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Verstorbener Despot Mugabe war rachsüchtig und machthungrig, der Westen feierte ihn dennoch als Lichtgestalt

Der frühere Präsident Simbabwes duldete niemanden, der seine Führung in Frage stellte – und stürzte aufgrund einer fatalen Fehleinschätzung. Ein Nachruf.
06.09.2019 - 10:39 Uhr 2 Kommentare

Simbabwes Ex-Präsident Robert Mugabe ist tot

Kapstadt Als die Menschen in Simbabwe vor knapp zwei Jahren zu Zehntausenden auf die Straße gingen, um dort den Rücktritt des Mannes zu fordern, der fast 40 Jahre lang brutal über sie geherrscht hatte, saß Robert Mugabe mit einem alten Freund daheim in seinem Büro und schwelgte in alten Zeiten. „Meine Güte war er an dem Tag gut gelaunt“, erinnert sich George Charamba, ein enger Vertrauter des Diktators. „Er konnte einfach nicht verstehen, dass viele ihn endlich loswerden wollten“.

Bis zuletzt hatte sich Mugabe, der am Freitag im Alter von 95 Jahren verstarb, mit Ja-Sagern und engen Freunden umgeben. Viele, die ihn gut kannten, haben bei Mugabe immer wieder Charakterzüge des römischen Kaisers Caligula diagnostiziert, der Widerspruch nicht duldete, überall Verschwörungen witterte und nach der Maxime herrschte: „Mögen sie hassen, wenn sie nur fürchten.“

Mugabe war rachsüchtig und machthungrig. Dass er sich anders als seine im Volk verhasste Frau Grace eher weniger aus Geld machte, konnte man an seinem Büro ablesen: Ein uraltes tragbares Radio stand dort jahrelang, ein alter Computer, die ganze Einrichtung spießig und antiquiert. „Ein Materialist ist Mugabe nicht“, schrieb die Journalistin Heidi Holland in ihrer Biografie. „Sein Aphrodisiakum ist die Macht.“

Ein Blick auf sein Leben zeigt, dass der jahrelang im Westen als Lichtgestalt gefeierte Mugabe von Beginn an ein Caligula war. Zwar hatte Mugabe sechs Universitätsabschlüsse und galt als hochintelligent, doch zog sich die zum eigenen Machterhalt ausgeübte Gewalt wie ein roter Faden durch sein Leben. „Er verbreitet unter den Menschen Angst und Schrecken, um daraus politisch Kapital zu schlagen“, schrieb der britische Afrikakenner Robin Renwick.

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    Glaubt man der lesenswerten Autobiografie von Heidi Holland, dann hatte Mugabes Pochen auf absoluten Gehorsam seine Wurzeln in der Zeit, als er auf die streng geführte Missionsschule der Jesuiten nahe der simbabwischen Hauptstadt Harare – damals noch Salisbury – ging. Zurückweisung und vermeintliche Erniedrigung sind Dinge, die Mugabe partout nicht ertragen kann, heißt es in ihrem Buch.

    Dass Mugabe seine (schwarzen) Konkurrenten brutal drangsalierte, wurde im Westen jedoch lange Zeit ignoriert. Quelle: AP
    Robert Mugabe mit der Queen, 1991

    Dass Mugabe seine (schwarzen) Konkurrenten brutal drangsalierte, wurde im Westen jedoch lange Zeit ignoriert.

    (Foto: AP)

    Mugabe sei im Inneren ein „sehr schwacher Mann“, dessen harte Kindheit tiefe Spuren hinterlassen habe: Sein Vater verschwand, als er zehn war, seine zwei älteren Brüder starben, seine Mutter war depressiv. Nicht nur als Kind, auch in den zehn Jahren seiner Haft während der Widerstandsjahre gegen das weiße Minderheitsregime habe er nichts anderes getan, als zu lesen.

    Größenwahn und Realitätsferne

    Schon deshalb entsprang die zur Unabhängigkeit seines Landes zunächst eingeschlagene Politik der Aussöhnung gegenüber den Weißen auch nicht einer inneren Überzeugung, sondern reinem Machtkalkül. Bereits als Guerillaführer im Kampf gegen das weiße Regime von Ian Smith hatte Mugabe niemanden geduldet, der seine Führung infrage stellte. Viele politische Gegner in den eigenen Reihen starben bereits damals auf mysteriöse Weise, andere wurden von ihm ins Exil gedrängt.

    Dass Mugabe seine (schwarzen) Konkurrenten brutal drangsalierte, wurde im Westen jedoch lange Zeit ignoriert. Schon im Oktober 1980, nur sechs Monate nach der Unabhängigkeit Simbabwes, schloss der selbst erklärte Marxist ein Abkommen mit Nordkorea und ließ eine Sondereinheit ausbilden, die gegen interne Gegner vorgehen sollte. Wenig später schickte Mugabe, der zur Volksgruppe der Shona gehört, diese Sondereinheit dann ins Matabeleland.

