Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Wahlbeeinflussung EU-Kommission rüstet vor Europawahl Taskforce gegen Hacker und Trolle auf

Europa investiert in den Kampf gegen Online-Angriffe auf die Wahl des EU-Parlaments. Ganz vorn bei der Aufrüstung dabei: die Bundesregierung.
Kommentieren
Geheimdienstlich gesteuerte Hacker-Gruppen aus Russland wie APT28 sind noch immer aktiv. Quelle: Moment Open/Getty Images
Cyberattacken

Geheimdienstlich gesteuerte Hacker-Gruppen aus Russland wie APT28 sind noch immer aktiv.

(Foto: Moment Open/Getty Images)

Berlin, BrüsselMoskaus Propagandamaschine läuft auf Hochtouren. Dass die russische Küstenwache vor der Halbinsel Krim in der Straße von Kertsch drei ukrainische Marineschiffe beschossen und festgesetzt hat, stellen Staatsmedien wie RT und Sputnik als „unverantwortliche Provokation“ der Ukraine dar, die von den USA gesteuert sei. Computergesteuerte Nutzerprofile, sogenannte Bots, verbreiten diese Version auch auf Deutsch massenhaft im Netz.

Zur Mäßigung aufrufende Stimmen aus der Bundesregierung finden viel weniger Aufmerksamkeit. Die EU-Staaten beobachten die Machenschaften mit Sorge, zumal Russland immer wieder versucht, derart Einfluss auf Wahlen in Europa zu nehmen. Die Staats- und Regierungschefs haben die EU-Kommission und den Auswärtigen Dienst daher beauftragt, eine Gegenstrategie zu erarbeiten.

Wie das Handelsblatt aus EU-Kreisen erfuhr, soll die East Strat Com Taskforce im Auswärtigen Dienst der EU mehr Geld und Mitarbeiter bekommen. Die Taskforce beobachtet und bewertet die russische Kampagne von Brüssel aus.

Sie versucht, in ihrer „Disinformation Review“ mit Fakten und Argumenten gegenzuhalten. Derzeit besteht die Truppe aus 15 Personen, mittelfristig will Brüssel die Taskforce auf 50 Mitarbeiter vergrößern. Im Vorfeld der Europawahl steigen die Mittel von derzeit 1,9 Millionen Euro auf fünf Millionen. Zudem soll die Taskforce über ein Frühwarnsystem eng mit den Stellen in den Mitgliedstaaten verbunden werden. Die Pläne sollen Mitte der Woche vorgestellt werden.

Verglichen mit dem Apparat Moskaus, wirken diese Zahlen freilich immer noch winzig. RT und Sputnik senden mit Milliardenbudget, die Internet-Trollfabrik in Sankt Petersburg beschäftigt rund 1000 Mitarbeiter. Der Vize-Präsident der EU-Kommission, Andrus Ansip, fordert daher auch größere Anstrengungen der nationalen Regierungen: „Wir können das nicht allein von Brüssel aus machen, die Koordinierung mit den Mitgliedstaaten ist extrem wichtig“, sagt er.

Die Bundesregierung arbeitet bereits verstärkt daran. Im Jahr 2016 gründete das Auswärtige Amt die Abteilung „Strategische Kommunikation“, die laut den Plänen der Bundesregierung weiter aufgestockt werden soll. Seit Oktober ist nach Informationen des Handelsblatts ein Social-Media-Tool im Einsatz, das die sozialen Netzwerke beobachtet. So soll bei Bedarf Falschinformationen entgegengewirkt werden.

Die Verantwortlichen sorgt vor allem die anstehende Europawahl. Diese könnte zur Richtungswahl zwischen proeuropäischen und nationalistischen Kräften werden. Sollten EU-kritische Parteien noch erheblich mehr Sitze im Europaparlament erobern, stünde die Handlungsfähigkeit der EU infrage.

Moskau unterhält enge Verbindungen zu nationalistischen Kräften in Europa, etwa zum Rassemblement National von Marine Le Pen in Frankreich oder zur österreichischen FPÖ, und es hat ein Interesse an der Schwächung der Europäischen Union. Dass die Angst vor Einflussnahme begründet ist, zeigen vergangene Wahlen in den USA, Frankreich und Großbritannien.

Sicherheitsagentur rechnet mit Angriffen zur Europawahl

Zu ähnlichen Vorfällen könnte es bei der europaweiten Abstimmung kommen. „Natürlich müssen wir mit Hackerangriffen im Rahmen der Europawahlen rechnen“, sagt der Präsident der EU-Cybersicherheitsagentur Enisa, Udo Helmbrecht. Geheimdienstlich gesteuerte Hacker-Gruppen aus Russland wie APT28 seien noch immer aktiv, denkbar seien auch Angriffe aus anderen Ländern: „Generell leben wir heute in einer Zeit, in der wir uns mit staatlich gestützter Computerkriminalität auseinandersetzen müssen“, warnt Helmbrecht.

Wichtig sei deshalb, dass derjenige, der einen Angriff entdecke, schnell die entsprechenden Stellen informiere. Die Schutzmaßnahmen seien ohnehin unabhängig vom Angreifer, so Helmbrecht. „Jeder Politiker muss in seinem Wahlkreis seine IT-Infrastruktur sichern“, fordert er.

Auch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) bereitet sich gezielt auf die anstehende Europawahl vor und arbeitet etwa an der Härtung der IT-Systeme. „Einige Parteien haben uns zudem schon angesprochen, sie zur IT-Sicherheit zu beraten“, sagt BSI-Chef Arne Schönbohm. Er hält die Gefahr aber für geringer als bei nationalen Urnengängen. Eine gezielte Manipulation sei allein schon wegen der verschiedenen Sprachen sehr komplex, sagt er. „Auch das Hacken von E-Mail-Konten oder Wahlleitungen ist sehr aufwendig, denn die IT-Infrastruktur ist in jedem Land anders.“

Die EU-Kommission aber fürchtet, dass dies potente Angreifer nicht abschrecken wird. Die Behörde hat eine Reihe von Maßnahmen auf den Weg gebracht, um die Europawahl und den Wahlkampf zu schützen. So sollen die nationalen Cybersicherheitsbehörden einander schnell über Attacken informieren. Die Parteien sollen offenlegen müssen, wer hinter einer Wahlwerbung im Internet steht und woher die Mittel dafür kommen.

Das Wichtigste aber sei ein gesundes Misstrauen der Bürger gegenüber im Netz verbreiteten Informationen, findet Kommissionsvize Ansip: „Wenn die bösen Jungs technische Mittel einsetzen, sollten wir auch unseren gesunden Menschenverstand nutzen.“

Brexit 2019
Startseite

Mehr zu: Wahlbeeinflussung - EU-Kommission rüstet vor Europawahl Taskforce gegen Hacker und Trolle auf

0 Kommentare zu "Wahlbeeinflussung: EU-Kommission rüstet vor Europawahl Taskforce gegen Hacker und Trolle auf"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote