Verzicht auf aggressive Rhetorik Russen und Ukrainer versprechen „Abrüstung der Worte“

Russen und Ukrainer einigen sich auf einer Konferenz nach hartem Schlagabtausch auf eine „Abrüstung der Worte“. Weitere Dialoge mit Zivilgesellschaft und Politik sollen folgen – geleitet von einem Ex-Ministerpräsidenten.
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Pro-russische Rebellen an der Front: Erneut schwörten Russen und Ukrainer darauf, die Waffenruhe von Minsk einzuhalten. Quelle: Reuters
Nahe der Ortschaft Molochnoye

Pro-russische Rebellen an der Front: Erneut schwörten Russen und Ukrainer darauf, die Waffenruhe von Minsk einzuhalten.

(Foto: Reuters)

KošiceEine Konferenz von Ukrainern und Russen, um über einen gemeinsamen Weg zum Frieden zu diskutieren, ist ein riskantes Unterfangen. Das wussten die deutschen Organisatoren, das Deutsch-Russische Forum und das Deutsch-Ukrainische Forum von Anfang an. „Natürlich ist eine solche Konferenz ein Wagnis, bei dem um jedes Wort hart gerungen wird“, sagte der Vorstandschef des Deutsch-Russisches Forums und frühere brandenburgische Ministerpräsident, Matthias Platzeck (SPD) (siehe auch das Interview hier) , der zusammen mit Rainer Lindner, Vorsitzender des Deutsch-Ukrainischen Forums, die zweitägige Tagung leitete. Denn noch immer schweigen die Waffen in der Ukraine nicht endgültig. Im Kriegsgebiet gab es auch am Wochenende wieder Verstöße gegen die Waffenruhe, die mit dem Vertrag von Minsk Mitte Februar vereinbart worden war.

Im historischen Rathaus der Kulturhauptstadt Europas von 2013 flogen zwischen den 40 Teilnehmern, von Duma-Abgeordneten über Kirchenvertreter und Kulturorganisation bis hin zu Menschenrechtsgruppen, stundenlang die Fetzen. Das Misstrauen zwischen der ukrainischen und russischen Delegation in Košice war noch gewaltig. „Keine Seite kann von sich behaupten, nichts Falsches gemacht zu haben“, gab der SPD-Politiker Franz Thönnes zu bedenken.

Bis zum Schluss stand eine gemeinsame Erklärung dennoch auf Messers Schneide. So wehrte sich der einflussreiche ukrainische Universitätsdirektor und Historiker, Olexly Haran, mit emotionalen Worten, dass Duma-Abgeordnete, die für den Krieg gegen sein Land gestimmt haben, die gemeinsame Erklärung unterzeichnen. Im Gegenzug stimmte sich der einflussreiche Duma-Abgeordnete Dimitrij F. Vjatkin – vor den Augen der ukrainischen Delegation - bei der Verabschiedung eng mit dem russischen Botschafter in der Slowakei ab. Die ukrainische Menschrechtsaktivistin Oksana Zaitseva warf den Russen „Phrasen“ vor.

Der Russe Andrej Jurow, Chef einer Menschrechtsorganisation auf der Krim, sagte: „In den Köpfen geht der Krieg weiter“. Nur dank des Verhandlungsgeschicks des „Aussöhnungsspezialisten“ Platzek und der geschickten Moderation von Lindner, der auch Geschäftsführer des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft ist, gelang es quasi in letzter Minute doch noch ein gemeinsames Dokument durchzubringen.

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