Warnsignal aus Washington IWF will keinen „schmutzigen“ Deal mit Griechenland

Der IWF weigert sich, einen faulen Kompromiss im Schuldenstreit mit Griechenland mitzutragen - und stoppt die Gespräche mit Athen. Der Warnschuss richtet sich nicht nur an die Griechen, sondern auch an die Europäer.
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Christine Lagarde: Der IWF stoppt die Gespräche mit Griechenland. Quelle: ap
Christine Lagarde

Christine Lagarde: Der IWF stoppt die Gespräche mit Griechenland.

(Foto: ap)

WashingtonChristine Lagarde, die Chefin des Internationalen Währungsfonds, ist eine resolute Frau. Sie weiß, wie man sich Gehör verschafft, vor allem, wenn es darum geht, auf rote Linien zu beharren. Der IWF sei für keinen „schnellen und schmutzigen“ Deal mit Griechenland zu haben, hat Lagarde kürzlich gesagt - und ihrer Warnung nun auf drastische Weise Nachdruck verliehen: Der IWF hat seine Unterhändler aus den Verhandlungen mit Athen abgezogen.

„In den meisten Schlüsselbereichen gibt es gewaltige Differenzen zwischen uns“, begründete ein Sprecher den Schritt am Donnerstag. „Es gibt keinen Fortschritt.“ Die Börsen reagierten schlagartig: Der Dax büßte am Nachmittag fast seinen gesamten Tagesgewinn wieder ein.

Der Warnschuss richtet nicht nur an die Griechen, sondern auch an die Europäer. „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg“, diese Marschroute hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel zuletzt ausgegeben und damit auf griechischer Seite Hoffnung auf ein Entgegenkommen der Gläubiger geschürt. Die Botschaft des IWF ist eine andere. Sie lautet: Einen faulen Kompromiss tragen wir nicht mit.

Der Währungsfonds hat in den Verhandlungen immer wieder deutlich gemacht, welche Prinzipien aus seiner Sicht unverrückbar sind. Erstens: Jede Aufweichung der fiskalpolitischen Ziele muss durchfinanziert werden, was bedeutet: Entweder geben die Europäer mehr Geld oder reduzieren die griechische Schuldenlast durch weitere Zinssenkungen und Laufzeitverlängerungen.

Beides ist politisch hoch brisant angesichts der massiven Zweifel an der Reformbereitschaft Athens. Zweitens stellt der IWF klar: Haushaltspolitische Zielvorgaben sind bedeutungslos, solange sie nicht mit konkreten Einsparungen hinterlegt werden.

Vage Versprechen will der Fonds nicht mehr akzeptieren
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9 Kommentare zu "Warnsignal aus Washington: IWF will keinen „schmutzigen“ Deal mit Griechenland"

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  • es gibt gewaltige Differenzen, erklärt Frau Lagarde/IWF-diese sind, dass das Gericht in Griechenland erklärte, die bereits erfolgten Rentenkürzungen sind verfassungswidrig, verstoßen gegen die Menschenwürde, da sie zur völligen Verelendung der Rentner führt...-das sind die gewaltigen Differenzen! Denn, wenn bereits die 2013 erfolgten Rentenkürzungen gegen die Menschenwürde verstoßen, dann bedeuten die Forderungen des IWF/Frau Lagarde, dass sie die Menschen/Menschenwürde nicht beachten wollen...

  • Griechenland ist im Euro ohne Chance.Griechenland ist wie ein Hauptschüler,der es durch Tricksereien auf´s Gymnasium schaffte und dort versagt.Die Lehrer würden ihn am liebsten nicht versetzen,aber Direktorin Merkel fürchtet den mächtigen Vater (USA).

  • Na, da warten wir mal ab, was kommt
    Denn für Merkel ist das ja alternativlos, dass Giechenland im Euro bleibt, egal was es kostet.
    Soll doch dr dumme Deutsche weiterhin zahlen

  • Wie absurd die ganze Situation um Griechenland ist, kann man schon daraus entnehmen, daß dieses Land kürzlich von der sog. Sambia - Option Gebrauch gemacht hat. Griechenland ist endgültig auf dem Niveau eines Landes der dritten Welt angelangt. Dies weder aufgrund der Finanzkrise noch wegen nicht vertretbarer Vorgaben der Gläubiger, sondern aufgrund jahrzehntelanger Mißwirtschaft ,
    eines überbordenden, ineffizienten und frühverrenteten Apparats sog. Staatsdiener, Korruption auf allen Ebenen und dem Mangel an Gemeinsinn, der sich in der Hinterziehung von Steuern quer über alle Schichten der Gesellschaft manifestiert. Ein Ausscheiden aus der Währungsunion ist die einzig vernünftige Lösung.

  • Ich mag weder die Politik von Merkel noch von Schäuble, ich halte sogar die ganze GroKo-Politik für die moralisch heruntergekommenste in Deutschland seit Adolf Hitler. Meine Meinung...

    Ich habe aber grundsätzlich auch Probleme mit Pauschalisierungen und Unterstelleungen.

