Vor G20-Gipfel Obama und Merkel auf Kollisionskurs

Kurz vor Beginn des G20-Gipfels verschärft sich der Streit zwischen den USA auf der einen Seite und Deutschland mit China auf der anderen. Während der angeschlagene US-Präsident Obama auf verbindliche Hilfe aus Berlin und Peking beim Abbau des gewaltigen Handelsdefizits pocht, kontert die deutsche Seite kühl.
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Merkel und Obama im Weißen Haus im November 2009. Quelle: dpa

Merkel und Obama im Weißen Haus im November 2009.

(Foto: dpa)

HB NEW YORK. Die USA steuern beim G20-Gipfel auf eine direkte Konfrontation mit Deutschland und China zu, den beiden größten Exportnationen der Erde. Der innenpolitisch schwer angeschlagene US-Präsident Barack Obama pocht weiter auf verbindliche Hilfe aus Berlin und Peking beim Abbau des gewaltigen US-Handelsdefizits. Diese Position verdeutlichte Obama in einem Brief an seine Kollegen.

Dem Plan erteilte Bundeskanzlerin Angela Merkel vor ihrer Abreise nach Südkorea am Mittwoch eine klare Absage. Die südkoreanische G20-Präsidentschaft berichtete über festgefahrene Verhandlungen der Unterhändler aus den G20, den wichtigsten Volkswirtschaften der Erde.

Merkel machte klar, dass die Ungleichgewichte in den Handelsbeziehungen auch etwas mit der Wettbewerbsfähigkeit vonv Produkten auf dem Weltmarkt zu tun hätten. „Quantifizierte Ziele wird Deutschland jedenfalls nicht mittragen“, sagte sie und lehnte erneut Zielkorridore oder andere messbare Vorgaben für Handelsströme ab.

Die „New York Times“ berichtete aus einem Brief Obamas an die G20-Gipfelrunde. Darin räumte er zwar ein, dass die USA ihren Konsum auf Pump einschränkten müssten. Aber mit Blick auf China und Deutschland schrieb er, andere Ländern müssten auch etwas tun. „Kein einzelnes Land kann unser gemeinsames Ziel einer starken, dauerhaften und ausgewogenen Erholung auf sich selbst gestellt erreichen.“

Obamas Finanzminister Timothy Geithner hatte sich schon beim G20-Treffen mit seinen Kollegen eine Abfuhr vor allem von deutscher Seite für den Plan geholt.

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24 Kommentare zu "Vor G20-Gipfel: Obama und Merkel auf Kollisionskurs"

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  • Pech für Merkel.
    busch fraß ihr doch aus der Hand. Gooorgiiiii war ihr Freund.
    Aber bei Obama kann sie nun mal nicht landen.
    Das stört unser Macht-Merkel.
    Nun hat sie schon ständig mit Sarkozy Zoff, Obama will auch nicht so, arme Angie, sie tut mir ja fast leid.
    Merkel vergißt völlig, dass die "dolle" deutsche Wirtschaftsleistung mit Ausbeuterlöhnen erreicht wurde.
    Andere Länder zahlen normale Löhne, Deutschland ist Niedriglohnland geworden.
    Also sollte Merkel ein bißchen die Klappe halten und sich nicht immer so aufplustern, als wäre sie Weltstaatsfrau

  • @bürger: ich scheine ja einen Nerv getroffen zu haben, mit einer solch qualifizierten Antwort habe ich gar nicht gerechnet, am besten gefiel mir die bemerkung mit dem "Hobbykoch", da ich tatsächlich gerne koche ;-)

    @Lothar Schepers
    Sie haben natürlich recht, das man das 20%ige Geldmengenwachstum in Relation zum rund 10%igen wirtschaftswachstum stellen muss. Auch haben Sie recht, dass es sich im bereich der Staatsanleihen nicht um 5bio$ handeln kann. China, Japan, Korea, Taiwan u.a. investierten auch in andere US-asset-Klassen, verkauften zwischendurch um später zu reinvestieren, etc.

    @blueworld
    Da liegen wir mit unseren Einschätzungen eigentlich überhaupt nicht außeinander, kann ihnen eigentlich nur zustimmen, aber: Gegensteuern heißt nicht: die Probleme werden mit einem Fingerschnipsen beseitigt. Die faulen Kredite sind vorhanden, neue sollten aber nicht mehr ganz so schnell oder bestenfalls überhaut nicht mehr im bereich der Kommunalfinanzierung entstehen.

    @Carlos Anton:
    Das Handelsbilanzdefizit ist in meinen Augen eigentlich nur ein Symptom, oder vielmehr ein Charakterzug einer Volkswirtschaft. Die USA importieren mehr, als sie exportieren. Dafür fließt ihnen Geld aus dem Ausland zu. That's all. Das macht die USA abhängig vom Ausland, dafür ist im Gegenzug das Ausland auf den US-Konsum bzw. die importstärke (zumindest bislang) angewiesen.

    il y a à parier, que toute idée publique, toute convention recue, est une sottise, car elle a convenue au plus grand nombre.

