Währungskrise Venezuela erhöht vor Währungsreform den Mindestlohn

Venezuela befindet sich in einer schweren Wirtschaftskrise. Kurz vor einer Währungsreform hat das Land nun die Löhne für Arbeitnehmer erhöht.
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Der Präsident Venezuelas will weitere Schritte unternehmen, um das Haushaltsdefizit anzugehen. Quelle: AFP
Nicolás Maduro

Der Präsident Venezuelas will weitere Schritte unternehmen, um das Haushaltsdefizit anzugehen.

(Foto: AFP)

Caracas Kurz vor einer angekündigten Währungsreform hat der venezolanische Präsident Nicolás Maduro die Löhne für Arbeitnehmer in seinem inflationsgeplagten Land erhöht. Der neue Mindestlohn werde monatlich 1800 Bolivar in jenen Banknoten betragen, die ab Montag ausgegeben werden sollten, sagte Maduro am Freitag (Ortszeit) in einer Fernsehansprache. Zugleich versprach er der Industrie und kleinen Unternehmen Hilfe bei der Bewältigung der dadurch entstehenden Kosten.

Venezuela sitzt auf den größten Ölvorkommen weltweit, steckt aber seit fünf Jahren in einer Wirtschaftskrise, die durch eine rasende Geldentwertung gekennzeichnet ist. Ende Juli hatte der Internationale Währungsfonds vor einer Inflation in Höhe von mehr als einer Million Prozent in diesem Jahr in Venezuela gewarnt und die Zustände mit jenen in der Weimarer Republik nach dem Ersten Weltkrieg verglichen. Die Ölförderung ist so stark zurückgegangen, wie seit den 1940er Jahren nicht. Lebensmittel und Medikamente sind knapp, Stromausfälle an der Tagesordnung. Bürger wandern ab.

Die von Maduro angekündigte Mindestlohnerhöhung ist bereits die fünfte in diesem Jahr. Sie entspricht einer Zunahme von 3500 Prozent gegenüber dem aktuellen Mindestlohn von gut fünf Millionen Bolivar. Das sind aber noch immer nur rund 30 Dollar auf dem viel genutzten Schwarzmarkt. Ab Montag sollen, wie bereits vor einiger Zeit angekündigt, die Geldscheine fünf Nullen weniger haben, um gegen die Hyperinflation anzukämpfen.

Maduro sagte, er habe die Mehrwertsteuer auf 16 Prozent erhöht und werde weitere Schritte unternehmen, um das Haushaltsdefizit von etwa 20 Prozent des Bruttoinlandsprodukts anzugehen.

Zugleich äußerte er sich zu der schon im Februar angekündigten Kryptowährung Petro. Löhne, Renten und Preise würden an den Petro gekoppelt, sagte Maduro. Ein Petro werde 60 Dollar kosten. Das bedeutet, dass ein Dollar dann sechs Millionen Bolivar der derzeitig noch gültigen Währung wert ist. Offiziell liegt der Umtauschsatz gegenwärtig bei 248.832 Bolivar für einen Dollar. Als Ziel nannte Maduro einen einheitlichen Umtauschsatz.

Wirtschaftsexperten rechneten mit weiterem finanziellen Durcheinander. Für Verbraucher und private Unternehmen würden die kommenden Tage sehr verwirrend, sagte Asdrubal Oliveros von der regierungskritischen Denkfabrik Ecoanalítica in Caracas. „Das ist ein chaotisches Szenario.“ Maduros Haushaltspläne seien bewundernswert, aber illusorisch, solange die Regierung einfach Geldscheine drucke, um ihre Ausgaben und die Lohnerhöhungen zu finanzieren.

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