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Weihnachtsgeschäft „Click away“ – Griechenland lockert die Lockdown-Regeln für den Handel

Bestellung online, Abholung vor Ort: Die Regierung will das von der Pandemie gelähmte Weihnachtsgeschäft retten. Die Händler aber bleiben skeptisch.
13.12.2020 - 12:55 Uhr Kommentieren
Mit dem neuen Verfahren „Click away“ will die Regierung den Lockdown für den Handel ein wenig lockern. Quelle: Imago
Lockdown in Athen zur Weihnachtszeit

Mit dem neuen Verfahren „Click away“ will die Regierung den Lockdown für den Handel ein wenig lockern.

(Foto: Imago)

Athen Weihnachtsstimmung kommt in Griechenland momentan keine auf. Schon seit fünf Wochen sind die Einzelhandelsgeschäfte geschlossen, und der Lockdown wird mindestens bis zum 7. Januar andauern. Die Hoffnung, doch noch einen Teil des Weihnachtsgeschäfts zu retten, haben die Händler mittlerweile aufgegeben. „Der Rückgang der Neuinfektionen ist nicht so, dass wir den Einzelhandel öffnen können“, erklärte Staatsminister Giorgos Gerapetritis.

In den griechischen Familien droht deshalb ein Geschenk-Notstand. Denn auch der Onlinehandel und die Zusteller kommen bei der Auslieferung der Bestellungen nicht mehr nach. „Jumbo“, Griechenlands größter Spielwaren-Einzelhändler, hat seinen Onlineshop kurzerhand komplett vom Netz genommen, weil er die vielen Bestellungen nicht mehr bearbeiten kann.

Jetzt will die Regierung die Regeln für den Handel im Lockdown ein wenig lockern, ohne einen neuerlichen Anstieg der Neuinfektionen zu riskieren. „Click away“ nennt sich das Verfahren. Ausgedacht hat es sich Wirtschaftsminister Adonis Georgiadis, gemeinsam mit der Corona-Expertenkommission des Gesundheitsministeriums. „Click“ steht für eine elektronische Bestellung, „away“ kommt von „take away“ und steht für „mitnehmen“.

Das Verfahren soll – von heute an – so funktionieren: Die Kunden bestellen beim Einzelhändler online oder telefonisch. Zu einer festgelegten Zeit, die ihnen der Händler per SMS oder E-Mail mitteilt, können sie ihre Bestellung vor dem Geschäft abholen. Bezahlt wird ausschließlich bargeldlos, entweder online vorab – oder per Karte bei der Abholung.

Das Verfahren mag einfach klingen, ist in der Umsetzung aber kompliziert: Betreten darf der Kunde das Geschäft nicht. Verkaufen via „Click away“ können deshalb nur Händler, die vor ihrem Laden genug Platz haben, die Waren zu übergeben und die Zahlungen abzuwickeln. Dabei müssen die Kunden bei der Abholung ein Zeitfenster von zehn Minuten einhalten.

Genehmigung der Zivilschutzbehörde erforderlich

Mehr als neun Menschen dürfen nicht gleichzeitig vor dem Laden warten. Nur Einzelpersonen können Waren abholen – keine Paare oder gar Familien. Die Wartenden müssen stets einen Mindestabstand von zwei Metern einhalten. Und bevor die Menschen überhaupt ihre Wohnung verlassen, um ihre Bestellungen abzuholen, müssen sie unter der Mobilfunknummer 13033 eine Genehmigung der Zivilschutzbehörde einholen, die per SMS erteilt wird.

Die Händler müssen die Abgabe der Waren detailliert dokumentieren, Namen und Steuernummer der Käufer notieren – und den genauen Zeitpunkt der Ausgabe. Den Händlern drohen hohe Strafen, wenn zu viele Kunden vor ihren Geschäften anstehen oder gar ihren Laden betreten: Die Verordnung sieht nicht nur Geldbußen bis zu 50.000 Euro vor, bei Verstößen gegen die Regeln kann das betreffende Geschäft auch für bis zu 90 Tage geschlossen werden. Offen ist, wie in dem neuen Verfahren Reklamationen angemeldet oder Artikel umgetauscht werden können.

Wegen der ungeklärten Fragen, des enormen bürokratischen Aufwands und der drohenden Bußgelder bleiben viele Händler skeptisch: Sie halten das Konzept für wirklichkeitsfremd. „Wir respektieren die Meinung der medizinischen Sachverständigen in Gesundheitsfragen, aber wir können nicht akzeptieren, dass sie über praktische Marktregelungen des Handels entscheiden“, sagt Stavros Kafounis, der Präsident des Athener Einzelhandelsverbands. „Da kennen wir uns besser aus.“

„Click away“ hilft großen Handelsketten

Auch bei der Handelskammer Athen ist man skeptisch. Höchstens zehn Prozent der Einzelhandelsgeschäfte hätten die Möglichkeit, an dem Verfahren teilzunehmen. Vorteile hätte das „Click away“-Verfahren vor allem für die großen Ketten, die über Onlineshops verfügen, heißt es beim Verband der griechischen Einzelhändler. „Die vielen Tausend kleinen und mittelgroßen Einzelhandelsunternehmen werden dagegen ihrem Schicksal überlassen.“

Auch Giorgos Karanikas vom griechischen Handelsverband ESEE sieht in dem Verfahren eine Wettbewerbsverzerrung: „Tausende kleine und mittlere Geschäfte kämpfen um ihre Existenz, während ‚Click away‘ jetzt den wenigen starken Großunternehmen hilft, ihre Kunden zu bedienen.“

Wie sich das Hybridverfahren bewährt und ob es überhaupt Bestand hat, müssen die nächsten Tage zeigen. Wirtschaftsminister Georgiadis scheint selbst Zweifel am Erfolg des Verfahrens zu haben. Seine größte Befürchtung ist, dass vor den Geschäften ein Gedränge entstehen könnte wie zuletzt beim Kaufhaus Harrods in London. „Wenn wir so etwas sehen, brechen wir das Programm ab“, sagte Georgiadis im Sender Skai-TV.

Mehr: Katastrophe für Wirtschaft und Staatshaushalt: Corona wirft Griechenland weit zurück

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