Valls kandidiert in Frankreich Der Machthungrige will in den Elysée-Palast

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Warme Worte für Präsident Hollande

In seiner sorgfältig austarierten Rede fand Valls zu Anfang auch viele warme Worte für Präsident Hollande, der nicht mehr antritt: „Ich empfinde Zuneigung zu ihm und großen Stolz, an seiner Seite diese immense, intensive Arbeit für den Schutz der Franzosen, für essentielle Reformen, für Wettbewerbsfähigkeit und für die Bewahrung unseres Sozialmodells geleistet zu haben.“

In den letzten Tagen hatten mehrere Medien aus angeblichen Hintergrundgesprächen mit Valls zitiert: „Ich habe keinen Respekt für Hollande und ich ertrage ihn nicht mehr.“ Ohne die Anhänger Hollandes in der Sozialistischen Partei wird Valls allerdings die Vorwahl nicht gewinnen können, deshalb geht er nun wieder auf den Präsidenten zu, den er mit der Drohung seiner eigenen Kandidatur indirekt zum Verzicht gezwungen hat.

Ein Programm stellte Valls noch nicht vor, nur ein paar Leitgedanken: Die „breiten Volksschichten und Arbeiter sollen ihre Würde wiederfinden“; das „europäische Projekt neugründen“ sei ihm ein Anliegen, er wolle „dem China von Xi Jinping, dem Russland von Wladimir Putin und der Türkei von Recep Erdogan ein starkes Europa entgegenstellen“. Grüne Wirtschaft, Digitale Wirtschaft, Energiewende sind weitere Stichworte, die er erwähnte.

Wie ein Staatspräsident sich selbst demontiert
Der Präsident, der seine eigene Partei abschaffen will
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Jahrelang hat Francois Hollande alles versucht, um jede Strömung seiner Partei PS zu berücksichtigen. Doch spätestens mit seinem Buch „Ein Präsident sollte das nicht sagen...“ schlägt er die gegenteilige Richtung ein. Er halte die Sozialisten für überflüssig. „Die Liquidierung ist notwendig, ein Hara-Kiri.“

Nach der
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Nach der gesamten Partei pickte sich Hollande auch die Spitzenkräfte in der Regierung heraus. Über seinen Außenminister und früheren Premier Jean-Marc Ayrault ließ er in dem Buch verlauten: „Er ist so loyal, dass er nicht mehr zu hören ist – ich benutze ihn bis zum Schluss, dann wechsele ich ihn aus.“

Die ungebildete Bildungsministerin
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Auch die Frauen in der französischen Regierung verschont er nicht. Über seine Parteifreundin und Bildungsministerin Najat Vallaud-Belkacem: „Sie ist gut, Najat, sehr stark im Dreschen von hohlen Phrasen. Sie ist ehrgeizig, will etwas erreichen, mehr als die anderen. Najat ist keine Intellektuelle, sie hat nicht die ENA (Elite-Hochschule) gemacht.“

Kein Charisma
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Parlamentspräsidenten Jean-Claude Bartolone war zunächst in der Verlosung um ein höheres Amt. Doch Hollande gab nun noch während seiner Amtszeit bereitwillig Auskunft, warum er ihn nicht zum Premier gemacht hat: „Bartolone, nein, er hat nicht die Statur dafür. Außerdem hat er verletzend über Deutschland geredet und er ist nicht sehr bekannt. Am Tag, an dem er es würde, sähe man: Er hat kein großes Charisma.“  

Auch seine Gegenspieler verschont Hollande nicht
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Über seinen Vorgänger Nicolas Sarkozy sagte der aktuelle Präsident: „Wir hatten den kleinen Napoleon, hier haben wir den kleinen de Gaulle. Für Sarkozy gibt es keine Grenze zwischen dem, was sich gehört und dem, was sich nicht gehört – diese Geldgier, er redet immer nur übers Geld, das erste, was er mir sagt, ist wie viel Geld er mit seinen Vorträgen verdient.“

 

Der hilfsbedürftige Grieche
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Auch zum griechischen Premier hat Hollande eine bis dato unveröffentlichte Meinung: „Er ist unerfahren aber intelligent, und manchmal etwas verloren. Ich habe ihm gesagt: Hilf mir, Dir zu helfen. 14 Länder wollen Dich rauswerfen (aus der Eurozone), nur drei wollen Dich drin behalten: Frankreich, Italien und Zypern. …Putin hat mich nach dem griechischen Referendum angerufen: ‚Ich habe eine Information für Dich, Griechenland hat uns angerufen und gebeten, ob wir Drachmen für sie drucken können, sie hätten keine Druckerei mehr. Ich sage es Dir, damit Du siehst, dass das nicht unsere Absicht ist.‘“

Das faule Volk
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Während sich die Meinung zu Tsipras geradezu harmlos liest, schlägt er bei seinem Fazit über das griechischen Volk völlig unangemessene Töne an: „Sie haben sich daran gewöhnt, keine Steuern zu bezahlen, schwarz zu arbeiten, mit 50 oder 55 in Rente zu gehen, soviel zu betrügen wie möglich – die Griechen sind kollektiv verantwortlich.“

Ähnlich wie Gerd Schröder im Wahlkampf 2002 stichelt Valls den Widerstandswillen der Linken gegen die Darstellung an, die Wahl sei bereits entschieden: „Man sagt, die extreme Rechte komme sicher in die Stichwahl, aber nichts geschrieben, die Linke könne sich nicht sammeln, aber nichts steht geschrieben, Fillon sei schon der nächste Präsident, aber nichts steht geschrieben, unsere Leben sind mehr wert als Prognosen, ich will die Linke zum Sieg führen, gebt mir diese Kraft.“

Valls kann leidenschaftlich auftreten und er kann Pathos. Er beschwor die Kraft des französischen Volkes, den „französischen Geist“, der unbändig und rebellisch sei. Doch am Montag überdrehte er teilweise. Er versuchte, seine Botschaft noch einmal in ein griffiges Bild zu packen: „Der Erfolg misst sich nicht an der Größe eines Bankkontos, sondern am Strahlen in den Augen der Menschen, ich will, dass alle dieses Strahlen wiederfinden.“

Rau verlor übrigens die „Versöhnen statt spalten“-Wahl, allerdings mit einem Ergebnis, von dem die Volksparteien heute träumen: 37 Prozent der Zweitstimmen. Für Valls geht es bei dieser Wahl nicht allein um ein honoriges Ergebnis, sondern auch darum, seinen Anspruch zu begründen, künftig die gemäßigte Linke zu führen.

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