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„USS Roosevelt“ und „Charles de Gaulle“ Flugzeugträger von Frankreich und den USA werden zu Epizentren der Corona-Epidemie

In den USA löst die Affäre einen Skandal aus. Ähnlich in Frankreich: Mehr als 1000 Besatzungsmitglieder sind positiv getestet. Beide Fälle sind beispielhaft für verpatzte Krisenkommunikation.
17.04.2020 Update: 17.04.2020 - 18:22 Uhr 3 Kommentare
Knapp 5000 Menschen Besatzung leben auf dem Schiff. Quelle: Reuters
Flugzeugträger Theodore Roosevelt

Knapp 5000 Menschen Besatzung leben auf dem Schiff.

(Foto: Reuters)

Washington, Paris In den USA und in Frankreich sind die atomar angetriebenen Flugzeugträger „USS Theodore Roosevelt“ und „Charles de Gaulle“ zu Epizentren der Corona-Epidemie geworden. Der Ausbruch der Krankheit und die ungeschickte Behandlung durch die Marine der beiden Länder bringen die Öffentlichkeit in Aufruhr.

In den USA löst das eine politische Affäre aus, die einmal vom pazifischen Ozean bis ins Weiße Haus und wieder zurück geschwappt ist. Das Unheil nahm vermutlich seinen Lauf, als die Theodore Roosevelt am 5. März zu einem lange geplanten Besuch in Vietnam anlegte.

Während des viertägigen Aufenthalts dort, so die wahrscheinlichste Erklärung, hat sich zumindest einer der Seeleute mit dem Coronavirus infiziert. Anschließend konnte sich das Virus auf dem Riesenschiff rasant ausbreiten.

Knapp 5000 Mann Besatzung leben auf dem Schiff, dicht gedrängt, teilen sich Wasch- und Schlafräume. Als ihm klar wurde, dass sich die Epidemie an Bord nicht stoppen ließ, bat der Kommandant der Roosevelt, Kapitän Brett Crozier, seinen unmittelbaren Vorgesetzten um eine Evakuierung des Schiffes.

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    Doch Konteradmiral Stuart Baker wollte den Flugzeugträger nicht außer Dienst nehmen. Die Roosevelt operiert in der Nähe der chinesischen Küste und die US Navy wollte offenbar ein solches Zeichen der Schwäche gegenüber den Chinesen vermeiden.

    Bitte um Hilfe für die Besatzung

    Daraufhin überging Crozier seinen Vorsetzten und schreibt am 30. März eine unverschlüsselte Mail an über 20 Adressaten innerhalb der US Navy, in der er eindringlich um Hilfe für seine Besatzung bat: „Wir sind nicht im Krieg, es muss niemand sterben.“ Innerhalb weniger Stunden landete die Mail auch bei der Zeitung „San Francisco Chronicle“, die den Inhalt veröffentlichte.

    Wegen dieses Ungehorsams enthob US-Marinestaatssekretär Thomas Modly den Kapitän am 2. April seines Kommandos. Als der Offizier mit einer 30-jährigen, bis dato untadeligen Karriere im amerikanischen Flottenstützpunkt Guam zum letzten Mal die Gangway hinunterschritt, einen Rucksack mit seinen Habseligkeiten über der Schulter, verabschiedete ihn die versammelte Crew mit solidarischen Sprechchören: „Captain Crozier, Captain Crozier“. Auch ein Handyvideo dieser anrührenden Szene verbreitete sich über die sozialen Medien.

    Was dann geschah, taugt als Lehrbeispiel für verpatzte Krisenkommunikation. Wohl in dem Versuch, so etwas wie Haltung zu zeigen, flog der Marinestaatssekretär von Washington 13.000 Kilometer bis nach Guam, um der Besatzung der Roosevelt ins Gewissen zu reden. Die Ansprache, über Bordlautsprecher übertragen und per Handy von einzelnen Seeleuten mitgeschnitten, verbreitete sich ebenfalls blitzschnell.

    Modly beschimpft Crozier darin „als entweder zu naiv oder zu dumm“, um einen Flugzeugträger zu kommandieren. „What the F…“ ist daraufhin der empörte Zwischenruf eines Seemanns auf dem Mitschnitt zu hören.

    Daraufhin kehrte sich die öffentliche Meinung gegen den Staatssekretär. US-Präsident Trump, der Crozier in einer ersten Stellungnahme noch scharf verurteilt hatte, kritisierte nun die Wortwahl seines Staatssekretärs und meinte, dass Crozier möglicherweise auch nur einen schlechten Tag gehabt habe. Modly hatte verstanden: Er reichte seinen Rücktritt ein.

