Wahlen in Frankreich Streit der Linken katapultiert Le Pen nach vorne

Frankreich braucht einen Nachfolger für Francois Hollande. Während die französischen Sozialisten ihren Kandidaten suchen, setzt die rechtsextreme Marine Le Pen sich in Umfragen an die Spitze der Präsidentschaftskandidaten.
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Nach der jüngsten Umfrage verbesserte Le Pen ihr Ergebnis aus dem ersten Wahlgang 2012 um rund fünf Prozentpunkte. Quelle: AFP
Marine Le Pen

Nach der jüngsten Umfrage verbesserte Le Pen ihr Ergebnis aus dem ersten Wahlgang 2012 um rund fünf Prozentpunkte.

(Foto: AFP)

ParisWer wird bei der nächsten Präsidentschaftswahl in Frankreich François Hollandes Sozialisten beerben und die linke Mitte anführen? Der Linksaußen Jean-Luc Mélenchon, die Sozialisten selber, die ihren Kandidaten noch wählen, und der Linksliberale Emmanuel Macron streiten sich um diese Hinterlassenschaft. Drei TV-Debatten zur besten Sendezeit haben die Chancen der Sozialistischen Partei (PS) bei der Präsidentschaftswahl Ende April und Anfang Mai nicht verbessert. Egal, wer von den sieben Kandidaten für die PS antreten wird: Er kann nur auf sieben bis zehn Prozent der Wähler im ersten Wahlgang hoffen. Ganz vorne liegt in den Umfragen derzeit die rechtsradikale Marine Le Pen, der 25 bis 27 Prozent zugebilligt werden.

Die Rechtspopulistin wäre damit haushoch für die Entscheidung zwischen den beiden bestplatzierten Kandidaten qualifiziert, die am 7. Mai fallen wird. Nach der jüngsten Umfrage verbesserte Le Pen ihr Ergebnis aus dem ersten Wahlgang 2012 um rund fünf Prozentpunkte. „Ich wiederhole es wie ein Prediger in der Wüste: Le Pen kann die Wahl gewinnen!“, erregt sich der Parteichef der PS, Jean-Christophe Cambadelis. Es sei wie immer in Frankreich: „Paris schmort im eigenen Saft und bekommt überhaupt nicht mit, wie viel Wut sich in der Provinz aufgestaut hat.“

Hollandes Erben kämpfen um Präsidentschafts-Kandidatur
Manuel Valls
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Der 54 Jahre Ex-Premierminister ist nach dem Rückzug Hollandes in einer Favoritenrolle. Sein Problem: Der zum rechten Flügel seiner Partei gehörende Sozialist muss die im Land wenig geschätzte Regierungsarbeit der vergangenen Jahre verteidigen. Seine Wahlkampfauftritte sind schlecht besucht. Umfragen sehen ihn in der ersten Vorwahlrunde am 22. Januar zwar deutlich vorne, sein Sieg im Finale eine Woche später ist demnach jedoch ungewiss.

Arnaud Montebourg
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Der ebenfalls 54 Jahre alte Ex-Wirtschaftsminister zählt zum linken Flügel der Partei. Er war 2014 nach Kritik an der Sparpolitik aus der Regierung geflogen - und könnte nun Valls gefährlich werden.

Benoit Hamon
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Der 49 Jahre alte frühere Erziehungsminister gilt als besonders radikal und sieht sich im Aufwind. Er tritt für ein Grundeinkommen ein, das langfristig 750 Euro erreichen könnte.

Vincent Peillon
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Der 56-Jährige war auch Erziehungsminister, ist aber weniger bekannt als seine drei Konkurrenten aus der Parti Socialiste (PS).

Sylvia Pinel
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Weitere offizielle Kandidaten der Vorwahl sind: Sylvia Pinel von der Parti Radical de Gauche (PRG), Jean-Luc Bennahmias von der Front Democrate und Francois de Rugy (Ökologische Partei). Sie haben nach Einschätzung politischer Kommentatoren keine Chancen, eine maßgebliche Rolle zu spielen.

Emmanuel Macron
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Der 39 Jahre alte frühere Wirtschaftsminister gründete seine eigene politische Bewegung, die er „weder rechts noch links“ positionierte. Der Ex-Investmentbanker gilt als ein Star des Wahlkampfs und lockt bei Auftritten Tausende Anhänger an - auch in der tiefsten Provinz. Umfragen sehen ihn bei der Präsidentenwahl im April bereits als „dritten Mann“ - hinter dem Konservativen François Fillon und der Rechtspopulistin Marine Le Pen.

Jean-Luc Melenchon
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Der 65-Jährige vertritt seine Bewegung „France insoumise“ (Nicht unterdrücktes Frankreich) und wird von der kommunistischen Partei PCF unterstützt. Der redegewandte Linkenführer ist ein harter Kritiker der deutschen Sparpolitik. Ihm werden in der ersten Runde der Präsidentenwahl bis zu 12 oder 13 Prozent der Stimmen zugetraut.

