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Verwaltung Taiwans Digitalministerin Audrey Tang will eine Hochfrequenzdemokratie entwickeln

Als Programmiererin sammelte sie Erfahrung im Silicon Valley, seit 2016 soll Audrey Tang als Ministerin in Taiwans Regierung die Digitalisierung des Landes vorantreiben.
13.06.2021 - 15:16 Uhr Kommentieren
Die Programmiererin führt als jüngstes Kabinettsmitglied das Digitalministerium. Quelle: © 2020 Bloomberg Finance LP
Audrey Tang

Die Programmiererin führt als jüngstes Kabinettsmitglied das Digitalministerium.

(Foto: © 2020 Bloomberg Finance LP)

In Ostasien wird gerade das größte digitale Duell zwischen Diktatur und Demokratie programmiert. Die Volksrepublik China führt der Welt vor, wie gut sich selbst große Menschenmassen mit digitalen Technologien unterdrücken lassen. Auf dem Govtech-Gipfel des Handelsblatts stellte die Programmiererin und Hackerin Audrey Tang vor, wie sie als Digitalministerin von Taiwan den Aufbau eines Gegenentwurfs leitet, der Demokratie im Zeittakt der Digitalwirtschaft neu definieren will.

„Wir nutzen Künstliche Intelligenz, um über neue Regeln zwischen den Parlamentswahlen abzustimmen“, erklärte die 40-Jährige ein Ziel. Der Ministerin, die offiziell kein Portfolio hat, geht es dabei um nicht weniger, als die bisherige Low-Bit-Demokratie, in der das Volk einmal alle vier Jahre wählt, in eine Hochfrequenzdemokratie zu verwandeln, in der auch zwischen den Wahlen Macht vom Volke ausgeht.

Mit einem Klick teilte Tang ein Bild über einen Pfeiler der digitalen Mitbestimmung mit den Teilnehmern des Gipfelforums: die Plattform „Polis“. Dort können die Regierenden bei bestimmten Themen die Bürger um Rat fragen und um Vorschläge bitten. Die Diskussionen werden mithilfe Künstlicher Intelligenz moderiert, sodass rasch eine Art Konsens entstehen würde, meinte Tang.

„Wenn wir die Idee der Zusammenarbeit statt der politischen Konfrontation betonen, können wir Taiwan schnell, fair und freudvoll verändern,“ beschreibt Tang die Vision. Das Ziel ist ein System, in dem die Gesellschaft die Normen setzt, die Regierungen die Vorschläge ratifiziert und die Unternehmen sie umsetzen, erklärte sie das Ideal, das der ersten Transgender-Ministerin Taiwans quasi in die Wiege gelegt wurde.

Tang wurde 1981 als Junge in einem alternativen Haushalt geboren. Die Eltern bauten Taiwans erste Verbraucherkooperative und eine experimentelle Grundschule auf, die taiwanische Ureinwohner als Lehrer beschäftigte. In der damaligen Diktatur, die die aus China geflohene kapitalistische Partei Kuomintang auf Taiwan aufgebaut hatte, war das ein klares politisches Signal.

Tang war eine Art Wunderkind, das mit fünf die Klassiker las und mit acht zu programmieren begann. Zur Jahrtausendwende baute sich Tang dann in den USA im Silicon Valley eine Existenz als Programmiererin in der Open-Source-Bewegung auf. 2005 begann Tang ihre geschlechtliche Umdeutung und nahm einen weiblichen Namen an. Doch grundsätzlich bezeichnet Tang ihr Geschlecht als nicht-binär.

2014 wurde sie in einer Protestbewegung erstmals politisch in Taiwan aktiv und rückte damit schnell in den Blick der progressiven Präsidentin Tsai Ing-wen. Nun soll sie als Bindeglied zwischen Regierung und Volk wirken und demokratische Prozesse digital neu denken. Die Aufgabe ist hochaktuell in einer Welt, in der die sozialen Netzwerke als Zerstörer der Demokratie angeprangert werden.

Humor als Waffe gegen Falschmeldungen

Als Gegengift gegen Gerüchte, die im Internet viral gehen, setzt Tang auf Humor. So setzte die Regierung während der Corona-Pandemie einen Hund als „Sprecher“ in Virenfragen ein. Zudem sind Digitalbeauftragte in den Ministerien dafür zuständig, auf Trends im Internet rasch zu reagieren.

Schnelligkeit ist dabei ein wichtiges Stichwort: Als vorigen Monat erstmals eine wirkliche Covid-19-Welle das Land erfasste, hatte Tangs Team binnen weniger Tage eine App parat, mit der Besucher von Restaurants und Kinos per SMS ihren Besuch registrieren können, um die Verfolgung von Infektionsketten zu erleichtern.

Tang erklärte, dass es nicht darum ginge, soziale Medien wie Facebook oder Google als Spalter der Gesellschaft zu hassen. Man müsse Alternativen schaffen, die in der Digitalwelt öffentliche Diskussionsforen umsetzen. Tang benennt die demokratische Chance von Govtech: „Es handelt sich nicht um Überwachung, sondern um Zuhören.“

Mehr: Das Wahlkampfversprechen von Laschet, Scholz und Habeck: Digitale Verwaltung, moderner Staat

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