Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Wahl in Australien Grillparty der Klimasünder – In Australien triumphiert das Mitte-Rechts-Bündnis

Überraschend konnte Scott Morrison sein Amt behaupten und führt Australien weiterhin als Premierminister. Ein Umdenken im Klimaschutz wird es nicht geben.
Kommentieren
Der amtierende Ministerpräsident wurde wiedergewählt. Quelle: dpa
Scott Morrison bei einem Rugby-Spiel

Der amtierende Ministerpräsident wurde wiedergewählt.

(Foto: dpa)

CanberraDie Welt brennt. Und Australien entscheidet sich für eine Grillparty. Nur Tage, nachdem die UNO vor dem Aussterben von einer Million Tier- und Pflanzenarten gewarnt hatte, nach Jahren wissenschaftlicher Warnungen vor einem Armageddon für den Fall, dass die globale Erwärmung nicht bei 1,5 Grad gestoppt werden kann. Da wählt das Land mit den rekordhohen Klimaemissionen eine Regierung wieder, die dem Status Quo verpflichtet ist, dem Nichtstun. Und der Kohleindustrie.

Es ist Australiens Trump- und Brexit-Moment: Noch Stunden vor dem Urnengang hatten die Meinungsumfragen einen Sieg der oppositionellen Laborpartei signalisiert. Deren Chef Bill Shorten hatte versprochen, die Klimakrise endlich ernst zu nehmen – nach Jahren steigender Klimagasemissionen unter den Konservativen. Höhere CO2-Reduktionsziele, die Förderung erneuerbarer Energien, Elektrofahrzeuge.

Doch die vermeintliche „Klimawahl“ wurde für die Laborpartei zu einer Klimakatastrophe. Im ohnehin konservativen Bundesstaat Queensland, dem „Bayern Australiens“, legte die liberal-konservative Koalition von Premierminister Scott Morrison deutlich zu.

Regierungspolitiker profitierten nicht zuletzt von den Zweitstimmen ultra-rechter Kleinparteien, die das Problem des Klimawandels als „linke und grüne“ Verschwörung abtun – parallel zu Übervölkerungspanik und Rassismus.

Dabei ist Australien schon heute von den Folgen der globalen Erwärmung betroffen wie kein anderes Industrieland: zerstörerische Wirbelstürme, unaufhaltbare Waldbrände, tödliche Dürren, Fluten. Jeder sieht es, der es sehen will. Die Erfahrung der australischen Laborpartei sollte ein Lehrstück sein für alle Politiker.

Viel Kritik wird sich gegen Bill Shortens Kommunikationsstil richten. Der ehemalige Gewerkschaftsführer hatte Klimaschutz primär als moralische Aufgabe dargestellt und praktisch nie als die große wirtschaftliche Chance, die er bietet: neue Industrien, qualitativ hochwertige Jobs, Nahrungsmittel- und Wassersicherheit.

Und eine weiterhin lebenswerte und attraktive Umwelt in einem Land, das mit Tourismus jährlich Milliarden von Exportdollars einnimmt und damit fast eine Million Menschen beschäftigt – deutlich mehr als der Bergbausektor.

Premierminister Scott Morrison dagegen, früher ein Marketingmanager, schaffte es – kräftig unterstützt von den schamlos parteiischen Medien seines Freundes Rupert Murdoch –, die Bevölkerung über eine bewährte Mischung aus Angst vor staatlicher Intervention und Warnung vor persönlichen Kosten zu verunsichern.

Australien gilt für viele Deutsche als Traumland schlechthin. Es lebt vom Image, „grün und sauber“ zu sein. Das Gegenteil ist der Fall. Das Great Barrier Riff ist als Folge von Klimawandel und Wasserverschmutzung dem Tode nah. Wälder fallen zum Teil schneller als im Amazonas. Wegen der Abhängigkeit von Kohlestrom gehört das Land pro Kopf zu den höchsten C02-Emittenten der westlichen Welt.

Doch Morrison will die Emissionen bis 2030 im Vergleich zu 2005 nur um 26 Prozent reduzieren. Das sei nicht einmal genug, um die Pariser Klimaziele einhalten zu können, warnen Wissenschaftler.

Sein Argument: Australien sei schließlich nur für 1,6 Prozent der globalen Emissionen verantwortlich. Dabei vergisst er, dass das Land seit Jahrzehnten einen beachtlichen Teil seines Wohlstandes mit dem Export des erwiesenen Klimakillers Kohle generiert.

Das wird auch so bleiben. Denn im Morrison-Kabinett dominieren Klimawandel-Leugner, viele mit engen Verbindungen zur Kohleindustrie. Ein weites Netz von Lobbyisten, Medien und Politikern arbeite offen und verdeckt, um Politiker und Bevölkerung von der Bedeutung des Brennstoffs für das Wohl der Nation zu überzeugen, so jüngste Enthüllungen. Sogar Morrison kam mit einem Klumpen Kohle in der Hand ins Parlament, um dem Volk zu zeigen, wie „harmlos“ der Rohstoff sei.

Das Wahlergebnis in Australien könnte langfristig Konsequenzen haben für die Welt, die sich zwar langsam, aber stetig in Richtung Nachhaltigkeit entwickelt. Denn die Regierung wird den Sieg als Mandat sehen, um Pläne für den Bau einer gigantischen Kohlemine im Norden des Kontinents voranzutreiben.

Der Brennstoff aus diesem Projekt allein, wenn in Vollproduktion, wird pro Jahr mehr CO2-Emissionen in die Atmosphäre pumpen, als so manches Land produziert. Mindestens fünf weitere Minen sind geplant.

Kritiker meinten am Sonntag, nur Druck der internationalen Gemeinschaft könne Australien jetzt noch davon abhalten, die Welt mit billiger Kohle zu überfluten. Europa hält die vielleicht einzige Trumpfkarte in der Hand: ein möglicher Freihandelsvertrag mit der EU. Nur die Angst vor einem Veto in Brüssel hat Morrison bisher davon abgehalten, das Pariser Klimaabkommen zu kündigen.

Brexit 2019
Startseite

Mehr zu: Wahl in Australien - Grillparty der Klimasünder – In Australien triumphiert das Mitte-Rechts-Bündnis

0 Kommentare zu "Wahl in Australien: Grillparty der Klimasünder – In Australien triumphiert das Mitte-Rechts-Bündnis"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote