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Demonstration in Mazedonien

In Mazedonien demonstrieren Gegner des Abkommens mit Griechenland, das die Umbenennung des Landes vorsieht. Russland wollte die Verhandlungen offenbar manipulieren.

(Foto: dpa)

Vorherrschaft auf dem Balkan Warum Griechenland russische Diplomaten ausweist

Russische Diplomaten wollten die Einigung zwischen Griechenland und Mazedonien torpedieren. Es geht um die Vorherrschaft auf dem Balkan.
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AthenDie Annäherung zwischen Athen und Skopje belastet die Beziehungen Griechenlands zu Russland. Im Kreml sieht man die Beilegung des Namensstreits um Mazedonien und die Annäherung der Balkanrepublik an die Nato offenbar als Bedrohung der eigenen Interessen in der Region.

Russische Diplomaten sollen versucht haben, mit Geldzuwendungen an griechische Kommunalpolitiker, Geschäftsleute, Geistliche der orthodoxen Kirche, Militärs und nationalistische Zirkel Protestaktionen gegen die Annäherung zwischen Athen und Skopje zu schüren und politischen Druck gegen die Regierung von Ministerpräsident Alexis Tsipras in Athen aufzubauen. So sollten die Verhandlungen über eine Beilegung des Namensstreits torpediert werden, um Russlands Einfluss auf dem Balkan zu sichern – dort, wo mehrere Mächte um die Vorherrschaft kämpfen.

Aufgeflogen seien die Aktivitäten der russischen Diplomaten in Nordgriechenland, nachdem ein Armeeoffizier seinem Vorgesetzten einen Bestechungsversuch meldete, schreibt die Zeitung „Kathimerini“. Der sonst so wortreiche griechische Regierungssprecher Dimitris Tzanakopoulos gibt sich einsilbig: „Es hat Verhaltensweisen gegeben, die geeignete Maßnahmen notwendig machen.“ Griechenland werde kein Verhalten tolerieren, das internationales Recht breche, so Tzanakopoulos.

Ein Zentrum der russischen Aktivitäten ist die nordgriechische Hafenstadt Alexandroupolis, die mit dem russischen Sankt Petersburg eine Städtepartnerschaft unterhält. In der Allee der Demokratie, der Hauptverkehrs- und Einkaufsstraße im Stadtzentrum, residiert unter der Nummer 349 das „Russische Haus“, ein Kulturverein, der sich der Pflege der griechisch-russischen Beziehungen widmet. Hier sollen die beiden jetzt ausgewiesenen russischen Diplomaten ein- und ausgegangen sein, hier wurde die Kampagne koordiniert, berichten Personen, die mit den Vorgängen vertraut sind.

Eine der Schlüsselfiguren dieser Aktivitäten war Alexei Popow, der frühere russische Generalkonsul im nordgriechischen Thessaloniki. Er ist einer der beiden russischen Diplomaten, denen Athen jetzt die Einreise verweigert.

Der russische Außenminister Sergei Lawrow bezeichnete die Bestechungsvorwürfe als „Unsinn“. Griechenland habe die beiden Diplomaten ausgewiesen, ohne irgendwelche Beweise zu haben, sagte Lawrow dem Talkmaster Larry King im staatlichen russischen Propagandakanal RT America. Die Regierung in Athen folge damit dem Beispiel anderer westlicher Länder, die Anschuldigungen gegenüber Russland erhöben, ohne Beweise zu haben. Das russische Außenministerium bestellte den griechischen Botschafter in Moskau ein.

Mit der Ausweisung der beiden russischen Diplomaten, die offenbar am Freitag Griechenland verlassen haben, wird es frostig zwischen Athen und Moskau. Dabei ist es noch gar nicht so lange her, da sah der griechische Premier Alexis Tsipras in Kremlchef Wladimir Putin einen Verbündeten. Wenige Stunden nach seinem Wahlsieg am 25. Januar 2015 empfing Tsipras als ersten ausländischen Besucher den russischen Botschafter.

