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OPCW-Zentrale

In der Nähe des Gebäudes in Den Haag parkten die Spione, um mit spezieller Technik ins Netz der Organisation einzudringen.

(Foto: Reuters)

Vereitelte russische Cyberattacke auf OPCW Großbritannien erwägt nach Spionageskandal in Den Haag neue Sanktionen gegen Russland

Die Niederlande werfen Russland einen versuchten Hackerangriff auf die Organisation für das Verbot von C-Waffen vor. Russland wiegelt ab – und spricht von „Spionomanie“.
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Moskau/BrüsselEin neuer Hacker- und Spionageskandal belastet die Beziehungen zwischen Russland und dem Westen: Der Vorfall ereignete sich offenbar bereits im April, wurde aber vom niederländischen Geheimdienst erst jetzt bekannt gemacht.

Demnach haben vier Russen versucht, Zugang zum WLAN der Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) zu bekommen. Die Männer reisten drei Tage vor der Tat mit Diplomatenpässen über Amsterdam ein. So teilte es das niederländische Verteidigungsministerium am heutigen Donnerstag mit. Die Russen seien vom niederländischen Geheimdienst überwacht worden. Dieser sei eingeschritten, als die Verdächtigen mit einer speziellen Elektronikausrüstung in einem angemieteten Citroen versuchten, sich in das Netz der OPCW-Zentrale einzuschleusen.

Alle vier seien noch am selben Tag ausgewiesen worden, teilte die niederländische Verteidigungsministerin Ank Bijleveld-Schouten mit. Zudem sei der russische Botschafter ins Außenministerium einbestellt worden, sagte sie. Der niederländische Geheimdienst veröffentlichte am Donnerstag sowohl die Fotos der Verdächtigen als auch ihre Namen: Alexej Morenez, Jewgeni Serebrjakow, Oleg Sotnikow und Alexej Minin – allesamt Beamte des russischen Armeegeheimdienstes GRU.

Die OPCW ist an mehreren für Russland brisanten Untersuchungen beteiligt. Die Chemiewaffenexperten überprüfen den Giftgasanschlag auf den übergelaufenen russischen Agenten Sergej Skripal im britischen Salisbury. London lastet diese Attacke ebenfalls zwei GRU-Agenten an. Sie sollen mit dem in Russland entwickelten Nervengiftstoff Nowitschok gearbeitet haben.

Der Kreml hat die Beteiligung stets abgestritten. Außenminister Sergej Lawrow hatte Großbritannien zunächst explizit aufgefordert, die OPCW bei der Aufklärung des Falls einzubeziehen. Später allerdings bezweifelte Moskau die Schlussfolgerungen der OPCW, die etwa zur gleichen Zeit veröffentlicht wurden, als die vier Männer versuchten, sich in das Netz der Organisation einzuschleusen.

Die Polizei in den Niederlanden veröffentlichte Fotos von den Reisepässen der Beschuldigten. Sie kamen am 10. April von Moskau nach Amsterdam. Quelle: Niederländisches Verteidigungsministerium
Russische Spione

Die Polizei in den Niederlanden veröffentlichte Fotos von den Reisepässen der Beschuldigten. Sie kamen am 10. April von Moskau nach Amsterdam.

(Foto: Niederländisches Verteidigungsministerium)

Die OPCW untersucht zudem die Giftgasattacken in Syrien. Im Westen werden diese Anschläge größtenteils dem syrischen Präsidenten Baschar al-Assad vorgeworfen. Die russische Führung jedoch verteidigt Assad hartnäckig gegen derartige Anwürfe und spricht von „false flag“-Attacken, also inszenierten Giftgasanschlägen mit dem Ziel, das Image Assads zu schädigen.

