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Verbraucherschutz Nach Glyphosat-Eklat – Lebensmittelstudien sollen transparenter werden

Konzernfinanzierte Studien, undurchsichtige Zulassungsverfahren – und am Ende Pestizide auf dem Teller? Künftig soll manches anders werden.
Update: 11.04.2018 - 17:00 Uhr 1 Kommentar
EU-Bürger sollen in Zukunft deutlich einfacher Zugang zu relevanten Informationen etwa über mögliche Gesundheitsgefahren oder Umweltbelastungen von Pestiziden erhalten. Quelle: dpa
Unkrautvernichter

EU-Bürger sollen in Zukunft deutlich einfacher Zugang zu relevanten Informationen etwa über mögliche Gesundheitsgefahren oder Umweltbelastungen von Pestiziden erhalten.

(Foto: dpa)

BrüsselNach der umstrittenen Glyphosat-Zulassung in Europa sollen Genehmigungen für Lebensmittel und Pestizide nach dem Willen der EU-Kommission deutlich transparenter werden. Entsprechende Vorschläge legte die Brüsseler Behörde am Mittwoch vor. Die Öffentlichkeit soll demnach schneller und leichter Einblick in relevante Studien und Zulassungsanträge von Konzernen bekommen. Die EU-Staaten und das Europaparlament müssten den Plänen noch zustimmen, damit sie Gesetz werden können.

Der Unkrautvernichter Glyphosat war 2017 in der EU nach monatelangem Streit für weitere fünf Jahre zugelassen worden. Gegen das Mittel hatte es vor allem in Deutschland massive Proteste gegeben. Der damalige Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) hatte dann allerdings praktisch im Alleingang zugestimmt, Deutschland ebnete damit den Weg für die Verlängerung. Die Internationale Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation stufte Glyphosat im März 2015 als „wahrscheinlich krebserregend“ für den Menschen ein. Die europäische Lebensmittelbehörde Efsa, die Chemikalienagentur Echa und das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung sahen aber keine ausreichenden Belege dafür.

Eine europäische Bürgerinitiative hatte in der Folge EU-weit mehr als eine Million Unterschriften für ein Verbot gesammelt. Die Unterzeichner forderten zudem eine Reform des Genehmigungsverfahrens für Pestizide. Diese sollten nicht auf Basis von Studien zugelassen werden dürfen, „die von der Pestizidindustrie in Auftrag gegeben wurden“, hieß es. Die Vorschläge der EU-Kommission sind nun eine direkte Reaktion auf die Proteste.

Bürger sollen demnach in Zukunft deutlich einfacher Zugang zu relevanten Informationen etwa über mögliche Gesundheitsgefahren oder Umweltbelastungen von Pestiziden erhalten. Dazu sollen sie von der Industrie an die EU-Lebensmittelbehörde Efsa übermittelte Daten unmittelbar einsehen dürfen. Andere Marktteilnehmer sowie die Öffentlichkeit sollen sich zudem einfacher zu von Unternehmen übermittelten Studien äußern können. Die Efsa soll zudem in Zweifelsfällen eigene Studien in Auftrag geben können, die aus dem EU-Budget finanziert werden sollen.

„Viele der Studien sind unstrittig“, sagte EU-Vizekommissionspräsident Frans Timmermans. Es sei daher vernünftig, die Kosten für Studien denen aufzubürden, die von ihnen profitierten - meist also den Unternehmen - und nicht den Steuerzahlern. Die Efsa solle aber gestärkt werden - unter anderem sollen in den maßgeblichen Gremien mehr nationale Experten vertreten sein.

Der Verbraucherverband Foodwatch kritisierte den Vorstoß. Die von der EU-Kommission erwogenen Korrekturen griffen zu kurz, sagte Foodwatch-Chef Thilo Bode der Deutschen Presse-Agentur in Brüssel. „Da wird meiner Meinung nach eine Riesenchance vertan.“ Nach den Skandalen um Pferdefleisch, Fipronil-Eier oder verseuchte Babymilch sei eine grundlegende Reform des EU-Lebensmittelrechts nötig.