Es ging um Geld, viel Geld: Der Ex-Kommunist Tsipras wollte sein Land mit Milliardenkrediten des Kremls vor der drohenden Pleite bewahren. Doch daraus wurde nichts, Putin rückte kein Geld heraus. Stattdessen musste Tsipras nach einem sechsmonatigen Tauziehen Hilfskredite des Euro-Rettungsfonds ESM in Anspruch nehmen und einen strikten Sparkurs steuern.

Zoran Zaev (l.) und Alexis Tsipras haben den seit gut einem Vierteljahrhundert andauernden Streit um den Namen Mazedonien beigelegt. Quelle: dpa
Premierminister von Mazedonien und Griechenland

Zoran Zaev (l.) und Alexis Tsipras haben den seit gut einem Vierteljahrhundert andauernden Streit um den Namen Mazedonien beigelegt.

(Foto: dpa)

Inzwischen hat sich Tsipras für den Westen vom gefürchteten Paria zu einem folgsamen Partner gewandelt. Das zeigte sich zuletzt auch in der Mazedonienfrage. In sechsmonatigen intensiven Verhandlungen mit der Regierung in Skopje gelang es Tsipras, den seit 27 Jahren ungelösten Streit um den Staatsnamen Mazedonien beizulegen. Das Land soll sich künftig „Republik Nord-Mazedonien“ nennen, um Verwechslungen mit der griechischen Region Mazedonien auszuschließen. Der Kompromiss ist zwar in Griechenland bei großen Teilen der Bevölkerung unpopulär. Dafür bekam Tsipras für seine „historische Leistung“ von der EU und der Nato umso größere Anerkennung.

Kremlchef Putin kann die Annäherung zwischen Athen und Skopje allerdings nicht gefallen. Moskau hatte unter dem national-konservativen Regierungschef Nikolas Gruevski großen Einfluss in Mazedonien. Das änderte sich, als der Sozialdemokrat Zoran Zaev im Frühjahr 2017 den prorussischen Politiker ablöste. Zaev einigte sich im Juni mit Griechenland auf die Beilegung des Namensstreits. Damit öffnete er die Tür zur Nato, die vergangene Woche eine offizielle Einladung an Mazedonien aussprach. Mit der Aufnahme des Landes in die Allianz würde Russlands Einfluss auf dem Balkan weiter zurückgedrängt.

Russland und Griechenland hatten in der Ära vor dem Kalten Krieg enge Beziehungen. Die Russen standen den Griechen Anfang des 19. Jahrhunderts in ihrem Befreiungskampf gegen die Türken bei. Auch die gemeinsame orthodoxe Religion ist ein starkes Band. Im Linksbündnis Syriza gibt es große Affinitäten zu Russland. Wie Tsipras kommen viele führende Regierungspolitiker, so auch Außenminister Nikos Kotzias, aus der spätstalinistischen Kommunistischen Partei Griechenlands (KKE). Einige ältere Syriza-Politiker wurden noch in der Sowjetunion geschult und haben enge Kontakte nach Moskau.

Während Kremlchef Putin in früheren Jahren ein häufiger und gern gesehener Gast in der orthodoxen Mönchsrepublik Athos in Nordgriechenland war, herrsche nun ein „sibirisches Klima“ in den griechisch-russischen Beziehungen, schreibt die Zeitung „Kathimerini“.

Griechische Dienste hatte schon frühzeitig Kenntnis von den russischen Aktivitäten, berichten Insider in Athen. Premierminister Alexis Tsipras sei von Anfang an informiert gewesen. Die griechische Seite habe Russland auf diplomatischen Kanälen bereits vor Monaten aufgefordert, diese Agitation einzustellen und die betroffenen Diplomaten abzuziehen, damit aber keinen Erfolg gehabt, war in Regierungskreisen zu erfahren.

Die russischen Versuche, Proteste gegen den Namenskompromiss zu schüren, hatten übrigens wenig Erfolg. Zwar lehnen laut Umfragen zwei Drittel der Griechen die Vereinbarung ab. Aber die Kundgebungen, zu denen die Kritiker des Abkommens immer noch im ganzen Land aufrufen, haben nur wenig Zulauf. Der russische Außenminister Lawrow warnt unterdessen vor „ernsten Folgen“ der Ausweisungen. Beobachter erwarten, dass Moskau nun im Gegenzug griechischen Diplomaten die Tür weisen wird.

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