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Währungsfonds Europa gibt Anspruch nicht auf: Wer folgt an der IWF-Spitze auf Lagarde?

Der Brite George Osborne hat das Rennen um den IWF-Chefposten eröffnet. Die großen Schwellenländer stellen den Anspruch der Europäer infrage.
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Der Internationale Währungsfonds sucht einen Nachfolger. Quelle: dpa
IWF

Der Internationale Währungsfonds sucht einen Nachfolger.

(Foto: dpa)

New York, Berlin, Bangkok, London Das Arrangement ist so alt wie die Washingtoner Finanzinstitutionen selbst: Während die USA den Chef der Weltbank stellen, dürfen die Europäer den Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF) auswählen. Widerstand gegen diese Ämterteilung gibt es schon lange, die Schwellenländer begehren auf.

Bisher allerdings vergebens. Jetzt ergibt sich eine neue Chance: IWF-Chefin Christine Lagarde zieht es als Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB) nach Frankfurt. Es muss ein Nachfolger her. In Washington wird mit einer langwierigen Suche gerechnet. Kaum jemand erwartet, dass vor der Herbsttagung von IWF und Weltbank eine Entscheidung fällt.

Die Europäer werden ihren Anspruch auf den Chefposten nicht einfach so aufgeben. Geht man die Kandidaten durch, landet man schnell bei Jens Weidmann. Der Bundesbankpräsident wäre gern EZB-Chef geworden, der prestigeträchtige Posten des IWF-Direktors würde ihn sicherlich entschädigen.

Aus Kreisen der Bundesregierung heißt es, man habe sich noch nicht mit dem Thema befasst, wolle einen Wechsel aber auch nicht grundsätzlich ausschließen. Schon vor gut einem Jahr kursierte einmal das Gerücht, Weidmann könnte Lagarde beerben, wenn diese auf einen Spitzenposten nach Europa wechseln würde. Damals wie heute heißt es aus der Bundesbank, Weidmann sei gerne Bundesbank-Präsident, ihn ziehe es nicht weg.

Während sich der Deutsche bedeckt hält, warf ein Brite am Donnerstag seinen Hut schon in den Ring. Der frühere Schatzkanzler George Osborne lancierte über anonyme Zitate in britischen Zeitungen seine Kandidatur. Der IWF-Posten sei reizvoll angesichts der herausfordernden Zeiten für internationale Institutionen, hieß es aus seinem Umfeld. Das aktuelle Klima erfordere einen „fähigen politischen Kommunikator und Operator, keinen Technokraten“.

Weidmann ist derzeitiger Präsident der Deutschen Bundesbank. Quelle: Getty Images; Per-Anders Pettersson
Jens Weidmann

Weidmann ist derzeitiger Präsident der Deutschen Bundesbank.

(Foto: Getty Images; Per-Anders Pettersson)

Angesichts des Brexits stellt sich allerdings die Frage, ob die Europäer einen Briten nach Washington senden würden. Während Osborne seine guten Beziehungen zu Amerikanern und Chinesen anführen kann, könnte Weidmann vor allem mit Fachkompetenz punkten.

Der Bundesbank-Präsident weiß, wie Finanzmärkte ticken, und hat im EZB-Rat die Euro-Krise miterlebt. Nach über acht Jahren als Bundesbank-Chef verfügt auch er über ein enges globales Netzwerk. Selbst die SPD hätte ein Interesse an einem Wechsel Weidmanns. Innerhalb der Bundesregierung besteht die Abmachung, dass die Sozialdemokraten in diesem Fall den Nachfolger bestimmen dürften.

Neben Weidmann käme aus Deutschland auch Klaus Regling infrage, der den Europäischen Rettungsschirm, quasi den kleinen IWF-Bruder aus Europa, leitet. Reglings Vorteil: Er macht bereits eine ähnliche Aufgabe. Zudem würde nicht noch ein zusätzlicher Deutscher in eine internationale Top-Position kommen.

