Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Wahlverschiebung wegen Boko Haram Terrormiliz bringt Nigeria zum Einknicken

Die Islamisten wollen ein normales Leben in dem Land unmöglich machen – und Boko Haram scheint damit in Nigeria Erfolg zu haben: Weil die Sicherheit nicht gewährleistet werden kann, werden die Wahlen verschoben.
Kommentieren
Die Nigerianer wollen sich von Boko Haram nicht diktieren lassen, ob und wann sie zu wählen haben – und demonstrieren gegen die Wahlverschiebung. Quelle: AFP
Wut auf Abujas Straßen

Die Nigerianer wollen sich von Boko Haram nicht diktieren lassen, ob und wann sie zu wählen haben – und demonstrieren gegen die Wahlverschiebung.

(Foto: AFP)

Abuja Wegen des gewaltsamen Vormarsches der Islamistenmiliz Boko Haram sind die Präsidentschafts- und Parlamentswahlen in Nigeria verschoben worden. Statt wie geplant am kommenden Samstag sollen sie nun am 28. März stattfinden, wie die Wahlkommission am Wochenende mitteilte. Experten bezweifelten allerdings, dass die Islamisten innerhalb von sechs Wochen besiegt werden können. Nigeria und seine Nachbarländer beschlossen derweil die Bildung einer 8700 Mann starken Eingreiftruppe.

Das Militär brauche mehr Zeit, um von Boko Haram kontrollierte Gebiete zu sichern, erklärte Wahlkommissionschef Attahiru Jega zur Begründung für die Verschiebung des Urnengangs. Die Sicherheit der Wähler, Wahlbeobachter und -helfer könne derzeit nicht garantiert werden. Auch die Gouverneurswahlen wurden verschoben, sie sollen nun am 11. April stattfinden. Die Extremisten von Boko Haram kontrollieren inzwischen weite Teile des Nordosten Nigerias. In drei Bundesstaaten wäre es daher für hunderttausende Wähler unmöglich, ihre Stimme abzugeben.

Bei dem Urnengang hofft Präsident Goodluck Jonathan auf ein Mandat für eine zweite Amtszeit; insgesamt bewerben sich 14 Kandidaten für das Präsidentenamt. Der nationale Sicherheitsberater Sambo Dasuki hatte bereits am 22. Januar eine Verschiebung der Wahl um „mindestens sechs Wochen“ gefordert. Experten wie der Afrika-Analyst Ryan Cummings von der Risikoberatungsfirma Red24 wiesen darauf hin, dass Boko Haram seit sechs Jahren aktiv sei und niemals in sechs Wochen bezwungen werden könne.

Die Oppositionspartei APC bedauerte die Wahlverschiebung als „provokant“. APC-Chef John Odigie-Oyegun sprach von einem „großen Rückschlag für die Demokratie“. Gleichzeitig rief er die Nigerianer zur Ruhe und zum Verzicht auf Gewalt auf.

US-Außenminister John Kerry zeigte sich „zutiefst enttäuscht“ über die Verschiebung der Wahlen. Eine politische Beeinflussung der nationalen Wahlkommission sei nicht akzeptabel, die Regierung dürfe Sicherheitsbedenken nicht als „Vorwand für eine Behinderung demokratischer Prozesse“ missbrauchen, erklärte er. Nun sei es wichtig, dass es keine weiteren Verzögerungen gebe.

Neue Angriffe verunsichern Südosten des Landes

Die Islamistengruppe Boko Haram hatte in den vergangenen Monaten in dutzenden Städten und Dörfern im Nordosten des Landes die Kontrolle übernommen. Hunderttausende Menschen sind vor den Gräueltaten der islamistischen Gruppierung geflohen.

Am Sonntag griffen Boko-Haram-Kämpfer erneut die Grenzstadt Diffa im Südosten des Nachbarlandes Niger an. Dort wurden bei einer Explosion am Sonntag mindestens ein Mensch getötet und zehn weitere Menschen verletzt, wie Zeugen und Krankenhausmitarbeiter sagten. Die Explosionsursache war zunächst unklar.

Boko Haram kämpft für einen islamischen Staat im mehrheitlich muslimischen Norden Nigerias. Seit dem Jahr 2009 tötete die Gruppe bei Angriffen auf Polizei, Armee, Kirchen und Schulen nach offiziellen Angaben mehr als 13.000 Menschen.

In den vergangenen Wochen verstärkte die nigerianische Armee mit Unterstützung durch Soldaten aus dem Tschad, Kamerun und Niger den Kampf gegen die Islamisten. Nigeria und seine Nachbarländer Benin, Niger, Kamerun und Tschad beschlossen am Samstag die Schaffung einer regionalen Eingreiftruppe aus 8700 Soldaten, Polizisten und Zivilisten im Kampf gegen Boko Haram.

Im jüngster Zeit war die Miliz auch auf Gebiete der Nachbarstaaten vorgedrungen - so griff sie am Freitag erstmals zwei Städte in Niger an. Die Offensive wurde jedoch von der nigrischen Armee mit Hilfe von tschadischen Soldaten zurückgeschlagen.

  • afp
Startseite

Mehr zu: Wahlverschiebung wegen Boko Haram - Terrormiliz bringt Nigeria zum Einknicken

0 Kommentare zu "Wahlverschiebung wegen Boko Haram: Terrormiliz bringt Nigeria zum Einknicken"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote