Vor der Griechenlandwahl Euro oder Drachme?

Befürworter und Gegner des Sparpakets werden sich bei der Hellas-Wahl ein enges Rennen liefern. Wer auch gewinnt: Die Angst vor den Finanzmarkt-Reaktionen ist groß. Europas Akteure bereiten sich für den Ernstfall vor.
Update: 17.06.2012 - 13:43 Uhr 67 Kommentare
Ganz Europa blickt am Sonntag nach Griechenland. Quelle: dpa

Ganz Europa blickt am Sonntag nach Griechenland.

(Foto: dpa)

Athen/BerlinNervös schaut Europa auf die Parlamentswahl an diesem Sonntag in Griechenland. Von der Entscheidung der Griechen hängt nach Ansicht vieler Analysten ab, ob das Land in der Eurozone bleibt. Verabschiedet sich Griechenland von der Einheitswährung, könnte eine Währungskrise ganz Europa erschüttern. Angesichts einer drohenden Staatspleite stehen die knapp 9,7 Millionen Wahlberechtigten vor einer Richtungswahl. Nach letzten Umfragen deutet sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen der konservativen Nea Dimokratia (ND) und dem Bündnis der radikalen Linken (Syriza) ab.

Wie Griechenland vor der Pleite gerettet werden sollte
Griechenland-Hilfe
1 von 8

Mit dem Absturz Athens begann im Winter 2009/2010 die Schuldenkrise.

BELGIUM-EU-SUMMIT
2 von 8

Im April 2010 beschloss der EU-Gipfel das erste Rettungspaket in Höhe von 110 Milliarden Euro für drei Jahre.

Ultra-right party Chryssi Avghi (Golden Dawn) march in Athens
3 von 8

Im Gegenzug verpflichtete sich Athen zu einem strikten Spar- und Reformkurs, der Privatisierungen und Stellenabbau im Öffentlichen Dienst umfasste. Viele Griechen waren damit nicht einverstanden und gingen auf die Straße.

Recession in Greece
4 von 8

Doch die Auflagen wurden von Beginn an nicht planmäßig umgesetzt, die Privatisierung kam überhaupt nicht voran. Parallel schmierte die Wirtschaft weiter ab.

Greek economy remains in deep recession
5 von 8

Im Oktober wurde mit den Banken ein Schuldenschnitt von 50 Prozent ausgehandelt. Auf die Einzelheiten für das zweite Rettungspaket einigte sich die Eurogruppe aber erst im Februar. Das Gesamtvolumen: 172,6 Milliarden Euro (inklusive 24,4 Milliarden aus dem alten Programm) für die kommenden zwei Jahre. 30 Milliarden Euro davon gehen indes nicht an Athen, sondern zur Absicherung an die Banken. Deren Verlust aus dem Schuldenschnitt: 107 Milliarden Euro.

European head of states summit
6 von 8

Im Sommer 2011 beschlossen die Regierungschefs deswegen ein zweites Rettungspaket, an dem sich die privaten Gläubiger mit einem Forderungsverzicht beteiligen sollten.

Griechische Gastronomen spenden für Suppenküche in Athen
7 von 8

Mit dem beispiellosen Paket sollte erreicht werden, dass die Gesamtverschuldung der Griechen von weit über 160 Prozent der Wirtschaftskraft bis 2020 auf 117 Prozent abgebaut wird. Als Gegenleistung mussten die Hellenen Haushaltskürzungen von 3,2 Milliarden Euro und heftige Sparmaßnahmen akzeptieren: Ein Abbau von 150.000 Stellen im öffentlichen Dienst, eine Absenkung des Mindestlohnes um 22 Prozent, Privatisierungen von 50 Milliarden Euro, Anhebung der Nahverkehrspreise um 25 Prozent.

Die Konservativen sind klar für einen Verbleib im Euroland - das Sparprogramm wollen sie aber lockern. Der Chef der Linken, Alexis Tsipras, meinte dagegen: „Der Euro ist für uns kein Fetisch“. Der Vorsitzende der Konservativen, Antonis Samaras, will daran nicht denken: „Wir werden niemandem erlauben, mit der Zukunft unseres Landes zu spielen und uns aus dem Euroland herauszuführen“, sagte er am späten Freitagabend bei seiner Wahlkampf-Abschlussrede in Athen.