Le Pen profitiert von der Schwäche des bisherigen Favoriten François Fillon, der aktuell nur noch auf 23 bis 25 Prozent kommt. Dessen konservatives Lager zerstreitet sich: Die einen stehen hinter Fillons Programm, der unter anderem 500.000 Beamtenstellen abbauen will. Die anderen halten das für zu hart und glauben, es verschrecke viele Wähler. Am Montag fliegt Fillon nach Berlin, trifft sich mit der Kanzlerin, mit Wolfgang Schäuble und Ursula von der Leyen. Fillon will zeigen, dass er Frankreich am besten in Europa und in der Welt vertreten kann. Die CDU aber hat auch ein eigenes Interesse an dem Besuch: Sie will Fillon stützen, ihm aber auch klarmachen, dass es bei dem klaren Kurs gegen Wladimir Putin bleiben muss, den Angela Merkel gemeinsam mit Hollande verfolgt hat. In der jüngsten Vergangenheit hat Fillon sich zum Fürsprecher Russlands gemacht – nach dem Geschmack der CDU ein wenig zu viel.

Dicht dahinter folgt der Newcomer Emmanuel Macron, dem je nachdem, wer die Sozialisten vertritt, zwischen 17 und 20 Prozent der Stimmen im ersten Wahlgang zugerechnet werden. Das ist hervorragend für jemanden, der von den Sozialisten bis vor kurzem noch als „schnell verglühender Komet“ oder „Blase“ verspottet wurde – aber noch nicht genug, um sich für die Stichwahl zu qualifizieren.

Macron hat schon stark im Lager der Sozialisten gewildert, aber er muss noch mehr von deren Wählern überzeugen und zugleich Stimmen von Fillon und Le Pen abziehen, wenn er eine echte Chance haben will. Das ist schwer, vor allem weil er gleichzeitig seine politische Botschaft klären und seine Vorschläge präzisieren muss. Je deutlicher er aber wird, desto eher können sich Sympathisanten von links oder rechts abgestoßen fühlen. Zudem fehlt ihm Kompetenz bei den Themen Außenpolitik, Sicherheit, Kampf gegen den Terrorismus und Verteidigung. Sein Sprecher Benjamin Griveaux will das nicht wahrhaben: „Die Franzosen sehen ihn als besten denkbaren Präsidenten an, das schließt Themen wie die Sicherheit ein.“ Tatsächlich bezeichnet ihn eine Mehrheit der Wähler als ihren Lieblingskandidaten – doch die konkrete Wahlabsicht spricht dann eine andere Sprache.

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12 Kommentare zu "Wahlen in Frankreich: Streit der Linken katapultiert Le Pen nach vorne"

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  • Nampf, Gigl, Hoffmann...wenn man Fr. Merkel und die Qualitätsmedien als die politische Mitte betrachtet.....

    sind fast alle Mitmenschen, Oppositionsparteien, ausländischen Parteien rechtsextrem, bzw. weniger destruktiv.

  • @Franz Giegl
    Die schlimmsten Nazi Methoden wenden momentan die linksradikalen von der Antifa an. Gesinnungsterror pur ist es, das von den Antifa der Grünen und Linken Radikalen ausgesondert wird. Bist Du nicht der Meinung der Grün-Linken Gesinnung von Mulit-Kulti, Energiewende, Gender, CO2 freie Gesellschaft....wirst Du nieder gebrüllt und wirst als Nazi abgestempelt. Das ist Deutschland im Jahr 2017!

  • @Mark Hoffmann
    "Das bestreite ich ja auch gar nicht, dass der Nationalsozialismus eine Linksextreme Gesinnung war die unsere Deutsche Nation in politische Geislhaft genommen hat."

    Diesen Satz können nicht mal Sie ernst meinen.

  • wieso wird Frau Le Pen hier als rechtsextrem betitelt?
    Hat sie vor einer Kneipe mal gezielt Ausländer (Deutsche, Spanier etc.) mit Schlägen traktiert?

    Solche kenn ich zu genüge, ganz schlimme Nazis. Wer momentan ein Ausländer im Ausland ist, sollte sich im Inland nicht mehr sicher fühlen. Überall Nazis, echt schlimm, ich krieg kein Auge mehr zu Nachts.

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  • Die sogenannte "liberale Elite" hat sich in den vergangenen Jahren unbemerkt überall ausgebreitet und sich immer mehr daran gewöhnt, zu glauben, dass sie das alleinige Recht auf eine Meinung hat. Jetzt, da ihnen auf Grund der aktuellen Migrationsproblematik rauher Wind entgegenbläst, schlagen sie kopflos um sich und beschimpfen jeden, der nicht ihre Absichten teilt, als Pack, als zurückgeblieben, als abgehängt, als bildungsfern oder als Feind des Grundgesetzes. Allerdings sind die meisten ihrer Gegner gebildet und selbstbewusst und lassen sich weder einschüchtern, noch für dumm verkaufen. Die fetten Jahre der Gutmenschen-Hedonie sind vorbei, denn das Volk lässt sich nicht mehr durch Beschimpfung mundtot machen.

  • Der Artikel ist sehr erfrischend und sagt mehr über die Geisteshaltung des Autors als über die französische Politik aus.

    Macron hat, was man seltsamerweise nicht im Artikel lesen kann, Fr. Merkels "Flüchtlings-"/Umvolkungs- politik offen gelobt und unterstützt.

    Damit ist der Satz: " Macron hat schon stark im Lager der Sozialisten gewildert, aber er muss noch mehr von deren Wählern überzeugen und zugleich Stimmen von Fillon und Le Pen abziehen, wenn er eine echte Chance haben will" erfrischend.

    Soweit mir bekannt wird die Einwanderung/Umvolkung in Frankreich weniger geschätzt als in Deutschland. Es erscheint mir völlig abwegig das Macron Le Pen Wähler von sich begeistern kann.

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