Vereinte Nationen Russland warnt vor „schwerwiegenden Folgen“ bei US-Angriff in Syrien

Russlands UN-Botschafter Wassili Nebensja stellte die Echtheit des mutmaßlichen Giftgasangriffs in Syrien in Frage - und warnt die USA vor einer Einmischung.
Update: 10.04.2018 - 10:03 Uhr 21 Kommentare
Russland warnt die USA vor Angriff auf Syrien Quelle: dpa
Sitzung des UN-Sicherheitsrats

Der russische UN-Botschafter Wassili Nebensja warnt die USA.

(Foto: dpa)

New YorkUS-Präsident Donald Trump will auf den mutmaßlichen Giftgasangriff in Syrien „mit Nachdruck“ reagieren. Über einen möglichen Vergeltungsschlag beriet er unter anderem mit Vizepräsident Mike Pence und seinem neuen Nationalen Sicherheitsberater John Bolton, der am Montag seinen Amtsantritt hatte. Einen Zeitpunkt nannte Trump dabei nicht.

In der Krise hat Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron sich erneut mit US-Präsident Donald Trump abgestimmt. Die beiden hätten bei einem Telefonat über die Entwicklungen seit den Chemie-Attacken sowie die Beratungen im UN-Sicherheitsrat gesprochen, teilte der Élyséepalast in der Nacht zum Dienstag mit. Macron und Trump hätten erneut ihren Wunsch nach einer entschlossenen Reaktion der internationalen Gemeinschaft bekräftigt.

Bereits zuvor hatte Trump den mutmaßlichen Giftgasangriff am Wochenende auf die Rebellenstadt Duma bei Damaskus als „abscheulich“ bezeichnet und versprochen, die Verantwortlichen für den Angriff ausfindig zu machen.

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Die US-Regierung überprüft nach eigenen Angaben noch, ob der syrische Präsident Baschar al-Assad hinter der mutmaßlichen Attacke vom Samstag steckt. Die Pressesprecherin des Weißen Hauses, Sarah Huckabee Sanders, hatte gesagt, der Angriff stimme mit dem Muster überein, das Assad bei vorherigen Einsätzen chemischer Waffen gezeigt habe.

Das US-Militär schien indes in Stellung für einen möglichen Schlag zu sein. Der Zerstörer „USS Donald Cook“ war im östlichen Mittelmeer unterwegs und hatte Tomahawk-Marschflugkörper an Bord. Jene Geschosse kamen auch bei dem Angriff auf die syrische Basis Al-Schairat vor einem Jahr zum Einsatz.

Ein amerikanische Regierungsmitarbeiter, der anonym bleiben wollte, erklärte, die USA berieten mit Verbündeten über einen möglichen Vergeltungsschlag. Bei einem schnellen Vorgehen sei als Partner Frankreich wahrscheinlich, weil es bei Großbritannien Bedenken wegen einer möglichen Erlaubnis vom Parlament gebe.

Russland wiederum hat den Vereinigten Staaten im Konflikt in Syrien das absichtliche Anheizen von internationalen Spannungen vorgeworfen. Die USA wüssten nicht, was sie tun und bewegten die Welt hin zu einer „gefährlichen Schwelle“, warnte der russische UN-Botschafter Wassily Nebensja bei einer Dringlichkeitssitzung des Weltsicherheitsrats.

Ein US-Militärschlag gegen Syrien würde nach russischer Darstellung „schwerwiegende Folgen“ haben. Dies sei der US-Regierung von Präsident Donald Trump bereits mitgeteilt worden, so Nebensja.

Nebensja bekräftigte Russlands Ansicht, es habe keinen chemischen Angriff gegeben. Großbritannien, Frankreich und anderen Ländern warf er vor, den USA „blind“ in deren Annahmen gefolgt zu sein.

Eine Aufklärungsmission der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) solle nach Damaskus geschickt werden, so Nebensja. Er rief die Ermittler der Organisation auf, sich ab Dienstag selbst vor Ort ein Bild zu machen. Das syrische und russische Militär würden für ihren Schutz sorgen.

