim auf Widerstand stoße.

Victor Cha, den Trump kurz als US-Botschafter in Südkorea im Auge hatte, monierte vor dem Treffen hingegen, dass es wie ein Finalspiel ohne Vorrunde gewesen sei. „Dieses Treffen sollte am Ende erfolgreicher Gespräche stehen und nicht, während es keine Fortschritte gab“, meint der bekannte Korea-Experte der US-Denkfabrik CSIS. Tatsächlich hat Nordkorea seit dem ersten Gipfel in Singapur vor einem Jahr keine einzige Atomwaffe abgerüstet, sondern laut den US-Geheimdiensten noch ausgebaut.

Bisher blieb Trumps Gipfeldiplomatie ergebnislos

Andere kritisieren, dass Trump mit seiner Gipfeldiplomatie noch nichts erreicht habe, außer den Führer der blutigen Diktatur vom Paria zum gefragten Staatsmann aufzubauen. Doch sie müssen sich wahrscheinlich daran gewöhnen, dass Trump die Normalisierung Kims fortsetzen wird. Trump erklärte, dass er Kim ins Weiße Haus einladen wolle.

Noch ist offen, wie der Konflikt gelöst werden könnte. Kaum ein Nordkorea-Experte glaubt, dass Kim sein gesamtes Atomwaffenarsenal aufgeben wird. Denn es gilt als Sicherheitsgarantie des Regimes gegen Angriffe und Umsturzversuche. Im besten Fall steht den Staaten ein gewundener Verhandlungsweg mit Stillständen und Rückschlägen bevor, bekannte selbst Präsident Moon. Aber wenigstens den Segen eines amerikanischen Stammgasts beim Diktator haben die neuen dicken Freunde.

Der ehemalige amerikanische Basketballstar Dennis Rodman, der schon häufig Kim besucht hat, twitterte vor dem Treffen. „Ich wünsche meinen Freunden @realDonaldTrump und Marschall Kim Jong Un ein sehr gutes Treffen. Viel Liebe an Euch beide und haltet den wundervollen Fortschritt aufrecht!“ Dann endete er seinen Tweet mit dem Hashtag „#PEACEANDLOVE“.

Mehr: Der US-Präsident ist kein Anhänger fester Allianzen. Das hat jüngst auch Bündnispartner Japan zu spüren bekommen.

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