Entsprechend zwiespältig war das Bild in der griechischen Presse am Samstag. Überzeugt von dem Sieg der Linken schrieb das Parteiblatt des Linksbündnisses Syriza, das Volk werde „dem korrupten System ein Ende bereiten“. Eine neue „gerechte und solidarische Gesellschaft sei im Kommen“. Die Zeitung der politischen Mitte, „Ta Nea“ titelte: „Euro oder Drachme“ - dies sei das Dilemma. Darunter druckte das Blatt zwei Münzhälften, eine des Euro und eine der alten Währung, der Drachme.

In einem Kommentar hieß es, es wäre schade, wenn Griechenland ausgerechnet jetzt, wo die Stimmung in Europa sich gegen rigides Sparen wende, die Eurozone verlasse. Die konservative Zeitung „Kathimerini“ meint, es werde am Sonntag ein Wettstreit zwischen den Konservativen und der Linken geben. Boulevardzeitungen machten Panik - am Montag werde es eine „Volksrevolution“ geben.

Die Finanzmärkte waren vor der Wahl nervös, weil der Wahlausgang und die Folgen für die Weltwirtschaft schwer einzuschätzen sind. Auch wenn es offiziell keine Bestätigungen dafür gibt: Notenbanken und Politik stehen wohl bereit, um auf einen möglichen Absturz der Märkte schnell reagieren zu können. Jedoch wollte die Europäische Zentralbank (EZB) Berichte nicht bestätigen, die wichtigsten Notenbanken der Welt planten ein gemeinsames Vorgehen im Falle von Marktturbulenzen. „Kein Kommentar“, hieß es bei der EZB in Frankfurt.

Im schlimmsten Fall - einem klaren Sieg der radikalen Linken, die wesentliche Bestandteile des Sparprogramms ablehnt - wird von Montag an mit erneuten Verwerfungen gerechnet. Denn falls die internationale Gemeinschaft die Hilfskredite wegen nicht eingehaltener Auflagen kappt, droht dem Land der Staatsbankrott.

Euro-Retter kommen Athen entgegen
Seite 123Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Vor der Griechenlandwahl - Euro-Retter reichen Athen die strenge Hand

67 Kommentare zu "Vor der Griechenlandwahl: Euro-Retter reichen Athen die strenge Hand"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Die größte Gefahr & die größten Feinde der Deutschen
    sind die deutschen Politiker…

    Vielleicht versteht das der deutsche Lemming?!

    Im Hirn ist (falls vorhanden) der Verstand, mal anschmeißen…

    Das (Deutsche) trojanische Pferd
    Claudia Roth,
    die glühende Verteidigerin des Islam…

  • @Prawda. Nur mit dem Unterschied, dass heute alle glauben Sie seien Gebildeter und wissen alles. Den Menschen in den 30igern kann man wenigstens nicht den Vorwurf machen, dass Sie sich hätten infomieren können. Es gab kein Internet, es gab wenige Zeitungen...ohhhh hoppla...vielleicht sind wir deswegen alle so dumm. Wir werden hier verarscht, verramscht und Gehirnwäsche betrieben.

    Das betrifft genauso das Handelsblatt. Jungs aufwachen. Wollt Ihr tatsächlich dieses Spiel mitmachen. Ich vergaß - 80% der Presse gehört 3 Familien. Bei so einer großten Infoflut...na Entschuldigung obwohl ja alle das gleiche sagen.

    Aber Frau Merkel wird jetzt mit der Pressemaschinerie jetzt auch mal bedrängt... hhhaaaahhaaa....weiter so Europa.

