Wegen Vogelgrippe Frankreich vor der Leberkrise

Eine Vogelgrippen-Epidemie zwingt die Erzeuger im Südwesten Frankreichs, ihre Ställe zu leeren. Die Folge: Im Sommer wird es in dem Land an Stopfleber mangeln. Manche sehen es als Desaster – Pamela Anderson als Chance.
Die als Badenixe bekannt gewordene Schauspielerin kritisiert die Mastmethoden französischer Erzeuger. Quelle: ap
Pamela Anderson

Die als Badenixe bekannt gewordene Schauspielerin kritisiert die Mastmethoden französischer Erzeuger.

(Foto: ap)

ParisFür Feinschmecker ist es ein Desaster, für Tierschützer eine Genugtuung: Frankreich steht vor einer massiven Verknappung der beliebten Enten- und Gänse-Stopfleber. 19.000 Tonnen Fettleber stellt Frankreich pro Jahr her, das ist der allergrößte Teil der EU-Erzeugung von 24.000 Tonnen. Der Staat hat die Erzeuger im Südwesten dazu verdammt, ab April ihre Ställe leer stehen zu lassen, um eine Vogelgrippen-Epidemie zu bekämpfen. „Le Sud-Ouest“ erzeugt aber mehr als zwei Drittel der in Frankreich verarbeiteten Vögel. Ohne Enten und Gänse auch keine Fettleber, kein Confit de Canard und keine Entenbrust.

Pamela Anderson, nicht mehr im Schwimmeinsatz stehende kalifornische TV-Strandwächterin eilte am Dienstag den französischen Tierfreunden zu Hilfe und forderte, die Krise als Chance zu sehen: „Wir fordern ein generelles Verbot, die Mastmethoden erinnern an das Alte Rom und Ägypten, als die menschliche Brutalität ihren Höhepunkt erreicht hatte.“ sagte die als Badenixe bekannt gewordene Schauspielerin in der französischen Nationalversammlung. Dort trat eine ganze Gruppe von Freunden der Schwimmvögel auf. Auf den Vergleich mit Rom kam bislang noch niemand, er sorgte bei Vertretern der Erzeuger ein wenig für Verwirrung. Wenig elegant schlug dagegen ein konservativer Abgeordneter per Twitter zurück: „Pamela Anderson – in foie gras ist kein Silikon!“

Wie gefährlich ist die Vogelgrippe?
Keine weiteren Verdachtsfälle auf Vogelgrippe in MV
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Ist H5N8 gefährlich für Menschen?

Bisher ist weltweit noch kein Mensch mit dem Virus H5N8 infiziert worden, auch nicht in Südkorea, wo es bereits 30 Ausbrüche in Geflügelbeständen gegeben hat. „Es sieht so aus, dass H5N8 nicht so leicht auf den Menschen übertragbar ist“, so Elke Reinking vom Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI), der Bundeseinrichtung für Tiergesundheit auf der Insel Riems bei Greifswald. „Das ist eine gute Nachricht.“

Bird Flu outbreak in Yorkshire, Britain
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Wie kam das Virus in europäische Geflügelställe?

Das wird noch untersucht. „Wir schauen ergebnisoffen in alle Richtungen“, so Reinking. „Bisher gibt es keine Belege für eine Verbindung der Ausbrüche in Europa mit Waren- oder Tiertransporten. Das wurde und wird auch noch weiter geprüft.“ Der Fund einer infizierten Wildente auf Rügen am vergangenen Wochenende stütze eher die Hypothese, dass Wildvögel an der Übertragung beteiligt sind.

Vogelgrippe - Geflügel
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Der Ornithologe Franz Bairlein von der Vogelwarte Helgoland hält den internationalen Handel aber nach wie vor für eine Möglichkeit der Übertragung: „Die Wahrscheinlichkeit, dass die Vogelgrippe über einen Wildvogel übertragen wurde, ist nicht größer, als dass es über internationale Tierprodukte erfolgt ist.“

Vogelgrippe - Nachweis bei Wildvogel
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Wie kann das Vogelgrippe-Virus aus Asien nach Europa gelangen?

Krickenten – die infizierte Wildente auf Rügen war eine solche – brüten bis nach Sibirien hinein. Der Zug aus den Brutgebieten in Richtung Westen passe ganz gut ins Bild, so Reinking. Es sei durchaus vorstellbar, dass Vögel, die bis nach Europa flogen, sich in Sibirien bei Vögeln aus Asien infiziert haben. Es könne aber auch sein, dass unterwegs wiederum andere Vögel angesteckt wurden, die das Virus weiter trugen. „Das ist noch ein weißer Fleck.“

Legehenne
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Wildvögel werden offenbar nicht krank, wenn sie das Virus in sich tragen, weshalb es keine Berichte über Massensterben an Rastplätzen zwischen Sibirien und Europa gibt. Das war bei H5N1 anders – dem Erreger, der 2003 eine Vogelgrippe-Epidemie in Deutschland auslöste.

Geflügelpest
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Woran arbeiten die Wissenschaftler aktuell in Sachen H5N8?

Im Friedrich-Loeffler-Institut wird gerade an einer Risikobewertung für Geflügelbestände gearbeitet. Auch suchen die Wissenschaftler immer noch nach dem genauen Weg, den das Virus in die Putenmast in Heinrichswalde (Landkreis Vorpommern-Rügen) genommen hat. Dort gab es Anfang November den ersten Ausbruch der Geflügelpest mit dem derzeit grassierenden Virus H5N8 in Europa. Rund 30.000 Puten mussten getötet werden, nachdem 2000 an der Krankheit verendet waren.

Die Erzeuger des französisch „palmipèdes“ genannten Geflügels sind geübt darin, ihre Methoden der Zwangsernährung zu rechtfertigen: Die Tiere fühlten sich wohl im Freien und könnten sich in der frischen Luft austoben, die zehntägige Mast mit einer Maismischung, die so kräftig ist, dass die Leber anschwillt, bereite keine Schmerzen. Politisch droht ihnen sowieso keine Gefahr: Alle im Parlament vertretenen Gruppen bis auf die Grünen erklärten spontan ihre Solidarität mit der angegriffenen Stopfleber.

Der gefährlichere Feind ist der Vogelgrippen-Virus. „Den Enten und Gänsen kann er nichts anhaben, für Menschen ist er völlig ungefährlich, aber Hühner sterben daran, deshalb muss er beseitigt werden,“ sieht Christophe Barrailh vom Erzeugerverband Cifog ein. Man wisse noch nicht, wie lange die Ställe leer bleiben müssen, „im günstigsten Szenario werden 9,5 Millionen Tiere fehlen, das wäre ein Viertel der jährlichen Produktion.“ Es könnten aber auch mehr werden. Der Verlust für die Geflügelzüchter werde sich beim moderaten Szenario auf 300 Millionen Euro summieren. Schon jetzt berichten französische Medien darüber, dass Liebhaber sich mit Pasteten aus Foie Gras oder ganzen Lebern eindeckten, um möglichen Lieferengpässen Mitte des Jahres vorzubeugen.

Da die verarbeiteten Produkte wesentlich teurer sind als ein einzelner Vogel, müsste deren Umsatzeinbuße wesentlich höher sein als die der Züchter. Doch während die kleinen Betrieb, die ihre eigenen Enten und Gänse mästen, laut nach finanziellen Hilfen des Staates rufen, sind die Großen erstaunlich ruhig.

Entscheidung zwischen Gaumen und Gewissen
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