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Vatikan Papst Franziskus steht vor der Missbrauchskonferenz in der doppelten Kritik

Der Papst will den Missbrauch in der katholischen Kirche aufarbeiten – manchen geht er damit zu weit, anderen nicht weit genug.
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Papst eröffnet Konferenz zum Missbrauch in katholischer Kirche: „Wir brauchen Maßnahmen“

Rom Es ist eine Premiere im Vatikan: Noch nie suchte der traditionell undurchschaubare Vatikan von sich aus so die Öffentlichkeit wie zum Auftakt der Kinderschutz-Konferenz, bei der es ab diesem Donnerstag vier Tage lang um sexuellen Missbrauch und dessen Prävention geht. Briefing folgt auf Pressekonferenz folgt auf nächstes Briefing, jedes Wort der Konferenz soll gestreamt werden.

Der Drang ins Rampenlicht hat einen Grund: Es geht um die Glaubwürdigkeit der uralten Institution, die unter den eigenen Gläubigen wie in der breiteren Bevölkerung an Zustimmung verliert. Und es geht darum, ob Papst Franziskus Tatkraft demonstrieren und sein Erbe retten kann.

Angetreten war der 82-Jährige vor fast sechs Jahren als Reformer, auch gegen den Widerstand der Traditionalisten an der Kurie in Rom. Doch inzwischen sieht es eher nach einem Patt aus, und das Crescendo der Kritiker ist nicht mehr zu überhören: Einer ihrer Wortführer, der deutsche Kurienkardinal Gerhard Ludwig Müller, warf Franziskus im „Spiegel“ vor, er umgebe sich mit „Hofschranzen“. Sexuellen Missbrauch in der Kirche sieht Müller als Taten Einzelner mit „verdorbenem Charakter“, nicht als systemisches Problem der hierarchischen und zur Heimlichkeit neigenden Organisation.

Klar ist: Kein anderes Thema hat die Grundfesten der Kirche so erschüttert wie die unzähligen Missbrauchsskandale. „Ja, es hat Missbrauch gegeben“, sagte Franziskus vor Kurzem, „wir arbeiten seit Langem an der Aufklärung, und es muss noch viel mehr getan werden.“

Immer mehr erschreckende Taten kommen ans Licht, und die Kirche reagiert. So wurde am Sonntag Theodore McCarrick, der frühere Erzbischof von Washington, aus dem Priesterstand entlassen – die Höchststrafe in der Kirche. Kardinal ist er schon seit vergangenem Jahr nicht mehr. Er sei schuldig des sexuellen Fehlverhaltens mit Minderjährigen und Erwachsenen, erklärte der Vatikan. Auch gegen den Pariser Nuntius Erzbischof Luigi Ventura wird nun wegen sexueller Belästigung ermittelt.

Ja, es hat Missbrauch gegeben, wir arbeiten seit langem an der Aufklärung und es muss noch viel mehr getan werden. Papst Franziskus

Doch das Problem ist viel größer: In Deutschland wurden schon 2010 Missbrauchsfälle an katholischen Schulen publik. Der Kirche wird Vertuschung vorgeworfen. „Das Bild, das entsteht, ist das von Rückschritt, von Verkommenheit, von Kriminalität“, kommentiert Pater Bernd Hagenkord in Rom, wie Franziskus Jesuit und Leiter der deutschsprachigen Redaktion von „Radio Vatikan“. „Da haben es alle schwer, die dagegen anarbeiten, die sich um Aufklärung, um Richtlinien, um Gerechtigkeit mühen. Es gibt aber Fortschritt.“

Die Vorsitzenden der Bischofskonferenzen, Ordensvertreter und Kardinäle, insgesamt 190 Teilnehmer beraten nun bis Sonntag, wie Missbrauch vermieden werden kann. An jedem Tag kommen auch Opfer zu Wort. Vom Papst heißt es, dass er seit einiger Zeit jede Woche mit einem Betroffenen spricht und das auch von seinen Bischöfen erwarte.

Den Vertretern von Opferorganisationen reicht das nicht. Sie halten improvisierte Pressekonferenzen auf dem Petersplatz ab. „Alle Priester, die schuldig sind, müssen sofort aus dem Amt entlassen werden“, sagt ein Amerikaner. Andere fordern Diskussionen über die Themen Zölibat und Missbrauch von Ordensfrauen.

Eins nach dem anderen, heißt es dazu in der Kurie. Franziskus gilt als jemand, der seine Strategie ohne Kompromisse durchzieht. Wie diese Strategie aussieht, könnte sich in den nächsten Tagen entscheiden.

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