Verhandlungen in Minsk Waffenruhe in der Ukraine

Die Regierung in Kiew und die prorussischen Separatisten beschließen eine Feuerpause. Sie soll am Freitagabend beginnen. Die EU will möglicherweise auf Sanktionen verzichten. Nicht alle scheinen zur Einigung bereit.
Update: 05.09.2014 - 16:09 Uhr 9 Kommentare
Ein ukrainisches Militärfahrzeug in der Nähe von Mariupol. Die Hafenstadt war am Freitag umkämpft. Quelle: DPA

Ein ukrainisches Militärfahrzeug in der Nähe von Mariupol. Die Hafenstadt war am Freitag umkämpft.

(Foto: DPA)

Kiew/MinskIm Ukraine-Konflikt haben Unterhändler der Regierung in Kiew und die prorussischen Separatisten eine Waffenruhe für das umkämpfte Gebiet Donbass vereinbart. Sie soll um 17 Uhr Mitteleuropäischer Zeit in Kraft treten. Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko hat die Unterzeichnung des Friedensplans verkündet. Er habe seinen Truppen Befehl gegeben, ab 17 Uhr das Feuer einzustellen.

Zugleich mahnte er eine effektive internationale Kontrolle des Waffenstillstands an. Das Blutvergießen müsse ein Ende haben. Auch die OSZE bestätigte die Übereinkunft. Die Agentur Interfax berichtete, dass sich die Konfliktparteien auf einen 14-Punkte-Plan geeinigt hätten.

Ein Gouverneur der umkämpften Region Donezk sprach ebenfalls von einer Einigung. Er warte nun auf weitere Einzelheiten. Allerdings streben die Rebellen nach den Worten ihres Anführers in Lugansk, Igor Plotnizki, ungeachtet der Waffenruhe weiter die Abspaltung von der Zentralregierung in Kiew an. Das meldete die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Gespräche mit Plotnizki.

Kurz vor der Bekanntgabe der Waffenruhe forderte der ukrainische Regierungschef Arseni Jazenjuk in einer Kabinettssitzung in Kiew, die USA und die EU müssten als Garanten der Waffenruhe auftreten. „Wir werden das nicht mit Russland allein hinkriegen“, sagte Jazenjuk. „Wir brauchen Garantien.“

In Reaktion auf die Vereinbarung in Minsk legten die Börsen in Moskau deutlich zu. Auch der russische Rubel zog an. Zuvor waren die Kämpfe ungeachtet der Gespräche unvermindert weiter gelaufen, sowohl in der Küstenstadt Mariupol als auch in der Separatistenhochburg Donezk. Dabei waren die prorussischen Separatisten nach eigenen Angaben weiter auf dem Vormarsch. So meldeten die Rebellen den Einmarsch in Mariupol. Die russische Nachrichtenagentur Interfax zitierte einen Angehörigen der Rebellen, wonach die ersten Einheiten bereits in die Stadt vorgedrungen seien.

Der ukrainische Militärsprecher erklärte dagegen, dass man die Separatisten zurückgedrängt habe. Ein Offizier der ukrainischen Armee in Mariupol sagte, die Militäroperation gehe weiter. Bisher gebe es keinen Befehl, das Feuer wegen der Gespräche in Minsk einzustellen. Die Hafenstadt am Asowschen Meer liegt strategisch wichtig etwa auf halbem Weg zwischen der russischen Grenze und der von Russland annektierten Halbinsel Krim. Zudem ist sie bedeutend für den ukrainischen Stahlexport.

Die große PR-Show der Nato
NATO leaders watch a fly-past by the Red Arrows during the NATO summit at the Celtic Manor resort, near Newport
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Der Eurofighter ist nicht gerade ein europäisches Vorzeigeprojekt. Dennoch ist der Kampfjet der Nato eindrucksvoll genug, um ihm vor dem Tagungshotel im walisischen Newport aufzustellen. Neben US-Präsident Barack Obama posierten auch Kanzlerin Angela Merkel und Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen für die Kameras. Doch die Staats- und Regierungschefs und ihre Minister standen vor einer Attrappe...

NATO Summit 2014 in Newport
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Unter der Woche wurde an dem Flieger noch fleißig gewerkelt. Auf diesem Bild wird offenbar noch der richtige Aufkleber auf der Bewaffnung angebracht.

NATO Summit 2014 in Newport
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Wichtige Detailarbeit am Eurofighter: Am Donnerstag hielt auch Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen seine Begrüßungsworte vor dem großen Modell aus Pappe.

A craftsman from a model-making company applies final touches to a full-sized model of a Typhoon fighter jet at the Celtic Manor Hotel, ahead of the NATO summit, in Newport
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Nach der Fertigstellung wurde nochmal schnell Hand angelegt, damit auch alles streifenfrei ist.