Zuvor hatte der UN-Sondergesandte für Syrien, Staffan de Mistura, erklärt, die jüngsten Ereignisse hätten die globalen Spannungen eskalieren lassen und bringe internationale wie regionale Akteure in die gefährliche Situation einer potenziellen oder tatsächlichen Konfrontation. Erstmals in seinen vier Jahren, in denen er Sicherheitsratsmitglieder über Syrien informiere, sei er über internationalen Frieden und Sicherheit besorgt.

Die amerikanische UN-Botschafterin Nikki Haley erklärte, die USA würden auf jeden Fall auf den Chemiewaffen-Angriff auf eine von Rebellen gehaltene Stadt reagieren, auch wenn der Sicherheitsrat nicht handle. Trump hatte zuvor angekündigt, rasch über eine Reaktion entscheiden zu wollen und dabei einen Militäreinsatz nicht ausgeschlossen. Russland hat im Sicherheitsrat ein Veto-Recht.

Bei dem Angriff am Samstag wurden nach Angaben von Zeugen und Hilfskräften 60 Menschen getötet und rund 1000 verletzt. Mehrere Staaten, darunter die USA und Großbritannien, machen Syrien und seinen Verbündeten Russland für den mutmaßlichen Giftgas-Einsatz verantwortlich.

Die Regierungen in Damaskus und Moskau haben die Vorwürfe zurückgewiesen. Das russische Militär hat einem Medienbericht zufolge keinen Hinweis auf einen Chemiewaffen-Einsatz gefunden. Die OPCW hat eine Untersuchung eingeleitet.

UN-Menschenrechtskommissar Said Raad al-Hussein hat angesichts des mutmaßlichen Giftgasangriffs in Syrien vor der Gefahr eines „kollektiven Achselzuckens“ gewarnt. Die Weltgemeinschaft und vor allem die Vetomächte im UN-Sicherheitsrat müssten angesichts der irreparablen Schäden, die den internationalen Bemühungen beim Verbot von Massenvernichtungswaffen zugefügt worden sei, „schnell aufwachen“, erklärte al-Hussein am Montag.

Sein Genfer Büro teilte mit, es fehle an Informationen über den mutmaßlichen Giftgasangriff in der Rebellenstadt Duma bei Damaskus am Samstag. Es wies jedoch darauf hin, dass es fast drei Dutzend Chemiewaffenangriffe in Syrien gegeben habe, seit das Land die internationale Chemiewaffenkonvention vor viereinhalb Jahren ratifiziert habe.

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21 Kommentare zu "Vereinte Nationen: Russland warnt vor „schwerwiegenden Folgen“ bei US-Angriff in Syrien"

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  • Herr G. Nampf

    Von manchmal würde ich nicht reden wollen. Das ist ein rarer Einzelfall, wobei ich den nicht beurteilen kann, weil den Beitrag nicht gesehen. Gesehen habe ich in der Vergangenheit allerdings auch schon Gesprächspartner von Moderatoren in den ÖR, die eingeladen waren, die „Hohe Meinung“ des jeweiligen Moderators zu stützen, die so unverschämt waren, ohne Vorwarnung ihre eigene Meinung live zu äußern. Zu erkennen war das leicht an den entgleisten Gesichtszügen des/die Fragestellers/in und den verzweifelten Nachfragen. Gesehen habe ich danach im ÖR keinen diesen Interviewten.

  • @ Stefan Nold
    10.04.2018, 12:05 Uhr

    " Ich würde mir wirklich eine unvoreingenommene, verlässliche Berichterstattung in den deutschen Leitmedien wünschen. Davon kann derzeit leider nicht die Rede sein."

    Zumindest hat das "heute journal" (gestern?, vorgestern?) zu diesem Thema eine sehr ausgewogene, neutrale Sichtweise zu diesem Thema entwickelt:, daß der Angriff - so er dem stattgefunden hat- Assad nichts nützen würde, daß man nichts wirklich wisse/ prüfen könne und daß alle Quellen nur bedingt glaubwürdig seien.

    Die vielbescholtenen Leitmedien sind manchmal besser, als wir alle hier (inklusive mir) es wahrhaben wollen.