    Inzwischen ist geschehen, was Crozier von Anfang an gefordert hatte. Ein Großteil der Besatzung hat den Flugzeugträger verlassen und befindet sich auf der Insel Guam in Hotels in Quarantäne. Stand Mittwoch wurden 615 Seeleute positiv auf das Coronavirus getestet, darunter Crozier selbst. Fünf von ihnen liegen wegen der Infektion im Krankenhaus, ein Besatzungsmitglied ist am Montag dieser Woche gestorben.

    Dieser Tod wirkt wie eine nachträgliche Bestätigung von Croziers Forderung, die Epidemie an Bord ernst zu nehmen. Dessen Handeln wird inzwischen von einer Kommission der US-Marine untersucht. Ein Marinesprecher wollte nicht ausschließen, dass Crozier am Ende wieder als Kommandant der Roosevelt eingesetzt wird.

    „Noch mal richtig an Land vergnügen“

    In Frankreich wurden die Charles de Gaulle und ein Begleitschiff, eine Fregatte, am Sonntag nach Toulon zurückbeordert, nachdem sich an Bord die Corona-Fälle häuften. stand Inzwischen sind 1081 Seeleute, das ist fast die Hälfte der Besatzung, positiv getestet worden, sagte Verteidigungsminister Florence Parly am Freitag vor dem Parlament. Mehrere Dutzend von ihnen liegen im Krankenhaus, eine Soldatin muss künstlich beatmet werden.

    Die französische Marineleitung versucht noch, die Epidemie an Bord als unerklärliches Verhängnis darzustellen. Doch die Angehörigen der Soldaten sehen das anders: „Am 13. März, kurz vor Inkrafttreten der Ausgangsbeschränkungen, hat der Flugzeugträger in Brest angelegt, und die Mannschaft sollte sich noch mal richtig an Land vergnügen – das war wohl die falsche Entscheidung“, sagte der Vater eines Soldaten im Fernsehen.

    Formal gab es am 13. März zwar noch keinen Lockdown, doch in der Bretagne hatten zu diesem Zeitpunkt bereits viele Einrichtungen geschlossen, weil es eine regionale Häufung von Corona-Fällen gab. Der Kommandant wollte seiner Crew wohl etwas Gutes tun.

    „Anfangs haben wir alle Regeln für den Abstand eingehalten, auch wenn es eng ist auf so einem Schiff“, berichtete eine Soldatin. Das mehr als 300 Meter lange Schiff sei regelmäßig gereinigt worden. „Nachdem aber nichts passierte, haben wir nach ein paar Tagen wieder zusammen Sport gemacht“, sagte die Soldatin.

    Die Marine sieht es so: „Es hat keinerlei Fehler in der Bewertung der Lage gegeben.“ Eine Untersuchung wurde dennoch in Auftrag gegeben. In der Öffentlichkeit breitet sich jetzt die Unruhe erst richtig aus. Sie will wissen, was an Bord der anderen Schiffen los ist, die unter französischer Flagge auf den Weltmeeren kreuzen. Unter den insgesamt etwa 40 Schiffen befindet sich auch ein U-Boot mit Interkontinentalraketen. Auch an die Armee richten sich Fragen, ob und wie gegen Corona vorgebeugt wird.

    Der Sprecher der Marine versuchte es am Donnerstagabend mit einer forschen Stellungnahme: „An Bord der Charles de Gaulle wurden alle Vorsichtsmaßnahmen eingehalten, aber letzten Endes ist sie kein Kreuzfahrtschiff, sondern ein Kriegsschiff.“ Im Moment ist sie wohl weder das eine noch das andere, sondern ein Stahlkoloss, der untätig im Hafen von Toulon schwappt.

    Mehr: Thomas Modly hat viel Kritik für seinen Umgang mit dem Corona-Ausbruch auf eine US-Flugzeugträger bekommen. Nun hat er seinen Rücktritt eingereicht.

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    Mehr zu: „USS Roosevelt“ und „Charles de Gaulle“ - Flugzeugträger von Frankreich und den USA werden zu Epizentren der Corona-Epidemie
    3 Kommentare zu "„USS Roosevelt“ und „Charles de Gaulle“: Flugzeugträger von Frankreich und den USA werden zu Epizentren der Corona-Epidemie"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Vielleicht sind derartige Riesen-Schiffe nichts mehr für heutige Zeiten, da die riesige Mannschaft durch derartige Epidemien leicht außer Gefecht zu setzen sind.

    • Egal ob China, USA oder Europa: Unangenehmen Wahrheiten haben zu allen Zeiten an allen Orten...einfach schwer!

    • "Am 13. März, kurz vor Inkrafttreten der ..."
      wurde Ischgl nach Brest verlegt.

      Der Ausgang ist bekannt.

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