Laut Bijleveld-Schouten geht aus den bei den erfolglosen Hackern beschlagnahmten Unterlagen auch hervor, dass Attacken gegen die niederländische Untersuchungskommission des MH17-Abschusses geplant gewesen seien. Die Boeing wurde im Juli 2014 über dem Donbass-Gebiet abgeschossen. Russland bestreitet in dem Fall ebenfalls jede Beteiligung.

Auf dem Treffen der Nato-Verteidigungsminister am Donnerstag wurde die neue Spionageaffäre schnell zum beherrschenden Thema. „Ist jemand davon überrascht, dass die Russen diese Attacke versucht haben? Ich vermute nicht“, sagte der US-amerikanische Verteidigungsminister Jim Mattis nach dem Treffen.
Darüber hinaus äußerten die Briten, sie hätten festgestellt, dass die GRU hinter einer Reihe anderer Cyberangriffe auf der ganzen Welt gesteckt habe. Die Attacken hätten in vielen Ländern enorme wirtschaftliche Kosten verursacht. Großbritanniens Botschafter in den Niederlanden, Peter Wilson, kündigte im Zusammenhang mit der OPCW-Affäre neue Sanktionen gegen Moskau an.

Laut dem britischen Außenminister Jeremy Hunt zeigen die Angriffe, dass Russland agiere, ohne das Völkerrecht zu beachten. Verteidigungsminister Gavin Williamson sagte am Rande des Nato-Treffens: „So handelt keine Großmacht, das sind Handlungen eines Pariastaates.“

„Die Nato-Bündnispartner sind solidarisch mit der Entscheidung der niederländischen und britischen Regierungen, Russland wegen seiner offenkundigen Versuche, das Völkerrecht und die internationalen Institutionen zu untergraben, anzuprangern“, sagte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg im Hauptquartier des Militärbündnisses. Er mahnte: „Russland muss seine rücksichtslosen Verhaltensmuster stoppen.“ Dies gelte auch für die Anwendung von Gewalt gegen seine Nachbarn, versuchte Einmischung in Wahlprozesse und weit verbreitete Desinformationskampagnen.

Als Reaktion auf Russlands Verhalten werde die Nato ihre Verteidigungs- und Abschreckungsmaßnahmen im Bereich hybride und Cyber-Bedrohungen weiter verstärken. „Wir antworten jeden Tag auf solche Attacken“, sagte der Norweger. Dass der Angriff vereitelt werden konnte, zeige wie sehr sich die Nato-Länder in dem Bereich der Cyber-Abwehr verbesserten.

Die EU-Chefs Jean-Claude Juncker und Donald Tusk sowie die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini äußerten ernsthafte Besorgnis über den russischen Versuch, die OPCW anzugreifen. „Dieser aggressive Akt demonstrierte die Verachtung für den guten Zweck der OPCW, die sich weltweit für die Abschaffung von Chemiewaffen einsetzt“, lautete die gemeinsame Erklärung der drei führenden EU-Politiker.

Sie kündigten an: „Die EU wird die Widerstandsfähigkeit ihrer Institutionen und der ihrer Mitgliedstaaten sowie der internationalen Partner und Organisationen im digitalen Bereich weiter stärken.“

Während die russischen Geheimdienste die Vorwürfe nicht kommentierten, wies das russische Außenministerium alle Anschuldigungen zurück. „Die westliche Spionomanie nimmt weiter an Fahrt auf“, kommentierte ein Ministeriumssprecher die Verurteilung in der OPCW-Affäre.

Auch gegen die von der britischen Regierung erhobenen Vorwürfe unterschiedlicher Cyber-Attacken setzte Moskau sich lautstark zur Wehr. Die russische Botschaft in London sprach von „unverantwortlichen“ Äußerungen. „Sie entbehren schon traditionell aller Beweise und sind ein weiteres Element der antirussischen Kampagne, die von der britischen Regierung gefahren wird“, teilte ein Botschaftssprecher mit. Die Vorwürfe dienten damit allein der Desinformation der Öffentlichkeit, hieß es.

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