    Alexander Peball, boersenreflex.de

  • Kürt schwarz-gelb nun "antiamerikanisch" als Wahlkampfhilfe? Jedenfalls fehlt ein Plan b.
    Oder will man demnächst seine Exportüberschüsse
    oder gar die fetten Deckungsbeiträge mit China
    erhandeln? Viel Spaß!

  • Kürt schwarz-gelb nun "antiamerikanisch" als Wahlkampfhilfe? Jedenfalls fehlt ein Plan b.
    Oder will man demnächst seine Exportüberschüsse
    oder gar die fetten Deckungsbeiträge mit China
    erhandeln? Viel Spaß!

  • ich finde den Vorschlag der USA super. Zurück zur Planwirtschaft.

    bitte darauf drängen, dass der Vorschlag zuerst in den amerikanischen bundesstaaten erprobt wird. Heißt z.b. New Jersey darf zukünftig nicht mehr exportieren als Montana.

  • Deutsche und chinesische Exporte soll Amerika kaufen, aber Geld drucken darf es nicht. Wie soll das gehen? irgendwann helfen auch SZR nicht mehr. Vielleicht Land verkaufen? Nein, es ist einfach an der Zeit dass Deutschland und China sich einmal zurücklehnen und das Leben geniessen, während die USA ihren beitrag in der arbeitsteiligen Weltwirtschaft erhöhen. Dafür werden die Kapitalmärkte schon sorgen. Die Politik hingegen wäre gut beraten, sich auf das Machbare innerhalb ihrer hoheitlichen Grenzen zu konzentrieren.

  • Die Chinesen haben plötzlich gemerkt, dass es vielleicht doch keine so gute idee war, ihren Yuan an eine fremde Währung zu koppeln, denn sie verloren dadurch die Handlungsfreiheit.

    Dies war auch der Grund, weshalb die briten nicht dem Euro beitreten wollten, denn dann müssten sie sich ihre Finanzpolitik jetzt von der EZb in Frankfurt diktieren lassen.

  • "Quantifizierte Ziele wird Deutschland nicht mittragen." Die gute Mutti kämpft hier wieder mal gegen nicht existierende Windmühlen, denn von qualifizierten Zielen steht kein Wort in Obamas brief. Dabei handelte es sich lediglich um einen abgelehnten Vorschlag Geithners aus der Vorrunde, den dieser seither längst aufgegeben hat.

  • @Alexander Peball

    Sehr geehrter Herr Peball,
    ich bräuchte da wohl mal Hilfe.

    Als Assets in USD gehalten (nicht total in USD gerechnet), kann ich für China, Japan, Korea und Taiwan nicht einmal 2,5billionen USD zusammen bekommen, Sie sprechen aber von 5billionen.

    Die FED hat mit QE1 1,750billionen USD frisches Geld gedruckt und mit QE2 druckt sie ab jetzt, bis Juni 2011, nochmal 600Milliarden, entspricht in etwas den Assets die, die oben angeführten Staaten auch halten.

    Ach und btw. das Chinas Geldmenge um 20% jährlich gewachsen ist, ist bei dem Wachstum nicht ungewöhnlich, aber um wieviel die US Geldmenge M3 seit 2006 zugenommen hat weiss ja angeblich keiner, da die FED sie für eine entberliche Größe hält, die sie nicht benötigt um ihre zweite Aufgabe (Geldwertstabilität) zu erfüllen.

    bei aller Sympathie die ich für Amerika hege und trotz meiner Probleme die ich mit totalitären Systemen habe, im Moment sieht es nicht so aus, als wäre es eine gute idee in USD zu investieren.

  • Alexander Pebal:

    "Naja, wenigstens hat China diese hauseigene Problematik erkannt und steuert seit Sommer diesen Jahres massiv entgegen."

    Das stimmt nicht. Chinas blase im infrastruktursektor und immobiliensektor sowie die massiven Überkapazitäten wachsen weiterhin, finanziert mit Krediten der Staatsbanken.Kapitalinvestitionen sind immer noch der dominante Wachstumstreiber der chinesischen Wirtschaft und für etwa 90% des chinesischen Wachstums und mehr als 60% des chinesischen bruttosozialproduktes verantwortlich.

    Die Chinesen wissen ganz genau in welchen Dilemma sie stecken. Sie müssten den Wert des Yuan erhöhen und sie müssen die Löhne und die Zinsen erhöhen, nur so lässt sich die binnenwirtschaft stärken. Aber die Transformation zur einer auf den binnenmarkt basierten Wirtschaft braucht Zeit und bedeutet relativ schwaches Wachstum für einige Zeit. Das aber kann sich das Regime nicht leisten.

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