    Der Westen hofierte Mugabe und überhäufte ihn mit Auszeichnungen. Quelle: dpa
    Robert Mugabe mit Bill Clinton, 1995

    Der Westen hofierte Mugabe und überhäufte ihn mit Auszeichnungen.

    (Foto: dpa)

    Zwischen 1982 und 1987 massakrierten die Soldaten dort rund 20.000 Angehörige der Ndebele. Weil die Weißen damals noch verschont wurden, schwieg der Westen feige. Schlimmer noch: Er hofierte Mugabe in den nächsten 15 Jahren und überhäufte ihn mit Auszeichnungen – auch das hat entscheidend zu seinem Größenwahn und der ausgeprägten Realitätsferne beigetragen.

    Doch während sich das Bild von Mugabe im Rest der Welt in den vergangenen 20 Jahren zunehmend ins Negative wendete, wird der einstige Freiheitskämpfer bis heute in Afrika weithin bewundert, weil er vor allem dem Westen so gegenübertrat, wie es sich viele Schwarze insgeheim wünschen.

    Charles Onyango-Obbo, ein ugandischer Journalist und Autor, erklärt dieses Phänomen mit den tiefen Ressentiments vieler Schwarzer gegen die Weißen. Ursache für den emotionalen Drang, es den Weißen heimzuzahlen, sei ein tief sitzender Minderwertigkeitskomplex des schwarzen Kontinents und vieler seiner Führer.

    Seiner 40 Jahre jüngeren Gattin wollte er die Welt zeigen. Quelle: AP
    Robert Mugabe heiratet Grace Marufu, 1996

    Seiner 40 Jahre jüngeren Gattin wollte er die Welt zeigen.

    (Foto: AP)

    Der andere Grund seiner Metamorphose heißt Grace Mugabe. Die First Lady war Sekretärin im Präsidentenamt, als Mugabe mit seiner ersten Frau Sally verheiratet war. Als die aus Ghana stammende und im Volk sehr beliebte First Lady 1992 verstarb, kam die bis dato geheime Liaison mit Grace an die Öffentlichkeit. Seiner 40 Jahre jüngeren und extrem verschwendungssüchtigen Gattin wollte er nun die Welt zeigen – und sie davon überzeugen, wie bedeutsam er ist.

    „Robert Mugabe National Youth Day“

    Am Ende stachelte sie ihren Mann sogar an, im Land eine Familiendynastie zu errichten – mit ihr als seiner Nachfolgerin. Eine fatale Fehleinschätzung, mit der Mugabe am Ende den Bogen überspannte und seine eigene Machtclique aus Sorge um die eigenen Pfründe veranlasste, ihn Ende 2017 aus dem Amt zu jagen.

    Obwohl Mugabe sein Land in Grund und Boden gewirtschaftet hat, genoss der Diktator daheim bis zuletzt viele der Vorzüge des höchsten Staatsamtes. Auch soll künftig an seinem Geburtstag in Form des „Robert Mugabe National Youth Day“ an ihn erinnert werden – ein schwerer Schlag ins Gesicht von Millionen von Menschen, denen Simbabwes Gründervater mit seiner desaströsen Politik die Zukunft gestohlen hat.

    Mehr: Was Albino-Morde mit Wahlen in Malawi, dem Nachbarland von Simbabwe, zu tun haben.

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    Mehr zu: Verstorbener Despot - Mugabe war rachsüchtig und machthungrig, der Westen feierte ihn dennoch als Lichtgestalt
    2 Kommentare zu "Verstorbener Despot: Mugabe war rachsüchtig und machthungrig, der Westen feierte ihn dennoch als Lichtgestalt"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Ein Kapitel mehr ueber die Befreiung vom Kolonialsmus. Aber es stimmt, als er das Land
      durch die entschaedigungslose Ausweisung der weissen Farmer in den Ruin stuerzte und
      hunderttausende seiner Landsleute aus Not auswanderten, wurde er vom Westen immer
      noch hofiert. Ruehmliche Ausnahme die Briten. Bei einem Besuch in Malawi vor einigen
      Jahren kam auch der deutsche Botschafter zum Handkuss obwohl die GTZ ihn korrekt
      informiert hatte. Wir koennen uns nicht einmischen - dann sind wir die Neokolonialisten,
      aber wir muessen die Dinge beim Namen nennen und entsprechend handeln.

    • Nicht der "Westen" feierte Ihn, sondern nur einige Personen im Westen.
      Übrigens gilt dies auch für den "Osten".
      Bitte mehr Sorgfalt im Detail.

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