  • Da fällt es mir doch wie Schuppli vor die Augen. Natürlich hatte Assad einen enorm wichtigen Grund zum Einsatz von Giftgas. Man befand sich schließlich aus der Position des Stärkeren in konkreten Abzugsverhandlungen mit den widerspenstigen Kämpfern. Was liegt da näher, als seiner Forderung zum Abzug in Form eines Giftgasabwurfs Nachdruck zu verleihen?

    Wie Heute zu lesen ist, war es von Erfolg gekrönt – Tausende Kämpfer verlassen die Stadt. Eigentlich wäre es auf 1 – 2 Tage später auch nicht mehr darauf angekommen, aber Verhandlungen werden öfters skrupellos geführt.

    Eine ganz andere Möglichkeit wäre, dass ein mit den Rebellen sympathisierender Kommandeur den Hubschrauberangriff veranlasst hat, was dann natürlich auf Giftgasbestände in der syrischen Armee hindeuten würde. Aber Assad bleibt natürlich für das Versagen in der Administration genauso verantwortlich, wie unsere Merkel III im Fall für das Behördenversagen im Fall Amri.

    Daneben besteht auch die Möglichkeit, dass ein erbeuteter syrischer Kampfhubschrauber für eine solche Attacke verwendet wurde. Wer weiß das schon?

    Je mehr man nachdenkt, desto mehr Fragen, aber keine definitiv richtige Antwort.

  • Herr Nold, wen meinen Sie denn, wenn Sie vom Finger am Abzug sprechen - wohl die USA. Zur Klarstellung: wer nähert sich amerikanischen Flugzeugträgern bis auf wenige (gefährliche) Meter, wer führt in der Baltischen See Manöver ganz hart an der Grenze zu Schweden und anderen Staaten durch, wer hat Kriegsgerät zum Abschuss der MH17 über der Ostukraine geliefert usw. usw. Wenn Putin auf dieser Schiene weiterfährt, und dies ist ihm sehr wohl zuzutrauen, läuft dies auf eine militärische Auseinandersetzung mit dem Westen hinaus, aber da kann er sich dann nur auf weniger Verbündete verlassen - hat er überhaupt welche?

  • Herr Stefan Nold,

    Ihre im Kommentar beschriebenen Sorgen und Ansichten teile ich in vollem Umfang. Nur die Frage, warum ich z. B. Kommentare schreibe, habe ich mir selbst beantwortet.

    Ich schreibe sie im Wissen darüber, dass nicht ein einziger Kommentar weder in den Massenmedien auch nur zur Veränderung eines Kommas ändern, noch im Kopf von Machtpolitikern irgendeinen Impuls auslösen wird.

    Den einzigen Sinn, den ich darin sehe, ist der wechselseitige Austausch von Argumenten und Informationen.

  • Manchmal frage ich mich; Warum schreibe ich hier ellenlange Kommentare obwohl ich beruflich wirklich sehr gut ausgelastet bin? Ich habe einfach Angst, dass wir völlig unnötig in eine gefährliche Konfrontation hineinschlittern, die zwar niemand richtig gewollt hat, aber es waren alle zu träge, so etwas zu verhindern - ähnlich wie beim ersten Weltkrieg. In den 70ern standen die sowjetischen Panzer 50 km entfernt von Fulda (Fulda gap). Aber es gab klare Einflusszonen, in die die Gegenseite sich nicht eingemischt hat. Ein amerikanischer Angriff in Syrien wäre damals völlig undenkbar gewesen. Heute verläuft die Grenze des Natoeinflussbereichs mehr als 1000 km im Osten. Die Bedrohungslage hat sich umgekehrt und die USA haben Allmachtsphantasien. Wir müssen versuchen, die Welt auch mit den Augen der anderen Seite zu sehen. Nicht um die Sichtweise zu übernehmen, sondern um die Gegenseite zu verstehen. Gerade diejenigen, die im Kalten Krieg Wehrdienst geleistet haben, sind für so etwas eher zu sensibilisieren, als Leute, die ein Gewehr nur theoretisch kennen. Mich hat der Dienst an der Waffe zwar nicht zum Pazifisten gemacht, aber zu jemanden, der der Meinung ist, dass eine nicht-militärische Option in 95% der Fälle die bessere Lösung ist.

