Verbraucherschutz in Frankreich „Corned Beef oder Corned Horse?“

Paris ist sauer auf die EU-Kommission, weil sie eine klare Etikettierung mit Ursprungsangaben für Fleisch verhindere. Dass sich Länder bei der Kennzeichnung querstellen, hat einen einfach Grund.
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Frisches Pferdefleisch ? Oder doch Rind? Frankreich beklagt sich über die EU, die beim Verbraucherschutz nicht vorwärts kommt. Quelle: dpa

Frisches Pferdefleisch ? Oder doch Rind? Frankreich beklagt sich über die EU, die beim Verbraucherschutz nicht vorwärts kommt.

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ParisDie französische Regierung ist mit ihrer Geduld am Ende. „Wenn die EU-Kommission ihre Verantwortung für den Verbraucherschutz nicht wahrnimmt, obwohl das ihre klare Kompetenz ist, muss man sich über wachsende Europa-Skepsis nicht wundern“, sagte am Mittwoch Benoît Hamon, Minister für Sozialwirtschaft und Verbraucherschutz im Gespräch mit deutschen und britischen Journalisten. „Die Leute wollen schließlich wissen, ob sie Corned Beef oder Corned Horse vorgesetzt bekommen“, amüsiert sich der Sozialist mit schwarzem Humor.

Im März dieses Jahres, auf dem Höhepunkt des Pferdefleischskandals, hatten fünf Regierungen, darunter Deutschland und Frankreich, die EU-Kommission aufgefordert, einen Bericht und einen Vorschlag zur besseren Kennzeichnung von Frischfleisch und von Fertiggerichten vorzulegen. Auf den wartet man noch immer: Die Behörde ist intern zerstritten. Einige Kommissare wollen mehr für den Verbraucherschutz tun, andere haben wohl eher ein offenes Ohr für den Fleischhandel, dem nicht an mehr Transparenz gelegen ist.

„Deutschland und Frankreich ziehen an einem Strang“, stellt Agrarminister Stéphane Le Foll fest. Er freut sich darüber, dass im Koalitionsvertrag sogar ausdrücklich mehr Transparenz und eine bessere Etikettierung gefordert würden. Nun sei es an der Kommission, endlich zu liefern. Die Bevölkerung fordere in allen EU-Ländern mit erdrückender Mehrheit, den Verbrauchern mehr Informationen an die Hand zu geben. „Wir wissen, dass damit nicht jeder Betrug vermieden werden kann, aber ja exakter die Informationspflichten, desto schwieriger wird es, die Herkunft zu verschleiern und mit Fleisch zu betrügen“, stellt Hamon fest.

Anfang des Jahres war der Skandal um Pferdefleisch aufgeflogen. In Lasagne und anderen Fertiggerichten wurde statt Rindfleisch das Fleisch von Reittieren gefunden. Nach einigen Wochen stellten die Ermittler fest, dass Fleisch vor allem aus Rumänien über Zypern durch die halbe EU geschickt wurde, bis zum Unternehmen Spanghero in Südfrankreich. Dort erfuhr es die wundersame Umwandlung in Rindfleisch und wurde als solches an die Hersteller von Fertiggerichten weiter geliefert. „Die Verantwortlichen sitzen hinter Gitter, das Unternehmen wurde abgewickelt – wir haben ganze Arbeit geleistet“, lobt Hamon seine Regierung. Nun sei aber Brüssel am Zug.

„Vor allem Spanien bremst“

Das Zögern der Kommission hat einen Grund: Nicht alle Mitgliedstaaten sind heiß auf die genaue Kennzeichnung der Herkunft. „Vor allem Spanien bremst“, sagt Le Foll. Der Grund sei, dass viele als Serrano-Schinken verkaufte Hinterläufe in Wirklichkeit von Schweinen aus allen möglichen anderen Ländern stammten. Das aber wollten die Spanier den Verbrauchern nicht auf die Nase binden. Ähnliches gelte übrigens für „Jambon de Paris“, der ebenfalls von Schweinen aus völlig anderen Regionen stamme.

Die Mindestforderung der Franzosen ist, dass für Frischfleisch von Schweinen, Hühnern, Schafen und Ziegen gleiche Etikettierungsvorschriften wie für Rinder gelten müssten. Bei Fertiggereichen könne man sich anfangs auf eine Markierung „EU“ oder „Außerhalb der EU“ einlassen, Ziel sei aber später die genaue Kennzeichnung der Ursprungsländer.

Hamin räumt ein, dass dies einen positiven Nebeneffekt haben könne: „Mit der exakten Etikettierung begünstigt man kurze Lieferketten, auch aus ökologischen Gründen ist es besser, wenn die Tiere näher am Verarbeitungsort aufwachsen.“

Und Le Foll weist voller Ironie auf die Besonderheit der fleischverarbeitenden Industrie hin: „Das ist die einzige, in der nichts aus Einzelteilen zusammengebaut, sondern nur zerlegt wird.“ Am liebsten wäre es der Industrie, „wenn Rinder und Schweine nur aus der hinteren Hälfte bestünden, die lässt sich besser verkaufen – aber die Gentechnik ist noch nicht so weit“, sagt der Bretone, ohne eine Miene zu verziehen.

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  • Hoffentlich kommt die EU in diesem Thema bald voran.
    Gegen mehr Transparenz beim Fleisch kann doch niemand etwas haben? Der Bundesverband der Deutschen Fleischwarenindustrie ist sicherlich auch dieser Meinung.

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