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Wahlkampf in Australien Wie Australiens Medien einen linken Regierungschef verhindern wollten

Das Medien-Imperium von Rupert Murdoch hat alles getan, um Bill Shorten als Regierungschef in Australien zu verhindern. Aber eine seiner Zeitungen ging dabei zu weit.
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Die Labour-Partei führt in den Umfragen. Quelle: AFP
Bill Shorten in Sidney

Die Labour-Partei führt in den Umfragen.

(Foto: AFP)

SidneyBill Shorten ist ein mutiger Mann. Er will Premierminister Australiens werden und könnte eine wohlgesonnene Presse darum gut gebrauchen. Dennoch schlug er eine Einladung von Rupert Murdoch aus. Der in Australien geborene Murdoch ist der mächtigste Medienmogul der Welt, sein Imperium rund um die News Corporation und den Sender SkyTV kontrolliert 70 Prozent der australischen Druckmedien. „Ich spreche mit den australischen Vertretern von News Corporation, so wie ich mit den lokalen Vertretern des Staatsenders ABC spreche“, meinte Shorten schnippisch.

Die Absage sei „nichts Persönliches“, fügte Shorten hinzu. Das mag für ihn stimmen. Für Murdoch stimmt es sicher nicht. Er rächt sich mit einer Negativ-Schlagzeile nach der anderen. Die Journalisten der News Corporation zelebrieren die Pläne von Premierminister Scott Morrison und seiner konservativen Regierung. Gegen Shortens Labour-Partei wettern sie mit eskalierender Hysterie.

Sie warnen vor einer wirtschaftlichen Apokalypse, wenn der ehemalige Gewerkschaftschef nach der Wahl am Samstag die Macht übernehme, vor dem Kollaps der Kohleindustrie, weil Shorten stärkeren Klimaschutz plant, vor „neuen Steuern“, die ganze Familien in den Ruin treiben würden, und vor einer „Überflutung“ des Landes mit Bootsflüchtlingen, weil „Labor die Grenzen öffnen“ werde. Das sind aus der Luft gegriffene Behauptungen, wie jeder feststellen kann, der sich die Mühe macht, die Pläne der Opposition zu lesen.

Selbst wenn Bill Shorten in New York mit dem 88-jährigen Murdoch Brot gebrochen hätte, wäre Labor wohl ins Schussfeld der News Corporation geraten. Die Unterwanderung des demokratischen Wahlprozesses in Australien ist Tradition für den ultrakonservativen Medienzaren.

Das hat auch der frühere Labor-Premierminister Kevin Rudd erfahren. Nach Monaten negativer Schlagzeilen und falscher Behauptungen druckte der Daily Telegraph in Sydney 2013 ein Bild Kevin Rudds auf der Titelseite und darunter die Aufforderung an die Stimmbürger: „Schickt dieses Pack zum Teufel.“

Stattdessen solle Australien den ultrakonservativen Tony Abbott zum Premier machen – „Australien braucht Tony“, hieß es auf einer anderen Titelseite. Das verfehlte seine Wirkung nicht. Abbott, Murdochs ideologischer Verbündeter, übernahm das Zepter in Canberra.

Als erstes schaffte der Klimawandelskeptiker ein Emissionshandelssystem ab – wie es Murdochs Kolumnisten vor der Wahl gefordert hatten. Die Verteufelung erneuerbarer Energien zu Gunsten des Brennstoffs Kohle gehört zur ideologischen Kernaufgabe. „Murdoch ist ein Krebs an der Demokratie“, meinte jüngst Kevin Rudd. Rudd kämpft seit Jahren gegen das Quasi-Monopol der News Corporation.

Seit vergangener Woche wächst die Kritik an Murdoch ausgerechnet in den eigenen Reihen. Spitzenkandidat Shorten hatte in einer Fernsehdebatte von seiner „Mutti“ gesprochen, „die für mich auf so viel verzichtet hat“. Dass seine Mutter später Jura studierte und Anwältin wurde, erwähnte Shorten nicht.

Der Daily Telegraph, ein Murdoch-Blatt, machte Shorten deswegen schwere Vorwürfe – und ging damit zu weit. Den Tränen nahe sprach der Labour-Chef von „einem neuen Tief“, auf das der Telegraph gesunken sei. Ein Beobachter sprach „vom größten Rohrkrepierer der jüngsten Mediengeschichte“. Denn die Sympathiewerte für Shorten stiegen, anstatt zu fallen.

Immer mehr ehemalige und aktuelle Mitarbeiter der News Corporation äußerten sich nun über die Zustände im Konzern. Rick Morton, Redakteur beim nationalen Blatt „The Australien“ kritisierte, dass Artikel ohne die Zustimmung der Autoren politisch „ausgerichtet“ und Schlagzeigen so formuliert würden, dass sie „eine bestimmte Meinung“ widerspiegelten. Die „Verrücktheit“ bei seiner Zeitung habe in den letzten Monaten deutlich zugenommen, sagte der Journalist vor Studenten.

Laut dem Medienwissenschaftler und ehemaligen Murdoch-Angestellten Peter Fray ist der Einfluss Murdochs auf seine Zeitungen nicht direkt. „Er stellt aber nur Chefredakteure ein, die genau wissen, was von ihnen erwartet wird“, sagte er dem Handelsblatt.

Mancher in Australien hofft darauf, dass die Murdoch-Titel weniger aggressiv werden, wenn Rupert Murdoch die Geschäfte eines Tages an seinen Sohn Lachlan übergibt. Der ehemaligen News-Corporation- Chefredakteur Chris Mitchell teilt diese Hoffnung nicht. „Lachlans konservative Haltung ist noch ausgeprägter, als die des konservativsten australischen Politikers“, sagt er.

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