Vor der EU-Gipfel Eurozone droht zu zerbrechen

Die Eurozone ist einer Spaltung gefährlich nah. Während der der Süden Linderungen fordert, verschränkt der Norden die Arme. Vor dem nächsten Spitzentreffen Ende der Woche beherrschen gegenseitige Vorwürfe das Klima.
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Bundeskanzlerin Merkel debattiert mit dem italienischen Ministerpräsidenten Mario Monti: Die Gräben zwischen Nord- und Südeuropa werden tiefer. Quelle: Reuters

Bundeskanzlerin Merkel debattiert mit dem italienischen Ministerpräsidenten Mario Monti: Die Gräben zwischen Nord- und Südeuropa werden tiefer.

(Foto: Reuters)

BerlinAls sich Griechenlands neuer Regierungschef Antonis Samaras am Samstag einer Augenoperation unterzog, traf er eine für ihn nervenschonende Entscheidung. Denn nach Aussage seiner Ärzte kann er nun nicht am EU-Gipfel am Donnerstag und Freitag in Brüssel teilnehmen - was ihm einige unangenehme Kommentare zu der Forderung seiner Regierung nach erneuten Entlastungen ersparen dürfte. Denn in Brüssel droht diesmal ein rauer Ton.

Auch wenn viele vor allem auf das Verhältnis zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und Francois Hollande schauen: Die eigentliche Gefahr in der Euro-Zone ist heute ein ernster Riss zwischen Norden und Süden. Niemand hat dies deutlicher gemacht als der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte, der bei seinem Besuch vergangene Woche in Berlin auf die Einhaltung von Vereinbarungen pochte: „Wir als Länder wie Deutschland, die Niederlande oder Finnland können die Unterstützung für Südeuropa nicht fortsetzen, wenn wir nicht sicher sein können, dass sich die südeuropäischen Länder eben auch daran halten und ihre Haushalte wieder in Ordnung bringen.“

Dagegen steht das Drängen der Regierungen Italiens, Frankreichs, Spaniens - angefeuert von Großbritannien und den USA -, dass Deutschland und die nördlichen Euro-Staaten ihren Widerstand gegen eine Vergemeinschaftung der Schulden fallen lassen sollen. Auch in britischen bis griechischen Medien wird der Ton immer härter gegenüber Bundeskanzlerin Angela Merkel, die mal mit NS-Vergleichen traktiert, mal als „Terminatorin“ Europas karikiert wird. Das Vierer-Treffen in Rom wirkte wie ein letzter Versuch der romanischen Achse, die Kanzlerin doch noch auf eine Lockerung der Regeln etwa beim Einsatz der Rettungsschirme ESM und EFSF zu bewegen.

Aber die Gereiztheit wächst eben nicht nur am Südrand der Euro-Zone. Vor wenigen Tagen warnte Merkels finnischer Kollege Jyrki Katainen in Berlin, es sei wirklich frustrierend, ein pro-europäischer Politiker in einem Land zu sein, das sich immer an die EU-Regeln gehalten habe. Die Euro-Zone wirke wie kommunizierende Röhren: Je mehr die angeschlagenen Euro-Länder den Eindruck erweckten, sie könnten notwendige Reformen angeblich nicht schultern, desto größer werde der Unmut der Steuerzahler in den Teilen Europas, die schmerzhafte Strukturreformen längst hinter sich gebracht hätten. „Fairness“ soll nach seinen Worten den Zusammenhalt in der Euro-Zone sichern. Die Ministerpräsidenten der Nicht-Euro-Länder Schweden und Litauen, die ihren Bevölkerungen ebenfalls harte Einschnitte zumuten mussten, klingen nicht viel anders.

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19 Kommentare zu "Vor der EU-Gipfel: Eurozone droht zu zerbrechen"

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  • Dich, teure Halle, seh' ich nieder:
    Ehe ein Jahr verstrichen ist, wird die brennende Hütte des UdESFR (Union der Europäischen Sozialistischen FalschgeldRepubliken) die deutschen Nibelungenzahler unter ihrem einstürzenden Gebälk begraben.

  • Je eher der Euro-Seelenverkäufer-Konvoi versenkt wird, desto billiger wird es (auch wenn das Steuer-Veruntreuungsministerium unter Wolfgang Schäuble die Abgeordneten-Schafe mit einem genau entgegengesetzten Weltuntergangsszenario ins Hammel-Gehege des ESM zu peitschen versucht: http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/euro-krise-finanzministerium-zeichnet-duesteres-crash-szenario-a-840604.html).

  • Hi Luigi,
    mein Nachbar heißt Costas und er war vor kurzem wegen des gleichen Problems bei mir. Ich habe ihn angehört und ihm schriftlich zugesichert, für seine Schulden mitzuhaften. Im Gegenzug hat er mir zugesagt, künftig seine Ausgabenseite besser zu kontrollieren. Die Welt ist so schlecht und sie kann nur besser werden, wenn wir einander helfen. Ich weiß, wenn es mir mal schlecht geht, wird Costas mir bestimmt aushelfen.