    VERDAMMT NOCH MAL, HÖRT ENDLICH AUF STÄNDIG MIT DEM FINGER AM ABZUG HERUM ZU SPIELEN !!!

  • Obama der internationale Friedensengel und Frühligsbringer sieht einen weiteren Sieg seiner Wertegemeinschaft entgegen, das Land liegt in Trümmern und die Leute bekommen ihren ewigen Frieden, das ist eben einem Friedens-Nobel-Preis-Träger würdig.

  • Herr Nold,

    Ihre zutreffenden Feststellungen zu unseren wahrheitsliebenden Massenmedien sind aber nun wirklich keine neue Erscheinung.

    Dennoch kann man sich durchaus eine eigene Meinung bilden - und das ohne Russia Today. Von dieser Quelle habe ich jedenfalls bislang noch nicht 1 Mal Gebrauch gemacht.

  • Assad ist ein rücksichtsloser Diktatur. Wenn es ihm hilft, ist ihm der Einsatz von Chemiewaffen zuzutrauen. Aber im Moment, wo der Krieg fast zu Ende ist, wäre es dumm von ihm das zu tun. Da stimme ich Götz Eckhardt zu. Insgesamt muss ich sagen, dass die Meinungsmache in unseren Medien auf einer äußerst dünnen Quellenlage basiert. Wie glaubwürdig sind die Weißhelme, die über den Giftgaseinsatz berichten? Wie glaubwürdig ist die Gegenseite? Unabhängige Recherche gibt es nur wenig.

    Heute früh brachte das Handelblatt den Newsblog zum Fall Skripal wieder auf die erste Seite. Ich gestehe, ich hatte darauf gewartet, weil ich mir übers Wochenende wirklich viel Gedanken zu dem Thema gemacht hatte. Kaum hatte ich meine Gedanken im Blog gepostet, war der Newsblog schon wieder von der Titelseite verschwunden, das hat keine 10 Minuten gedauert, obwohl die Genesung einer von zwei Personen, deren Vergiftung Gegenstand größter diplomatischer Verwicklung ist, doch eigentlich eine Top-Nachricht sein sollte. Ihre Genesung findet sich zwar noch in der Rubrik: International, ist aber kein Top-Thema mehr - auf allen Kanälen nicht. Der Newsblog zum Fall Skripal ist aber noch online:

    http://www.handelsblatt.com/politik/international/newsblog-zum-fall-skripal-julia-skripal-aus-der-klinik-entlassen/21140622.html

    Irgendwie scheint man die Meldungen so auszuwählen, dass sie in das von den westlichen Regierungen gewünschte Schema Putin = Vergiftung = Chemiewaffen passen. Die Zeitungsredakteure tun sich damit keinen Gefallen. Die Leute fangen an Russia Today zu lesen und bekommen eine andere Weltsicht, die natürlich die Sache einseitig aus Sicht der russischen Regierung beleuchtet. Ich würde mir wirklich eine unvoreingenommene, verlässliche Berichterstattung in den deutschen Leitmedien wünschen. Davon kann derzeit leider nicht die Rede sein.

  • Herr Berger, ich kann nicht erkennen, was Sie da zu "durchschauen" glauben, aber die USA und die restliche Nato sind einem Krieg mit Russland näher als in den letzten 20-30 Jahren; einem Krieg, in dem es 99 % Verlierer geben wird, ein guter Teil davon voraussichtlich (und hoffentlich) werden die sein, die aktuell glauben, sie würden später auf der Gewinnerseite sein.

    Ich sehe in Großbritannien einen Anschlag, der natürlich von Russland hätte ausgeführt werden können - aber dermaßen dilettantisch und unnötig kompliziert und ohne jeden Sinn und Nutzen? Während Theresa May diese Ablenkung vom Brexit mehr als gelegen kam?

    Und die Chose in Syrien wurde ja unten schon logisch kommentiert.

    Ja, nur weil Logik und "Cui bono?" zu anderen Schlüssen führen, muss das nicht zwangsläufig heißen, dass wir von unserer westlichen, freien Presse und den Regierungen belogen werden. Aber möglich wäre es - und auch leider auch nicht das erste Mal.

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