    Zu Merkel:

    Nach einem Vierteljahrhundert "Wiedervereinigung" sollte man vielleicht langsam aufhören, immer noch auf Merkels DDR-Vergangenheit anzuspielen. Sie vertritt in fast kriecherischer Weise ganz eindeutig die Interessen Washingtons und der Finanzmärkte mehr als die Interessen der deutschen Bürger. Nicht so toll! Mit der Anspielung auf ihre Vergangenheit diskreditiert man allerdings gleichzeitig auch die Menschen der neuen Bundesländer. Das sollte eigentlich Vergangenheit sein.

    zu Schäuble und seinem Finanzwissen:

    1971 wurde er nach Vorlage einer Arbeit über Die berufsrechtliche Stellung der Wirtschaftsprüfer in Wirtschaftsprüfungsgesellschaften zum Dr. iur. promoviert. Er trat dann in die Steuerverwaltung des Landes Baden-Württemberg ein und war hier zuletzt als Regierungsrat beim Finanzamt Freiburg tätig.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Wolfgang_Schäuble

  • Der Deal wird ganz sauber sein so dass die EU (EFSM und ESM) den wertlosen Dreck von der EZB und IWF aufkaufen wird und damit der Steuerzahler wieder dran ist.

    Schlimmer nur dass Griechenland weiterhin in der EU und Euro bleibt und weitermachen wird ohne Konsequenzen.

  • Bemerkenswert ist, dass Frau Lagarde erstmals den Begriff "schmutzige Deals" in die Diskussion eingeführt und auch gleich den Bezug zu Merkel hergestellt hat. "Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg", hatte Merkel zum Ausdruck gebracht.

    Frau Merkel greift da offensichtlich auf ihre Erfahrung aus der ehemaligen DDR zurück, während Frau Largarde eine andere Herkunft und Lebenserfahrung hat.

    Diese Anspielung erhält auch dadurch Schärfe, dass bekannt ist, dass Frau Largarde und Herr Schäuble "sehr gut miteinander können" und Frau Merkel jetzt Herrn Schäuble kalt gestellt haben soll.

    Wenn auch diese Position vorgetragen wird, so soll nicht verkannt werden, dass Herr Schäuble, wenn es um seinen Werdegang geht, parlamentarische Erfahrung und keinen finanzwirtschaftlichen Kenntnisstand in die Waagschale wirft. Finanzwirtschaftliche Kenntnisse sind eher dadurch geprägt, dass er Bargeld in seinem Schreibrtisch versteckte und sich daran auf Befragung nicht erinnern konnte.

    Auffallend ist in diesem Zusammenhang, dass vor allem Politikern zugestanden wird, dass sie sich nicht mehr erinnern können. Deshalb sollte hier an den Vorschriften für die Auswahl von Politikern nachgearbeitet werden.

  • Wegen Reformverweigerung - der IWF zieht sich zurück
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    Für Tsipras sind Reformen Teufelszeug. Er weiß, dass er sie in seiner Heimat nicht durchsetzen kann. Dafür sorgen schon die Kommunisten innerhalb der Syriza.

    Was die Geldgeber von Ministerpräsident Tsipras wollen, ist für diesen daheim schwer durchzusetzen: Vor dem Parlament in Athen gab es wieder Proteste gegen die Sparpolitik.

    Jetzt kommen sie also wieder aus ihren Löchern.

    In der Hauptstadt Athen und weiteren Städten gingen gestern Abend tausende Demonstranten auf die Straßen. An den Protesten beteiligten sich Staatsbedienstete und Mitglieder der kommunistischen Gewerkschaft PAME. Sie richteten sich gegen weitere Reformpläne von Ministerpräsident Tsipras.

    Den internationalen Geldgebern dagegen gehen diese Pläne nicht weit genug. Der griechische Regierungschef kam gestern erneut mit EU-Kommissionspräsident Juncker zusammen; doch bisher gibt es keine Zeichen für eine Annäherung. Der Internationale Währungsfonds zog seine Unterhändler aus Brüssel ab und begründete dies mit großen Differenzen bei den Gesprächen.


    Das sagt doch schon alles!

    Quelle: DLF
    http://www.deutschlandfunk.de/griechenland-weitere-proteste-gegen-sparplaene.1947.de.html?drn:news_id=492240

  • IWF will keinen „schmutzigen“ Deal mit Griechenland
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    Und da hat er recht!
    Diesen wollen aber die Eurokraten, allen voran Merkel, Hollande und Juncker.
    Dieses Trio infernale ist bereit, Griechenland auch ohne Reformzusagen weiterhin mit Milliarden an Steuergeldern zu unterstützen.

    ■ Juncker: Mit mir wird es keinen Grexit geben!
    ■ Merkel: Ich werde alles tun, damit Griechenland im Euro bleibt, und koste es - dem deutschen Steuerzahler - was es wolle!
    ■ Hollande: Wir müssen schnellstens zu einer Einigung kommen!

    Der Warnschuss richtet nicht nur an die Griechen, sondern auch an die Europäer. „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg“, diese Marschroute hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel zuletzt ausgegeben und damit auf griechischer Seite Hoffnung auf ein Entgegenkommen der Gläubiger geschürt. Die Botschaft des IWF ist eine andere. Sie lautet: Einen faulen Kompromiss tragen wir nicht mit.

    Aber es gibt keinen Willen seitens Griechenlands, also auch keinen Weg.
    ■ Der IWF fordert eine Reform der Renten - Tsipras lehnt das ab.
    Die griechischen Renten haben das gleiche Niveau wie die Deutschen, sie gehen aber 6 Jahre früher in Rente.
    ■ Der IWF fordert die Privatisierung öffentlicher Betriebe.
    Tsipras lehnt das ab. Erst wollte er die Privatisierung rückgängig machen, dann nur noch teilweise.
    ■ Der IWF fordert die Erhöhung der Mehrwertsteuern in zwei Stufen.
    ■ Der IWF fordert das Ende der MWS-Vorzugsbehandlung für die Touristeninseln - Tsipras lehnt das kategorisch ab.

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