Die EU-Kommission hält das nach der BSE-Krise eingeführte und mehr als 15 Jahre alte Lebensmittelrecht allerdings grundsätzlich für tauglich. Foodwatch-Geschäftsführer Bode sieht hingegen erhebliche Schwächen im System. So habe der Skandal um mit dem giftigen Insektenschutzmittel Fipronil verseuchte Eier im vergangenen Jahr belegt, dass die eigentlich vorgeschriebene Rückverfolgbarkeit von Produkten nie in der gesamten EU umgesetzt worden sei. Auch seien Verbraucher erst Wochen nach dem ersten Verdacht der Behörden informiert worden, als bereits Millionen Eier über Dutzende Länder verteilt waren.

Foodwatch verlangt deshalb ein stringentes und verpflichtendes System, mit dem Lebensmittel über die gesamte Produktionskette hinweg rückverfolgbar werden. Risikobewertung bei umstrittenen Mitteln wie dem Unkrautvernichter Glyphosat müsse strikt dem Vorsorgeprinzip folgen: Wenn es Hinweise auf Risiken gebe, dürfe keine Zulassung erteilt werden.

„Die Vorschläge der EU-Kommission sind ein erster Schritt in die richtige Richtung, dem aber noch weitere folgen müssen“, meinte der Grünen-Bundestagsabgeordnete Harald Ebner. „Die Zulassungsverfahren müssen aber insgesamt völlig neu organisiert werden. Studien und deren Bewertung dürfen nicht länger von den Herstellern selbst gemacht werden. Solche Studien müssen stattdessen öffentlich vollkommen herstellerunabhängig vergeben werden, finanziert über Gebühren.“

„Um die Gesundheit der Europäerinnen und Europäer zu schützen, ist eine hohe Lebensmittelsicherheit das A und O“, sagte die SPD-Europaabgeordnete Susanne Melior. „Dazu gehört auch, dass die Efsa gut arbeitet und ihre Entscheidungen den Bürgerinnen und Bürgern besser verständlich gemacht werden.“

Die Efsa hatte in jüngerer Vergangenheit etwa auch ein Gutachten vorgelegt, wonach Acrylamid in Lebensmitteln das Krebsrisiko für Konsumenten erhöht. Seit diesem Mittwoch gelten in der EU nach einer Entscheidung der EU-Staaten und des Europaparlaments strengere Regeln zur Eindämmung des Stoffes. Acrylamid bildet sich unter hohen Temperaturen beim Rösten, Backen, Braten oder Frittieren von stärkehaltigen Lebensmitteln aus der Aminosäure Asparagin und aus Zuckern. Betroffen sind vor allem Produkte auf Kartoffel- oder Getreidebasis sowie Kaffee.

  • dpa
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1 Kommentar zu "Verbraucherschutz: Nach Glyphosat-Eklat – Lebensmittelstudien sollen transparenter werden"

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  • Ich nehme an, es geht darum es den grünen NGO bequemer zu machen.

    Ich war beruflich in dem einen, oder anderem Arbeitskreis (Kein Pflanzenschutz) als "Industrievertreter" involviert. Häufig haben die Industrievertreter das meiste Wissen. Es gesellen sich Behörden, Universitätsinstitute und Labore hinzu. In der Regel werden Studien anhand gemeinsamer Kriterien vergeben. Bezahlt werden diese von der Industrie. Motivation der Industrie und Behörden ist häufig die Absicherung, der Labore und Institute Aufträge zu generieren.

    Grüne NGO Vertreter tauchen auf diversen Kongressen auf, suchen ein paar Brocken aufzuschnappen und fabrizieren daraus dann ihre ökoreligiösen Phantasiegeschichten die sie wiederum an willfährige Qualitätsmedien weitergeben.

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