Versorgungssicherheit Erdgasspeicher sichern die Versorgung in Deutschland ab

43 Gasspeicher gibt es in Deutschland – und ihnen kommt derzeit eine besondere Bedeutung bei. Während des Streits zwischen Russland und der Ukraine um Gaslieferungen schaffen sie für Deutschland ein Polster, um Engpässe aufzufangen.

DÜSSELDORF. Sichtbar ist nur ein Gewirr an zahllosen Röhren, mehrere Verdichter-Kompressoren und ein Kontrollzentrum. Imposant wird es in Rehden südlich von Bremen aber unter der Erde. In 2 000 Meter Tiefe und auf einer Fläche von acht Quadratkilometern lagern im größten Erdgasspeicher Westeuropas mehr als vier Mrd. Kubikmeter Gas. Sie würden ausreichen, um zwei Mill. Einfamilienhäuser für ein Jahr zu versorgen.

43 Gasspeicher gibt es in Deutschland – und ihnen kommt derzeit eine besondere Bedeutung bei. Während des Streits zwischen Russland und der Ukraine um Gaslieferungen, durch den auch die Lieferungen von russischem Gas nach Westeuropa beeinträchtigt wurden, schaffen sie für Deutschland ein Polster, um Engpässe aufzufangen. „Deutschland ist das Land mit den größten Gasspeichern und das sichert die Versorgung ab“, heißt es beim Bundesverband der deutschen Gas- und Wasserwirtschaft (BGW). Wenn geringere Mengen durch die Ukraine nach Deutschland kämen, würde das zwar zunächst über alternative Transportwege oder andere Importquellen ausgeglichen, zusätzliche Spitzen könnten aber durch die Speicher problemlos abgefedert werden.

Nach Angaben des BGW sind die Speicher gut gefüllt. Ihre Kapazität von knapp 20 Mrd. Kubikmeter entspricht einem Fünftel des deutschen Jahresverbrauchs und würde ausreichen, um Deutschland für 75 Tage zu versorgen, wenn alle anderen Quellen ausfallen würden.

„Gasspeicher sind gut für die Versorgungssicherheit, aber auch im Normalbetrieb wichtig“, sagt Horst Bokelmann, Leiter der Betriebstechnik beim Gasimporteur Wingas, der die Anlage in Rehden betreibt. Im Jahresverlauf helfen sie Angebot und Nachfrage nach Gas in Einklang zu bringen. Im Sommer, wenn der Verbrauch schwach ist, werden sie mit Gas gefüllt und im Winter schrittweise geleert. Das hilft den Produzenten, weil sie das Jahr über verhältnismäßig konstant produzieren können, und den Importeuren, weil sie die schwankende Nachfrage nach Gas punktgenau decken können.

In Rehden wird Gas im Sommer mit Hochdruck in die Tiefe gepumpt. Es lagert dort im porösen Gestein einer ehemaligen, seit längerem ausgebeuteten Gaslagerstätte. Im Sommer genügt der Druck in der Lagerstätte um das Gas wieder in die Leitungen zu entnehmen. Neben ehemaligen Lagerstätten wird Gas auch in künstlich geschaffenen Hohlräumen in Salzstöcken gelagert.

Der Gashandel ist schwieriger als das Geschäft mit Strom, weil Gas über weite Strecken zum Verbraucher transportiert werden muss und sich so Angebot und Nachfrage nur über die Speicherung in Einklang bringen lassen. Ein Kubikmeter aus den sibirischen Feldern muss schließlich über 5000 Kilometer zurück legen. Zwischen zwei bis drei Wochen dauert es bis er in Deutschland tatsächlich ankommt. 80 Prozent der Mengen fließen durch die Leitungen in der Ukraine, der Rest vor allem über die Jamal-Route, die durch Polen und Weißrussland verläuft. Auch unterwegs ist der Transport aufwendig. Der Druck in den Leitungen nimmt ab, je länger die Strecke ist. Deshalb bauen die Lieferanten in Abständen von rund 200 Kilometern Verdichterstationen, um mit Kompressoren den Druck wieder zu erhöhen. Allein sieben Prozent des transportieren Gases werden benötigt, um die Verdichter zu betreiben.

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