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Venezuela Präsident Maduro sitzt auf 16 Tankern voller Öl – und bekommt sie nicht verkauft

Die USA sind als großer Abnehmer weggefallen. Lagerengpässe sorgen für eine Verknappung der Produktion – und beuteln so die ohnehin geschwächte Wirtschaft.
Update: 03.03.2019 - 18:07 Uhr Kommentieren
Seit Ende Januar fehlen Maduro Abnehmer für die rund 550.000 Fass Öl, die zuletzt die USA kauften. Quelle: dpa
Ölförderung in Venezuela

Seit Ende Januar fehlen Maduro Abnehmer für die rund 550.000 Fass Öl, die zuletzt die USA kauften.

(Foto: dpa)

Berlin, Salvador, BogotáEine Armada von 16 randvoll mit Rohöl beladenen Tankern dümpelt vor der Küste Venezuelas und vorgelagerten Inseln.

Zwischen 8,4 und 10 Millionen Barrel (je 159 Liter) Öl liegen so fest. Seit die USA Ölsanktionen gegen Venezuelas Herrscher Nicolás Maduro verhängt haben, ist ein Großteil der Ware unverkäuflich. Die Tanker dienen als Lager für die venezolanische Ölproduktion. Doch da inzwischen die meisten Schiffe bis zur Oberkante beladen sind, musste das Land mit den größten Ölvorkommen inmitten von Hungerkrise und Machtkampf seine Förderung radikal drosseln.

Wer dieser Tage in Caracas tanken will, findet noch überall Benzin. In der venezolanischen Hauptstadt sieht man keine Schlangen an den Zapfsäulen. Anders sieht es mitunter im Inland aus. Da ist Benzin immer mal wieder knapp, das war es aber in den vergangenen Jahren auch schon.

Vor einem Monat haben die USA die verschärften Sanktionen gegen die Regierung in Caracas erlassen. Seitdem kaufen sie Venezuela kein Öl mehr ab. Und damit fließen täglich rund 350 Millionen Dollar weniger in die Kassen des Regimes. Diese Sanktionen würden Präsident Maduro binnen Kurzem in die Knie zwingen, hieß es Anfang Februar. Noch aber hält er sich.

Während in Venezuela der selbst ernannte Übergangspräsident Juan Guaidó den sozialistischen Machthaber Maduro verjagen will, tobt im Hintergrund unerbittlich der Machtkampf zwischen Russland und den USA um die Vorherrschaft über das lateinamerikanische Land. Russland hat Freitagnacht zusammen mit China – Venezuelas größtem Kreditgeber – eine Sanktion für Lebensmittelhilfen für das hungernde Land per Veto im UN-Sicherheitsrat verhindert. Washington will mit den Hilfsgütern den von den USA, Deutschland und anderen Ländern anerkannten Parlamentschef und Übergangspräsidenten Guaidó im Volk stärken.

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Moskau sagte indes am Freitag Maduros Vizepräsidentin umfangreiche Hilfen durch Lieferungen von Weizen, Medikamenten sowie die Entsendung von Ölexperten zu. Im Gegenzug verlegt der venezolanische Staatsölkonzern Petroleos de Venezuela S. A, (PdVSA) seine Europazentrale von Lissabon nach Moskau. Caracas versucht, nun auch mehr Öl an Rosneft zu liefern, den vom Kreml kontrollierten größten börsennotierten Ölkonzern der Welt.

Mit dem Schritt will der Kreml Maduro im Machtkampf stärken. Denn Venezuelas Ölförderung sinkt drastisch. 350 Millionen Dollar Öleinnahmen täglich gehen laut dem Branchendienst Kpler der Staatskasse verloren. Rosneft musste die Förderung seines Joint Ventures mit PdVSA, Petromonagas, bereits wegen Lagerengpässen stoppen.

Seit Ende Januar fehlen Maduro Abnehmer für die rund 550.000 Fass Öl, die zuletzt die USA kauften. Zudem kommen keine wichtigen Chemikalien aus den USA mehr, die zur Mischung des stark schwefelhaltigen venezolanischen Öls mit leichtem Importöl gebraucht werden, um es auf Tankschiffe pumpen zu können.

Noch hält Maduro seine Wirtschaft am Laufen: „Es gibt noch Benzin, und auch die Versorgung der Menschen und Geschäfte mit Lebensmitteln ist weiter gewährleistet“, sagte Luis Arturo Bárcenas, Chefökonom der Wirtschaftsberatungsfirma Ecoanalítica, dem Handelsblatt. „Es gibt keinerlei sichtbare Veränderungen bei der Versorgung der Tankstellen oder der Lebensmittelverteilung.“

Doch die Lage verschlechtert sich täglich: „Die Raffinerien in Carabobo, Anzoátegui sowie die Anlage auf Curaçao haben ihren Betrieb eingestellt“, sagte Iván Freites, Direktor der Ölarbeitergewerkschaft FUTPV. Aber auch der noch funktionierende Paraguaná-Raffineriekomplex mit einer Kapazität von 940.000 Barrel produziere pro Tag nur noch 70.000 Barrel Kraftstoff. „Das reicht bei Weitem nicht aus, um die Nachfrage des Inlandsmarktes zu decken“, sagt Freites. 110.000 Fass Benzin und 80.000 Fass Diesel verbrauche die Fahrzeugflotte Venezuelas täglich.

Angst vor Bürgerkrieg

Politisch dürfte es schon am Montag zum ultimativen Machtkampf zwischen Maduro und Guaidó kommen: Da will der selbst ernannte Interimspräsident nach Caracas zurückkehren, und Maduro will ihn wegen unerlaubten Verlassens Venezuelas verhaften lassen. „Ich bin diese Verpflichtung nicht eingegangen, um sie außerhalb Venezuelas zu erfüllen“, unterstrich Guaidó in einem auf Twitter veröffentlichten Video indes seinen Machtanspruch. Er rief seine Anhänger zu neuen Protesten auf und forderte auch die Staatsbediensteten auf, gegen Maduro auf die Straße zu gehen. Guaidó hatte in den vergangenen Tagen in Brasilien, Paraguay, Argentinien und jetzt Ecuador für sich und seinen Weg zum Sturz der Regierung in Caracas geworben – und dabei auch eine US-Intervention nicht abgelehnt. Russlands Parlamentschefin Walentina Matwienko warf indes den USA vor, einen „Vorwand für einen Einmarsch zu schaffen“.

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