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Vor Treffen in Genf Putin: Verhältnis zu den USA hat Tiefpunkt erreicht

Der russische Präsident hat sich in einem Interview wenig wohlwollend über seinen US-Amtskollegen geäußert. Die USA haben außerdem weitere Hilfen für die Ukraine angekündigt.
11.06.2021 Update: 12.06.2021 - 02:03 Uhr Kommentieren
Vorbereitungen für das Treffen von Joe Biden und Wladimir Putin. Quelle: AFP
Genf

Vorbereitungen für das Treffen von Joe Biden und Wladimir Putin.

(Foto: AFP)

Washington Wenige Tage vor dem Gipfeltreffen mit US-Präsident Joe Biden sieht Kremlchef Wladimir Putin das Verhältnis zu den USA in einer schweren Krise. „Wir haben eine bilaterale Beziehung, die in den letzten Jahren ihren Tiefpunkt erreicht hat“, sagte Putin in einem in der Nacht auf Samstag veröffentlichten Ausschnitt eines Interviews mit NBC News nach einer Übersetzung des Senders.

Biden unterscheide sich radikal von seinem Vorgänger Donald Trump, den Putin als außergewöhnliche, talentierte und schillernde Person beschrieb. Biden dagegen sei ein „Karrieremensch“, der praktisch sein ganzes Erwachsenenalter in der Politik verbracht habe, sagte Putin der Übersetzung zufolge. Mit Blick auf Biden sagte der Kremlchef zudem, es gäbe einige Vor- und einige Nachteile, aber sicher keine impulsiven Handlungen im Namen eines US-Präsidenten.

Biden und Putin treffen am 16. Juni in Genf aufeinander. Der US-Präsident hatte am Mittwoch gesagt, die USA wollten eine „stabile, vorhersehbare Beziehung“ und suchten nicht den Konflikt mit Russland. Das Weiße Haus betont immer wieder, Putin mit dem Treffen nicht belohnen zu wollen und dass ein persönliches Gespräch wegen der Differenzen zwischen den Ländern besonders wichtig sei.

150 Millionen Dollar für die Ukraine

Das Pentagon hatte am Freitagabend weitere Militärhilfe im Umfang von 150 Millionen US-Dollar für die Ukraine angekündigt. Die USA sagten Russlands Nachbarstaat unter anderem Artillerieaufklärungsradare, Systeme zur Erkennung von Drohnen und abhörsichere Kommunikationsausrüstung zu, wie aus einer Mitteilung am Freitag hervorging.

Die Militärhilfe ist im US-Verteidigungshaushalt vorgesehen. Sie umfasst nach Angaben des Pentagons auch das Training, die Ausrüstung und die Beratung der ukrainischen Streitkräfte - um ihnen zu helfen, die Grenzen des Landes zu sichern.

Bei dem 150-Millionen-Paket handele es sich um die verbleibenden Mittel, die der US-Kongress im laufenden Fiskaljahr (bis 30. September) zur Unterstützung der Ukraine bewilligt habe. Im März hatte das Pentagon bereits Militärhilfen im Umfang von 125 Millionen US-Dollar angekündigt.

Nach Angaben der US-Regierung beläuft sich der Gesamtumfang der Militärhilfe an die Ukraine seit 2014 auf mehr als 2,5 Milliarden US-Dollar. Russland hatte sich 2014 die Krim mit ihren mehr als zwei Millionen Einwohnern einverleibt.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte vor einer Woche in einem Interview gesagt, er hätte sich angesichts des andauernden Ukraine-Konflikts gewünscht, dass sich Biden vor dem Gipfel mit Putin bei einem persönlichen Treffen mit ihm abgestimmt hätte.

Stattdessen telefonierten Biden und Selenskyj am Montag. Nach Angaben des Weißen Hauses betonte Biden, dass er für die territoriale Integrität der Ukraine einstehen werde. Zudem hat er Selenskyj für den Sommer ins Weiße Haus eingeladen.

Mehr: Die Kanzlerin fliegt am 15. Juli nach Washington. Ein wichtiges Thema wird der Streit um die Nord-Stream-2-Pipeline sein, die das transatlantische Verhältnis schwer belastet.

  • dpa
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