Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Venezuela Das steckt hinter Putins kostspieliger Freundschaft zu Maduro

Russland stützt weiter den venezolanischen Präsidenten Maduro, dem die Entmachtung droht. Moskau verfolgt damit vor allem wirtschaftliche Interessen.
Kommentieren
Venezuela: Russland bleibt fest an der Seite von Nicolás Maduro Quelle: AP
Nicolas Maduro und Wladimir Putin

Der russische Präsident hat Maduro zwar nicht öffentlich zum Durchhalten aufgefordert, doch tatenlos zusehen wird er nicht.

(Foto: AP)

MoskauFür Russland bahnt sich in Venezuela ein Horrorszenario an: Sollte Oppositionsführer Juan Guaidó den Showdown gegen die Regierung gewinnen, droht Russland mit leeren Händen dazustehen.

Venezuelas Opposition hatte anderthalb Jahre nach den erfolglosen Massenprotesten gegen den Präsidenten Nicolás Maduro einen neuen Anlauf gestartet, den ungeliebten Machthaber zum Rücktritt zu zwingen. Der Vorsitzende der entmachteten Nationalversammlung, Juan Guaidó, erklärte sich am Mittwoch zum Übergangspräsidenten.

Moskaus Sorge hat vor allem finanzielle Gründe. In den vergangenen Jahren hat Russland Gelder in Milliardenhöhe in die marode venezolanische Volkswirtschaft gesteckt – immer in der Hoffnung, daraus künftig politisches und wirtschaftliches Kapital zu schlagen.

Entsprechend engagiert verteidigt Russland seine Interessen. Außenminister Sergej Lawrow hatte schon in der vergangenen Woche bei seiner Jahrespressekonferenz vor einer möglichen Anerkennung Guaidós oder gar einer militärischen Einmischung durch die USA gewarnt. „Das ist alles sehr alarmierend und spricht dafür, dass die USA an ihrer Leitlinie zum Sturz unbeliebter Regierungen in Lateinamerika und anderen Regionen festhält“, beklagte er die Spekulationen, die sich jetzt bewahrheitet haben.

Vize-Außenminister Sergej Rjabkow warnte die USA nun vor einer Einmischung in die inneren Angelegenheiten Venezuelas. Dies wäre „katastrophal“, weil es die Grundfeste der Entwicklung Lateinamerikas erschüttern würde.

Nachdem sich Donald Trump tatsächlich auf die Seite der venezolanischen Opposition gestellt hatte und andere westliche Regierungen dem Beispiel gefolgt waren, reagierte Russlands Außenamtssprecherin Maria Sacharowa mit scharfer Kritik.

„Am Beispiel der Ereignisse in Venezuela ist gut zu sehen, wie die progressive westliche Gesellschaft tatsächlich dem Völkerrecht, der Souveränität und der Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten gegenübersteht, wenn sie dort die Machthaber mit eigener Hand auswechselt“, schrieb sie. Der stellvertretende Chef des Außenausschusses im Föderationsrat, dem Oberhaus des russischen Parlaments, Andrej Klimow, hat derweil die Anerkennung Guaidós durch Moskau ausgeschlossen.

Putin wird nicht tatenlos zusehen

Präsident Wladimir Putin hat Maduro zwar nicht öffentlich zum Durchhalten aufgefordert, wie es sein türkischer Amtskollege Recep Tayyip Erdoğan getan hat. Doch tatenlos zusehen wird Putin sicher nicht. Zu viel hat Russland dafür investiert.

Die enge und für Russland kostspielige Freundschaft begann schon unter Hugo Chavez. Maduros Vorgänger war einer der wenigen Staatsführer, die nach Russlands Fünftagekrieg gegen Georgien die von Moskau protegierten Republiken Abchasien und Südossetien anerkannte. Im Gegenzug bekam Caracas damals einen Kredit über 2,2 Milliarden Dollar, die Venezuela aber gleich wieder bei der russischen Waffenindustrie ausgab. Obendrauf gab es für Venezuela kostenlos fast 100 Panzer.

Später lieferte Russland weitere 100 Panzer auf Pump. In der Anfangszeit galt Caracas noch als guter Kunde der russischen Rüstungsindustrie und zahlte für die Lieferung von Kalaschnikow-Maschinengewehren, Kampfflugzeugen oder Militärhubschraubern selbst.

Doch spätestens mit Chavez' Tod entwickelte sich Venezuela nach und nach zum Pflegefall für Russland. Immer mehr Kredite wurden fällig, für die Venezuela den Russen im Gegenzug Zugang zu den reichen Öllagerstätten im eigenen Land versprach.

Vor allem der staatliche russische Ölkonzern Rosneft engagierte sich massiv in Venezuela, kaufte sich in Lagerstätten ein und machte sich nach den Sanktionen gegen den Karibikstaat zum Abnehmer venezolanischen Öls. Vor knapp zwei Jahren hat der Konzern des Putin-Vertrauten Igor Setschin dann noch einmal sechs Milliarden Dollar hingelegt – für künftige Öllieferungen. Ob die nun kommen, steht in den Sternen.

Konzernsprecher Michail Leontjew reagierte dementsprechend genervt auf die Vorkommnisse in Venezuela. Für einen Kommentar gebe es überhaupt keinen Anlass. „Was für Verluste? Alles, was dort passiert, passiert dort schon fünf Jahre lang jeden Tag. Da in Venezuela ist alles ziemlich im Arsch. Wir mischen uns nicht in die Politik ein und von uns bekommt ihr keinen Kommentar“, sagte er. Anschließend fauchte er die Journalisten noch an: „Habt Ihr zu viel Bilsenkraut gegessen?“

Schon länger versucht Russland Maduro zu stärken. Vize-Finanzminister Sergej Stortschak reiste zuletzt mehrfach nach Caracas und hatte vor einigen Tagen einen Plan zur wirtschaftlichen Gesundung Venezuelas vorgelegt.

Moskau und Caracas hätten die Stundung der Kreditschulden vereinbart und einen neuen Zeitplan für die Rückzahlung aufgestellt, sagte er. Das Problem: Durch die Vereinbarung werden die Regale in den Geschäften von Caracas auch nicht voller, die Unzufriedenheit der Menschen nicht geringer.

Diplomatisch und politisch werde Russland sicher alles in seiner Macht Stehende tun, um Maduro weiter zu stützen, meint der Moskauer Politologe Fjodor Lukjanow. Tatsächlich will Moskau über die UN das Vorgehen der USA verurteilen lassen. Die Chance darauf ist angesichts des Vetorechts der USA im UN-Sicherheitsrat allerdings nichtig.

Außer rhetorischer Unterstützung kann Russland derzeit kaum etwas für Maduro tun. „Realistisch gesehen sind die Möglichkeiten Russlands dort sehr begrenzt. Venezuela ist weit weg und liegt – so zynisch es klingt – im Einflussbereich der USA“, sagte Lukjanow dem Handelsblatt.

Neue Wirtschaftshilfen schätzt er ebenfalls als unwahrscheinlich ein. In der augenblicklichen Lage werde das sowieso nicht helfen. Wenn Maduro den Machtkampf gewinne, werde Moskau sicher darüber nachdenken. Aber auch in dem Fall sei Moskau die Angst vor weiteren Verlusten wohl zu hoch.

Brexit 2019
Startseite

Mehr zu: Venezuela - Das steckt hinter Putins kostspieliger Freundschaft zu Maduro

0 Kommentare zu "Venezuela: Das steckt hinter Putins kostspieliger Freundschaft zu Maduro"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.