  • Ich weiß gar nicht was ihr [...] wollt. Es läuft doch alles super. Ihr [...] Steuerzahler zahlt ein Rettungspaket nach dem anderen, finanziert Brandmauern, schickt das Geld nach Griechenland und Griechenland zahlt davon 70% zurück an uns Banken zurück. Danke ihr [...] und nächstes Jahr werde ich meine Provision von 1 Millionen auf 2 Millionen Euro wieder verdoppeln auf eure Kosten! Hier habt ihr eine lange Nase von mir, ätsch! Banker sind eben die wahren Führer von Staaten und Politiker sind nur Marionetten, die an unseren Seilen hängen und dabei keine gute Figur abgeben, lach. [...]! [+++ Beitrag von der Redaktion editiert +++]

  • Ist es denn so schwer zu verstehen, dass "die Griechen" (Säuglinge, Schulkinder, Rentner, Behinderte und was so alles Teil der Gesellschaft ist) eine kollektive Schuldzuweisung ist? Nach Ihrem Satz müsste ich, um dieselbe Rhetorik zu verwenden, sagen, die Deutschen haben Probleme, um das Niveau der Pauschalurteile zu verlassen. Wobei dieses Niveau impliziert, dass man auf "Sparniveau" denkt, da man nicht mehr differenziert, also primitiver.

  • ok, sie geben sich als bauer aus...das bedeutet noch lange nicht, dass die anderen es sind...vielleicht kann man seine Ansichten auch etwas normaler anbringen. Egal, was die Botschaft ist, die Form hat Bildzeitungsniveau.

  • Also mir ist schon seit der Regierung Kohl bewusst, dass man eigentlich nicht mehr gefragt wird und nur noch gemäss Plan gehandelt wird. Die Geldentwertung bei der Einführung hat man hingenommen wegen der Propaganda, dass die Preise stabil wären. Und dann die Krise seit 2008. Nun wird halt deutlich, dass es nicht so gut geht und man eigentlich viel früher mal sich seiner Rolle als Volk bewusst werden hätte sollen. Das "gutgläubige Unschuldslamm" Szenario gilt bei mir nicht. Was auch mein Grund ist, mich einzubringen. Ich sehe Handlungsbedarf, um D wieder demokratisch werden zu lassen.

  • Gold heimholen ist gut, aber man müsste erstmal wissen ob es noch im vollem Umfang vorhanden und vor allem; wo es ist!

    Wir alle haben fiktives Geld nach GR gesandt, nicht nur D!

    Dieses Geld ist nie beim Volk angekommen, keine Krankenhäuser unterstützt, damit wurden keine Löhne/Gehälter bezahlt!

    Dieses Geld, für das wir alle haften, ist nach Abzug div. Manipulationsgebühren zu ca 98% wieder nach D zurückgeflossen und hat die Forderungen der Banken bedient, u.a. auch G&S, die Krake(!), welche beim fälschen und verschleiern der Bilanzen, damals beim Beitritt zur EU, äußerst hilfreich den GR zur Hand gegangen ist, das Volk schaut in den Mond und hat nicht zu Unrecht einen "mords Zorn" auf Germania!

    Wir Österreicher wurden ebenfalls in die EU hinein gelogen, man hat dem Volk weiß ich was versprochen und einfältig wie die breite Masse ist, sind auch wir drauf reingefallen!
    Jedes Ding hat mehrere Seiten und man sollte sie auch beachten!

    Wenn es weitergeht in dieser Geschwindigkeit, werden alle Länder ziemlich arm werden, das deutsche Volk wird ebenfalls "ausgenommen", man kennt ja die monströsen aber zumeist redlich verdienten Sparguthaben, genau auf die hat man es abgesehen!

  • [+++ Beitrag von der Redaktion gelöscht +++]

  • Wählen ab 16

    +++ Die nächste Schweinerei! +++

    Damit steigt die Zahl der Wähler in Deutschland!
    Damit steigen die EINNAHMEN der Parteien!
    Pro Wähler 5 Euro?!

    Uns auszuplündern,
    da ist den POLITIKERN jedes MITTEL RECHT!

    Räuber Diebe Plünderer…

    Skrupellos bis ins Mark…

  • [+++ Beitrag von der Redaktion gelöscht +++]

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%