Vor den Syrien-Gesprächen Gerangelt, gedroht und gestritten

Wer darf bei der Syrien-Konferenz in Genf am Tisch sitzen? Darüber gehen die Meinungen vor Beginn der Verhandlungen weit auseinander. Derweil feilen die USA an einer Militärstrategie, falls die Gespräche scheitern.
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Wo sollen denn nach mehr als fünf Jahren Bürgerkrieg die gemäßigten Kreise herkommen? Quelle: dpa
Bürgerkrieg in Syrien

Wo sollen denn nach mehr als fünf Jahren Bürgerkrieg die gemäßigten Kreise herkommen?

(Foto: dpa)

Berlin„Wo sollen denn nach mehr als fünf Jahren Bürgerkrieg die gemäßigten Kreise herkommen?“ – Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) ließ am Wochenende keinen Zweifel daran, dass er zur Rettung der Syrien-Friedensgespräche auch Vertreter islamistischer Rebellengruppen an den Tisch will. „Ich fürchte, wir sind weit über den Moment hinaus, wo wir uns wirklich alle Gesprächspartner und Verhandlungsteilnehmer aussuchen könnten“, ließ der Minister die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ wissen.

Wegen des Streits der Konfliktparteien und der involvierten Länder über die Delegationen könnte sich der für Montag geplante Auftakt der Verhandlungen in Genf verzögern. Bis zuletzt wurde gerangelt, gedroht und gestritten. Umkämpft ist vor allem die Zusammensetzung der syrischen Opposition in Genf, wo sich das Regime und seine Gegner erstmals seit zwei Jahren wieder gegenübersitzen.

Moskau will die islamistischen Brigaden der „Armee des Islam“ (Jaish al-Islam) nicht mit am Tisch. Washington dagegen lehnt Vertreter der syrischen Kurdenmiliz PYD ab, einem Ableger der PKK, die in den USA als Terrororganisation gilt. Doch auch wenn sich der für Montag geplante Verhandlungsstart noch etwas verzögert, werden die Gespräche letztlich wohl wie geplant in Gang kommen. Denn US-Außenminister John Kerry und sein russischer Amtskollege Sergej Lawrow räumten bei ihrem Treffen vergangene Woche in Zürich offenbar die letzten Hürden aus dem Weg.

Nach ihrem Kompromiss, über den der US-Wirtschaftsdienst Bloomberg berichtete, wird UN-Vermittler Staffan de Mistura nun zwei Delegationen von Assad-Gegnern nach Genf bitten, die eine mehr nach dem Geschmack des Westens und der Golfstaaten, die andere mehr nach der Vorstellung Moskaus. Einzelheiten will der UN-Diplomat am Montag bekannt geben.

Der Ende 2015 in Wien international vereinbarte Syrien-Fahrplan sieht vor, dass die Genfer Gespräche Mitte des Jahres in einer nationalen Übergangsregierung münden, begleitet von einem Waffenstillstand. Bis Ende 2017 soll das syrische Volk dann eine neue Verfassung verabschieden und eine neue Führung wählen.

Russlands Präsident Wladimir Putin scheint klar, dass in diesem Rahmen die Tage von Bashar al-Assad gezählt sind. Nach einem Bericht der „Financial Times“ schickte der Kreml-Chef im Dezember einen hochrangigen General mit der heiklen Mission nach Damaskus, den Diktator zum Rücktritt zu drängen, den Alawiten das Überleben ihres Regime zu garantieren und zu fordern, man solle mit der moderaten Opposition „realistisch“ verhandeln – ein Ansinnen, das Assad rundheraus ablehnte.

Verstärkter Druck auf den IS
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16 Kommentare zu "Vor den Syrien-Gesprächen: Gerangelt, gedroht und gestritten"

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  • Die Wertegemeinschaft Merkels bringt überall den Frieden hin, wie man auf den Bild sehen kann.

  • Ist es nicht so, dass Syrien "pro Russisch" ist und einem Pipeline Bau für Saudi-Arabien im Wege stand?
    Hat nicht deshalb die USA mit geholfen (über den IS) Syrien zu destabilisieren?
    Natürlich möchten sie jetzt bestimmen wo es lang geht, damit die Pipeline bald fertig wird.
    Mal sehen, ob dies gelingt...

  • Ja, Russland wird dort siegen und letztendlich sind sie es (samt den Staaten, die diesen Syrien-Einsatz koordiniert haben), die anderen Länder wieder dazu verhelfen, dass staatliche Strukturen wieder stablisiert werden.

    Hinzu kommt dass sich Russland an geltendes Völkerrecht und an die UN-Beschlüsse halten.

  • ich persönlich mag die R-Deutschen sehr, denn sie waren es, die bei der EM / WM mit Deutschen Fahnen aufgezeigt haben, dass sie stolz auf das Land sind, wo sie jetzt wohnen.

    Später haben es dann die Deutschen hier übernommen, also eine wirklich sehr positive Vorbild Funktion.

  • Warum auch nicht? Russland-Deutsche bekennen sich definitiv dazu Deutsche zu sein. Sie sind so ein wenig das "Haßobjekt" der Sozialindustrie, weil sie denen immer die Statistik kaputt machen. Normalerweise wollen die nämlich immer nachweisen, dass die Mirgranten in Deutschland diskriminiert werden. Jede Statistik mit Russlanddeutschen zeigt das aber nicht, weil diese überdurchschnittlich performen (wegen so altmodischen Werten: Fleiss, Pünktlichkeit, ...)

  • ..- ukrainischem Vorbild befrieden...-

    In Syrien sind sie militärisch schon etwas weiter, sie bauen einen Flugplatz aus.
    Allerdings gibt es dort noch keinen amerikanischen Finanzminister.
    LOL

  • Nach dem die Amerikaner sowohl im Irak als auch in Syrien erbärmlich gescheitert sind, wäre es an der Zeit, sich heraus zu halten und konstruktiveren Kräften wie z. B. Russland das Feld zu überlassen.

  • Ich denke nicht, dass man dem Handelsblatt wegen diesem Artikel einen Vorwurf machen kann.

    Man mag ja die unterschiedlichsten Ansichten zum Thema haben, aber der Artikel ist ZUM GLÜCK ohne große Kommentierung eine Ansammlung von Fakten. Ich kann hier nicht erkennen, dass hier irgendjemand besonders bevorzugt wurde.

  • -n-tv selbst berichtet davon, dass sogar die Schmerz-gewöhnten Russlanddeutsche auf die Straße gehen.

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    Montag, 25. Januar 2016
    Proteste in SüddeutschlandRusslanddeutsche gegen "Ausländergewalt"

    In Berlin wird angeblich ein Mädchen von Ausländern vergewaltigt. Die Polizei sagt, der Fall sei erfunden. Dennoch nehmen Hunderte Russlanddeutsche die Geschichte zum Anlass, gegen "Ausländergewalt" zu demonstrieren.

  • Syrien....ist nur eines von vielen Ländern, die unter dem Arabischen Frühling in sich zusammenbrechen. Von Syrien aus kann man gleich nach Tunesien, Marrokko, Libanon, Agypten....weitergehen....
    Die nächste illegale Einwanderungswellt wird von Nordafrika auf den Sozialstaat Deutschland drängen.
    Solange dieser "Willkommens-Magnet" der keine Obergrenzen kennt und die Willkommenskultur der Selbstaufopferung nicht abgestellt wird, solange wird Deutschland und Europa in Chaos, Unruhen und zum Schluss selbst in Mangel und Armut versinken.

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