Würde Weidmann IWF-Chef und ein Euro-Land müsste gerettet werden, säßen mit von der Leyen, Weidmann und Regling gleich drei Deutsche am Verhandlungstisch – eine abschreckende Vorstellung für andere Europäer. Beim IWF gelten beide Deutschen als nicht besonders aussichtsreich.

Verschiedene Personalien im Gespräch

Weidmann wird als wirtschaftspolitisch zu rigide betrachtet, Regling mit 68 Jahren schlicht als zu alt gesehen. Bessere Chancen werden dem Chef der Bank of England, Mark Carney, eingeräumt. Der will sein Amt im Januar 2020 abgeben und ist in der Finanzwelt hochangesehen. Gegen ihn spricht, dass er Kanadier ist, auch wenn er zusätzlich die britische und irische Staatsbürgerschaft besitzt.

Rehn war einst EU-Währungskommissar. Quelle: Reuters
Olli Rehn

Rehn war einst EU-Währungskommissar.

(Foto: Reuters)

Weiterer Kandidat ist der scheidende EZB-Präsident Mario Draghi. Nachdem er in Frankfurt jahrelang unabhängig agiert hat, wäre der Posten in Washington eine große Umstellung: Beim IWF reden viele Regierungen mit. Vor allem müsste er sich mit dem von ihm nicht sonderlich geschätzten US-Präsidenten Donald Trump auseinandersetzen.

Es ist fraglich, ob der 71-Jährige den Posten überhaupt will. Im Gespräch sind auch die Finnen Olli Rehn und Errki Liikanen. Der frühere EU-Währungskommissar und der langjährige Präsident der finnischen Zentralbank waren wie Weidmann beim Poker um den EZB-Vorsitz leer ausgegangen.

Es könnte aber auch ganz anders kommen – wenn sich die Schwellenländer zusammenschließen. Experten würden das begrüßen. „Mit Lagardes Abgang sollte die EU endlich ihren Daueranspruch auf die IWF-Führung aufgeben“, fordert der Politologe und Mitgründer des Berliner Global Public Policy Institute, Thorsten Benner. Auch Nicolas Véron, Ökonom beim Brüsseler Thinktank Bruegel, sprach sich dafür aus, einen Nichteuropäer zu ernennen.

Als hochqualifiziert gilt etwa der indische Ökonom Raghuram Rajan. Den IWF kennt der 56-Jährige aus unmittelbarer Nähe, von 2003 bis 2006 war er dessen Chefvolkswirt. Als indischer Notenbankchef bekam er 2013 bis 2016 direkte Einblicke in die finanziellen Nöte von Schwellenländern. Und ökonomisch sattelfest ist der Professor an der University of Chicago ohnehin.

r Europäischen Zentralbank in Frankfurt am Main (Hessen). Foto: B Quelle: dpa
Mario Draghi

Wechselt er von der EZB zum IWF?

(Foto: dpa)

Weitere nichteuropäische Namen sind der Amerikaner Mohamed El-Erian, Chefberater der Allianz, und Agustin Carstens, Chef der Bank für internationalen Zahlungsausgleich. Auch der Chef der Zentralbank von Singapur, Tharman Shanmugaratnam, wird genannt. Er leitete früher den IWF-Finanzausschuss.

Entscheidend wird am Ende die unberechenbare Regierung von US-Präsident Trump sein. Die Amerikaner haben die meisten Stimmrechte im Fonds – und könnten, trotz aller transatlantischer Spannungen, noch einmal geneigt sein, einen Europäer zu wählen. Schließlich haben die Europäer gerade erst dem Amerikaner David Malpass zum Chefposten bei der Weltbank verholfen.

Mehr: Christine Lagarde könnte die nächste EZB-Chefin werden. Obwohl sie weder Ökonomin noch Zentralbankerin ist, bringt sie wertvolle Fähigkeiten für den potenziellen neuen Posten mit.

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