  • > ich habe keine Lust mehr mich hier auch noch mit schuldig zu fühlen <
    Mit schuldig sind alle diejenigen, die Geld ohne Kopfgebrauch verliehen haben, obwohl es seinerzeit bereits warnende Stimmen gab.
    Da gehören - leider; politisch promoviert - die allermeisten deutschen 'Sparer' mit zu.
    Ergo wird es, so oder so, nicht ohne Schuldenentwertung sprich Inflation auch hierzulande gehen können.

    Ansonsten aber Zustimmung. Das jeweilige Inflationsmaß sollte national bestimmt werden, und nicht von einer zudem demokratisch unlegitimierten Eurokratie.

  • Zypern könnte bereits am Mittwoch Finanzhilfen beantragen


    Die im östlichen Mittelmeer gelegene Insel Zypern könnte Medienberichten zufolge schon in Kürze einen Antrag für Hilfen aus dem europäischen Rettungsfonds EFSF stellen. Wie zypriotische Medien am heutigen Montag berichteten, könnte das Hilfsgesuch bereits am Mittwoch (27.06.2012) eingereicht werden. Am morgigen Dienstag soll die politische Führung des Eurolandes über diesen Schritt beraten, so das Staatsradio (RIK).

    Dabei will Zypern nicht allumfassende Staatshilfen, sondern Finanzhilfen für den Bankensektor (nach spanischem Vorbild) beantragen. Bei den Beratungen gehe es aber nicht nur um den Bankensektor des Landes, sondern auch um generelle „notwendige Reformen, die durchgeführt werden müssen“, so der zyprische Regierungssprecher Stefanos Stefanou.

    Die zweitgrößte Bank des Landes Cyprus Popular Bank benötigt 1,8 Milliarden Euro. Das entspricht rund zehn Prozent des Bruttoninlandsprodukts (BIP) des Landes. Zyperns Bankensektor ist eng mit dem griechischen verwoben. Zypriotische Forderungen sind zum Großteil an griechische Schuldner gebunden.

    Der aktuelle IWF-Bericht zur Wirtschaft des Inselstaates bezeichnet dessen Lage als „verwundbar und beängstigend“.

    Zuvor war Zypern von Fitch auf Ramsch abgestuft worden.

  • vollendgeiler kommentar, luigi. selten so erfreut gelacht! klasse!

  • Hoffentlich ist da was dran! Eurozone mit einer Vergemeinschaftung der Schulden war so ja auch nicht angedacht. Allerdings befürchte ich das Deutschland letztlich auf den Schulden der PIIGS sitzen bleiben wird. Schäuble hat hier ja schon um 2009 diesbezüglich Garantien abgegeben. Hierzu gibt es ein wunderbares Interview in hard talk mit Stephan Sackur auf BBC world. Unbedingt sehenswert ob Schäubles Naivität.

  • "Eurozone droht zu zerbrechen"

    Dazu nur 2 Worte: Gut! Wann?

  • Hallo, ich bin der Luigi aus Wuppertal. Ich arbeite den ganzen Tag von morgens 10:00 Uhr bis abends 16:00 Uhr und trotzdem reicht das Geld hinten und vorne nicht. Neulich bin ich deshalb zu meinem Nachbarn, dem Heiner, gegangen und habe ihm gesagt, dass er meine Schulden übernehmen muss, da ich die strukturelle Probleme habe. Er hat mich rausgeschmissen. Unverschämter Zeitgenosse! Typisch deutsche Haltung, Geld scheffeln und anschließend nichts davon abgeben wollen. Dabei sitzen wir doch alle im selben Boot. Dem Heiner ist aber nicht klar, dass irgendeiner rudern muss während ich steuere!

  • >„Fairness“ soll nach seinen Worten den Zusammenhalt in der Euro-Zone sichern.<
    was in dieser ganzen Diskussion völlig unter den Tisch fällt ist: wer hat denn die Fairness gebrochen und sich auf Kosten der anderen EU Mitglieder hemmungslos verschuldet? War das solidarisch und fair?
    Ich habe keine Lust mehr mich hier auch noch mit schuldig zu fühlen, die Gauner sind diejenigen Länder, die der EU diese Misere eingebrockt haben, sie sind diejenigen, die nicht solidarisch waren, sie haben auf Kosten anderer völlig über ihre Verhältnisse gelebt und jetzt auch noch die dicke Lippe machen und unverschämt frech werden.
    Und komme mir keiner von wegen Deutschland habe ja profitiert, warum hat Deutschland (Deutsche Unternehmen, nicht wir Bürger) das? Weil wir Bürger auf Lohnzuwachs verzichtet haben, Hartz4 aufgezwungen bekamen, Zeitarbeit, Dumpinglöhne, Rentenkürzung und und und. Darum konnte Deutschland wettbewerbsfähig bleiben, auf Kosten von uns Bürgern.
    Das hätten die Problem-EU-Länder alles auch machen können, sie wusste alle was man hier mit und Bürgern macht und sie haben ihren Wohlstand genossen während wir bluten mussten. Und jetzt zahlen wir Idioten auch noch denen ihre Prasse, ich denke das Maß ist langsam voll hier.

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