Vorbereitungen Nato-Gipfel in Celtic Manor
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Auch die Waffenausstellung auf dem Golfplatz vor dem Tagungshotel ist nicht zu 100 Prozent echt. Hier trägt ein Handwerker eine Rakete mal eben so auf der Schulter.

Vorbereitungen Nato-Gipfel in Celtic Manor
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Dann wird sie am Modell der Lockheed Martin F-35 Lightning II montiert.

NATO leaders watch a fly-past by the Red Arrows during the NATO summit at the Celtic Manor resort, near Newport
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Doch Hauptsache der Auftritt stimmt: Die Teilnehmer des Nato-Gipfels um Obama, den britischen Regierungschef David Cameron, Merkel und den französischen Staatspräsidenten Francois Hollande schauen sich am Freitag eine Flugshow an.

Auch nahe des Flughafens von Donezk wurde einem Reuters-Reporter zufolge gekämpft. In Brüssel wollten die EU-Botschafter über neue Wirtschaftssanktionen gegen Russland beraten. Die möglichen Strafmaßnahmen sollen wegen der Verhandlungen in Minsk Diplomaten zufolge aber nicht unmittelbar in Kraft treten.

Einem ukrainischen Militärsprecher zufolge sind im Ukraine-Konflikt bislang etwa 2000 russische Soldaten getötet worden. Eine unabhängige Bestätigung der Angaben war nicht möglich. Die Vereinten Nationen haben die Gesamtzahl der Opfer in dem Konflikt auf mehr als 2600 beziffert.

EU verzichtet möglicherweise auf Sanktionen
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9 Kommentare zu "Verhandlungen in Minsk: Waffenruhe in der Ukraine"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Die russische Propaganda hier im Forum ist immer wieder witzig zu lesen. Danke Handelsblatt, dass ihr uns dieses höchste Gut russischer Intelligenz nicht vorenthaltet ;-)

    Also ... alle sind Kriegstreiber in der Ukraine ... die USA, UK, Polen und natürlich auch Kiew (gegen das "eigene" Volk). Nur der liebe Putin und seine Berufssoldaten (die nur im Urlaub vergessen haben ihre Uniformen auszuziehen, aber die Abzeichen der eigenen Einheit alle schön sauber entfernt haben, und auch gleich noch gemeinsam mit ihren Kameraden in den "Urlaub" fahren), die sind die Guten. Ja is klar!

    Ist auch logisch, dass mal einfach so ein paar "Freiheitskämpfer" die ukrainische Armee mit Panzern und anderem schweren Gerät zurückdrängen und Kampfflugzeuge abschießen. Haben sie alles "gefunden" oder "erobert". Und wie man es bedient, lernt man ja in der Ukraine bestimmt in der Grundschule.

    Und von Männern wie "Strelkov" (für alle nicht Putin-Trolle zum Nachlesen: https://de.wikipedia.org/wiki/Igor_Wsewolodowitsch_Girkin) als "Aufständische" zu sprechen, ist eine echt witzige Idee. Er steht ja auch jeden Morgen auf. Also ist er ein "Aufständischer". Is auch klar.

    Aber hey ... erheitert uns weiter mit euren Ergüssen. ... schön fleißig tippen!

    Mit ein wenig Glück müsst ihr nicht demnächst einen Freund oder Familienangehörigen beerdigen, der von Putin versehentlich in das falsche Land zu einer "Übung" gesendet wurde. Die Zahl der russischen Opfer dieses Krieges steigt schnell. Schneller als ihr tippen könnt!

  • Obama ist ein Blender und Dummschwätzer. Und die NATO entwickelt sich mehr um mehr zum Kriegshetzer.
    Warum aht Merkel denn nicht den Mut, das mal zu stoppen?

  • Frau Helga Trauen,
    ich kann Ihnen nur zustimmen.
    Im Westen sind einige, die offensihtlich einen neuen Krieg wollen.
    Und die Polen sehe ich auch als ziemliche Hetzer an

  • Es spricht viel dafür, dass die Waffenruhe eine Wende zu einem Arrangement einläutet. Zur Begründung eine bescheidene und natürlich irrtumsfähige Analyse meinerseits zu den Beweggründen der beteiligten Parteien:

    1. Aus der Sicht Kiews ist der Deal das kleinere Übel. Angesichts der dramatischen militärischen Erfolge der Aufständischen bestünde ja ohne eine Waffenruhe die realistische Gefahr, dass die Aufständischen bis zum Dnepr vordringen, so das am Ende die Ukraine entlang dieses Flussses geteilt wird.

    Wenn die augenblickliche Waffenruhe dazu führt, dass dieser "worst case" für Kiew verhindert wird und nur der Donbass dem Machtbereich Kiews entgleitet, ist das das kleinere Übel.

