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Verschwundener Journalist Türkische Medien berichten über Folterung Khashoggis – Maas reist vorerst nicht nach Saudi-Arabien

Der Fall des verschwundenen Journalisten belastet die internationalen Beziehungen. Außenminister Maas fordert in der Untersuchung schnelle Ergebnisse.
Update: 17.10.2018 - 17:04 Uhr Kommentieren
Fall Khashoggi: Mike Pompeo berät auch mit Recep Tayyip Erdogan Quelle: AFP
Mike Pompeo und Recep Tayyip Erdogan

US-Präsident Trump hatte den US-Außenminister nach Riad und Ankara geschickt, um die Situation vor Ort zu besprechen.

(Foto: AFP)

Washington Wegen der Affäre um den mutmaßlich im Istanbuler Konsulat ermordeten saudischen Journalisten Jamal Khashoggi legt Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) Reisepläne nach Saudi Arabien vorerst aufs Eis. Maas sagte am Mittwoch in Berlin, er wolle die Ermittlungen und ein mögliches Statement von Riad abwarten.

Der Fall müsse unverzüglich und lückenlos aufgeklärt und Verantwortliche zur Rechenschaft gezogen werden, fordert er. „Die Vorwürfe, die im Raum stehen, die sind gravierend bis verstörend, muss man ja fast sagen“, sagte Maas. „Wir wollen wissen, was dort geschehen ist.“

Eine türkische Zeitung hat zuvor über eine Audioaufnahme der Folterung und Tötung des verschwundenen Journalisten berichtet. Am Mittwoch landete auch US-Außenminister Mike Pompeo in der Türkei, um über den Fall Khashoggi zu sprechen. Zuvor hatte Präsident Donald Trump eine internationale Vorverurteilung Saudi-Arabiens beklagt.

Die regierungsfreundliche Zeitung „Yeni Safak“ berichtete, dass auf der Aufnahme zu hören sei, dass der saudische Konsul Mohammed al-Otaibi zu den Folterern Khashoggis sagte: „Macht das draußen, ihr werdet mich in Schwierigkeiten bringen“. Einer der Folterer habe der Aufnahme zufolge geantwortet: „Halt den Mund, wenn du leben willst, wenn du nach (Saudi-) Arabien zurückkehrst.“

Derweil haben türkische Minister um Geduld bei der Aufklärung gebeten. „Jeder soll auf das Ergebnis der Ermittlung warten“, sagte Innenminister Süleyman Soylu der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu am Mittwoch. Staatsanwalt oder Polizei würden die Ergebnisse dann der ganzen Welt präsentieren. Er selbst habe „Gewissheit“ über das Schicksal Khashoggis, sagte Soylu, müsse aber die Ergebnisse der Ermittlung abwarten

Fall Khashoggi – Türkei will Residenz des saudi-arabischen Konsuls durchsuchen lassen

Außenminister Mevlüt Cavusoglu sagte nach einem Treffen mit seinem US-Amtskollegen Mike Pompeo, er werde Medienberichte zum Verschwinden Khashoggis nicht kommentieren. Die Ermittlungen gingen weiter. Das Gespräch mit Pompeo sei positiv verlaufen. Man habe nicht nur über den Fall Khashoggi gesprochen, sondern auch über die Entwicklungen in der Region.

Cavusoglu dementierte zudem Medienberichte, wonach die Residenz des Konsuls am Vortag durchsucht worden sei. Das Gebäude sei noch nicht inspiziert worden, sagte er. Er hoffe jedoch, dass die Polizei am Mittwoch mit der Durchsuchung beginnen könne.

Türkische Sicherheitsdienste haben wiederholt regierungsfreundliche Medien des Landes benutzt, um Details zu dem Fall durchzustechen und den Druck auf Saudi-Arabien zu erhöhen. Vertreter Saudi-Arabiens haben mehrere Anfragen der Nachrichtenagentur AP zu dem Fall in den vergangenen Tagen nicht beantwortet. In der Vergangenheit hat Saudi-Arabien bestritten, dass Khashoggi getötet wurde.

Trump verglich den Fall in einem Interview der Nachrichtenagentur AP mit den Vorwürfen sexueller Nötigung gegen den inzwischen an den Obersten Gerichtshof der USA berufenen Richter Brett Kavanaugh. „Da haben wir es schon wieder – man weiß, man ist schuldig, bis die Unschuld bewiesen ist. Ich mag das nicht“, sagte Trump. Im Fall Khashoggi sollte man „zuerst herausfinden, was passiert ist“.

Die Weltgemeinschaft erhöhte indes den Druck auf Riad. Die Außenminister der G7-Gruppe der führenden Wirtschaftsnationen mahnten eine gründliche, glaubwürdige und rasche Untersuchung durch das Königreich an. Die Direktorin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde, verschob eine geplante Nahost-Reise, bei der sie an einer Investorenkonferenz in Saudi-Arabien teilnehmen wollte.

Etliche Staatenlenker und Topmanager überdenken nach dem mysteriösen Verschwinden Khashoggi ihre Beziehungen zur saudi-arabischen Führung. Ob er die Reaktionen anderer Länder auf den Fall unterstütze, könne er noch nicht sagen, sagte Trump. Doch werteten Beobachter sein Pochen auf die Unschuldsvermutung als Hinweis, dass er dem Königreich mehr Spielraum gewährt als andere Partnerländer.

In Trumps Nahostpolitik spielt Saudi-Arabien eine zentrale Rolle. König Salman und Kronprinz Mohammed hätten jegliche Kenntnis über das Schicksal Khashoggi bestritten, betonte Trump. Nach einem Gespräch mit dem König hatte er die Möglichkeit ins Spiel gebracht, dass ein auf eigener Faust handelnder „Killer“ für den Tod des Journalisten verantwortlich sein könnte.

Dieser „Eindruck“ habe sich ihm bei dem Telefonat mit Salman aufgedrängt, sagte Trump. Khashoggi war am 2. Oktober verschwunden, nachdem er das saudi-arabische Konsulat in Istanbul betreten hatte. Er hatte unter anderem für die „Washington Post“ kritische Kolumnen über Kronprinz Mohammed geschrieben. Türkische Behördenvertreter vermuten, dass er im Konsulat von einem 15-köpfigen Team umgebracht und zerstückelt wurde.

Zuletzt berichtete ein hoher türkischer Staatsbediensteter von „gewissen Beweisen“ für die Tötung des Journalisten in der diplomatischen Vertretung. Medienberichten zufolge bereitet das Königreich eine Erklärung vor, in der die Tötung des Journalisten eingeräumt wird. Doch hätten das weder der König noch der Kronprinz angeordnet.

Pompeo hatte am Dienstag den saudi-arabischen König Salman und Kronprinz Mohammed besucht. Vor seinem Abflug aus Riad sagte er, das Königreich habe eine „transparente Untersuchung“ versprochen. Auf die Frage, ob diese Mitglieder der Königsfamilie einschließe, antwortete er: „Sie machten keine Ausnahmen im Hinblick darauf, wen sie zur Rechenschaft ziehen würden.“

  • ap
  • dpa
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