    2. Putin hat diese Möglichkeit der Junta in Kiew gewissermaßen als Rettungsring zugeworfen und sich so die Chance gesichert, langfristig ein feindseliges Verhältnis zur "Brudernation" Ukraine (und damit zum Westen) zu vermeiden.

    Er hat sich dabei offensichtlich über die Interessen der Aufständischen, die eigentlich angesichts ihrer Erfolge erkärtermaßen kein Interesse an einer Waffenruhe haben, hinweggesetzt.

    3. Die Aufständischen schließlich haben keine andere Wahl, als in den Waffenstillstand einzuwilligen, weil sie nicht vor der Welt als die Kriegstreiber dastehen wollen.

    Putin hat sich wieder einmal als genialer Schachspieler gezeigt (wie bereits bei der Verhinderung eines Kriegs der USA und Großbritannien gegen Syrien).

    Es gibt also guten Grund zu der Hoffnung, dass das Blutvergießen ein Ende findet. Gott sei Dank!

  • Ich habe mir nach dem Zerfall der Sowjetunion gedacht, dass ich nie eine solche Situation wie wir sie derzeit erleben, zu meinen Lebzeiten mal erleben würde.
    Dachte mir, dass alle im Westen wie im Osten, endlich soweit geistig gereift sind, dass sie niemals einen Krieg in Europa wollen würden.
    Wie nah wir an einem Krieg in Europa waren hat man gesehen.
    Es ist unglaublich was Gier auslösen kann.
    Dabei ist die Gier des vom Kapital getriebenen kapitalistischen Westen wohl am schwersten zu Zügeln.
    Man kann gar nicht genug beten: "Herr schmeiß Hirn runter, möglichst viel davon, bitte für uns".

  • "...daß ich darüber krank werden könnte..."
    Bleiben Sie locker Frau Trauen.

    Die meisten Leser wissen genau wer die Treiber sind. Schauen sie in die Foren, egal ob heise, wiwo, handelsblatt, oder lokale Zeitungen. Es sind die Wenigsten, die auf den Lügenbaron aus Hollywood reinfallen: Regierung und ein paar von Hetzzeitschriften wie FAZ verführte Leser.
    Der Werteverfall in unseren ach so lupenreinen Demokratien nur um die Ukraine eingliedern zu können ist schon erschütternd.
    Mord, Verleumdung, rassistische Hetze, ja Aufruf zum Massenmord an Ostukrainern wie von Bogdan Butkevich werden hingenommen, wegen Öl, Gas und Land.
    Die angebliche Blindheit für all die Vergehen des Kiew-Regimes hat bei den Oligarchen-Anhängern bestimmt lediglich finanzielle Gründe.

  • Einstellung der Kämpfe wäre die erste gute nachricht seit langem.... wenn es nun noch eine verlässliche Politische Lösung gibt die alle Volksgruppen einschliest, kann man sich wieder wichtigerem zuwenden.

    Wichtig ist erstmal das alle Staaten ihre scharfmacher an die kette legen. und wir alle gemeinsam den Mist ausbügeln wenn seit 2001 die welt heimgesucht hat, weil man durch die Anschläge in totale Paranoia verfallen ist....
    hüben wie drüben.

  • "Alles ist im Fluss" allerdings, das war auch mein erster Gedanke als ich nur die Überschrift aber noch nicht den Artikel gelesn habe.

    Wie steht es mit Jazenjuk?
    Wahrscheinlich stimmt er zu, denn die Situation der ukrainischen Armee ist katastrophal.

    Wie lange hält die Waffenruhe und wer hat welches Interesse und zu welchem Zeitpunkt wieder militärisch aktiv zu werden.

    Was macht der "Rechte Sektor" und die ukrainischen "Freiwilligen".

    In der Tat "alles im Fluss", ein Intermezzo oder eine Entwicklung die "nachhaltig" ist, das ist die Frage, die wohl relativ schnell beantwortet werden kann.

  • Die Briten und die Polen sind die größten NATO-Kriegstreiber in Europa. Es ist klar, von wem sie bezahlt werden.
    Und um hier eines direkt klarzustellen: Ich bin kein Putintroll. Auch keine Altlinke oder Westlinke! Sondern eine Liberale, die im Westen aufgewachsen ist und erleben muß, daß aller "Erzählungen" des Westens gelogen und konstruiert sind. Tonkin, Schweinbucht, Irak, Libyen, Kosovo... und jetzt die Ukraine. Dieses Messen mit zweierlei Maß, diese entsetzliche Arroganz des sogenannten Westens, widern mich in einer Weise an, daß ich darüber krank werden könnte. Und dazu diese entsetzliche Dummheit - ob von Foristen oder der Journaille. Das erinnert mich an dunkelste Zeiten!

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