„Weisheit und Verantwortung zeigen“ Gorbatschow fordert Verbesserung der Beziehungen zum Westen

Vorwürfe, Sanktionen, Schweigen: Die Beziehungen zwischen Russland und Deutschland sind auf einem historischen Tiefpunkt. Der ehemalige sowjetische Staatschef Michail Gorbatschow fordert Verantwortung – und Dialog.
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Gemeinsam mit Helmut Kohl war Gorbatschow maßgeblich am Aufbau deutsch-russischer Beziehungen beteiligt. Quelle: dpa
Michail Gorbatschow

Gemeinsam mit Helmut Kohl war Gorbatschow maßgeblich am Aufbau deutsch-russischer Beziehungen beteiligt.

(Foto: dpa)

MoskauVor dem Hintergrund der Spannungen wegen des Ukraine-Konflikts hat der frühere sowjetische Staatschef Michail Gorbatschow Moskau und Berlin zur Wiederherstellung des gegenseitigen Vertrauens aufgefordert. Er sei besorgt angesichts der sich verschlechternden Beziehung seines Landes zum Westen, sagte Gorbatschow am Dienstag der russischen Nachrichtenagentur Tass.

Besonders besorgniserregend sei die Beziehung zwischen Deutschland und Russland, sagte der Ex-Sowjetführer. Nach dem Zweiten Weltkrieg habe „jeder geglaubt, dass Russland und Deutschland nicht zusammenarbeiten können, aber sie haben es geschafft“. Nun sollten die Regierungen beider Länder „Weisheit und Verantwortung zeigen und Vertrauen und Dialog aufbauen“. Es gebe „keine Zeit zu verlieren“, sagte Gorbatschow.

Die Beziehungen zwischen Russland und dem Westen sind angesichts des Ukraine-Konflikts auf einem historischen Tiefpunkt. Der Westen wirft Moskau vor, die prorussischen Separatisten in der Ostukraine mit Waffen und Kämpfern zu unterstützen, was Russland bestreitet. Die EU und die USA verhängten eine Reihe von Sanktionen gegen Russland, das wiederum ein Embargo auf europäische Produkte einführte.

Welche Firmen noch auf Russland setzen
Stada
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In Russland wuchs der Arzneimittelhersteller Stada im vergangenen Jahr um vier Prozent, allerdings in Rubel gerechnet. Durch den Wertverfall der Währung nahm der Umsatz in Euro gerechnet stark um 14 Prozent auf 360,7 Millionen Euro ab. Das Land ist aber nach wie vor der größte Auslandsmarkt. Stada-Chef Hartmut Retzlaff reist derzeit etwa fünf Mal pro Jahr nach Russland, „aus motivatorischen Gründen, um den Mitarbeitern zu zeigen, dass man an den Standort glaubt“, sagt er.

Bionorica
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Für den Naturarzneimittelhersteller Bionorica ist Russland der wichtigste Auslandsmarkt: Der steuert rund ein Drittel zu Geschäft bei und legte in den vergangenen Jahren stets zweistellig zu. Das ist auch 2014 nicht anders gewesen, allerdings nur in Absatz gerechnet. Der Umsatz sank wegen der Währungsumrechnungseffekte um etwa sieben Prozent auf 72 Millionen Euro. Bionorica-Chef Michael Popp hat den Verfall des Rubels nur zu einem Teil mit Preiserhöhungen aufgefangen: „Wir haben im Sinne des Patienten auf Umsatz verzichtet“, nennt Popp dieses Vorgehen.

Fresenius
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Der Gesundheitskonzern Fresenius hat im November angesichts der Osteuropa-Krise seine Pläne für ein Gemeinschaftsunternehmen in Russland aufgegeben. Geplant war ein Zusammenschluss des bestehenden Geschäfts der Ernährungs- und Infusionssparte Fresenius Kabi mit dem russischen Pharmaunternehmen Binnopharm. Den Unternehmen entstanden wegen des geplatzten Deals keine finanziellen Verpflichtungen. Zum Gesamtumsatz des Gesundheitskonzerns Fresenius trägt Russland weniger als ein Prozent bei.

Siemens
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Der Besuch bei Wladimir Putin vor gut einem Jahr hat Siemens-Chef Joe Kaeser viel Aufmerksamkeit, aber auch viel Kritik eingebracht – dem Geschäft geholfen hat er nicht. Die Umsätze seien etwa um die Hälfte eingebrochen, berichtete Kaeser kürzlich. Russland ist ein wichtiger Markt für den Infrastrukturanbieter, die Münchener bauen dort zum Beispiel Züge und Gasturbinen. „Russland bietet riesige Chancen, die man momentan nicht nutzen kann“, bedauerte Kaeser. Siemens wolle Know-how nach Russland geben und Produktion dort lokalisieren. „Aber diese Möglichkeit gibt es momentan nicht. Wir halten uns voll an alle Sanktionsvorgaben.“

Otto-Gruppe
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Im August 2013 kündigte die Otto-Gruppe noch neue Investitionen in Russland an. Eineinhalb Jahre später ist die Ernüchterung groß. Für das Unternehmen ist Russland zu einer Belastung geworden. Im abgelaufenen Geschäftsjahr ist der Umsatz um 25 Prozent gesunken. Bereinigt um Wechselkurseffekte bleibt ein Rückgang um nur vier Prozent. Und fest steht auch: Die Otto-Gruppe hat in Russland Geld verloren. Zwar hält Hans-Otto Schrader, Chef der Otto-Gruppe, eine Rezession in Russland für nicht vermeidbar. Aber: „Wir haben diesen Markt über sechs Jahre aufgebaut – und wir werden ganz vorne mit dabei sein, wenn sich die Lage bessert“, sagt er.

Hubert Burda Media
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Fragt man den Vorstandsvorsitzenden von Hubert Burda Media, Paul-Bernhard Kallen (Bild), ob sich sein Unternehmen angesichts der Wirtschaftskrise in Russland aus dem Land zurückziehen will, antwortet er: „Nein, wir nicht. Die Frage ist aber, ob man uns noch haben will.“ Offenbar will der russische Staat das nicht. Vergangenen Herbst unterzeichnete Präsident Wladimir Putin ein Gesetz, das vorsieht, den Anteil von Ausländern an russischen Medienunternehmen auf 20 Prozent zu beschränken. Besonders hart trifft dies Burda. In Verlagskreisen werden die Erlöse, die Burda in Russland und in der ebenfalls krisengeschüttelten Ukraine erzielt, auf gut 200 Millionen Euro geschätzt.

Bauer Media
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Bauer will sich angesichts der Debatte um das neue Mediengesetz zwar überhaupt nicht zum Russland-Engagement äußern. Für den Hamburger Verlag dürften die Märkte in den USA, Australien, England und Polen aber weitaus wichtiger sein als der Markt in Russland, wo das Zeitschriftenhaus ausweislich seiner russischen Website 25 Titel herausgibt.

  • afp
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  • Die einseitige Parteinahme des Westens - insbesondere Europas - für ein höchst fragwürdiges Regime in der Ukraine widerspricht unseren ureigensten Interessen. Allein die zahlreichen Konfliktherde im Mittleren Osten und die expansive Verbreitung radikal islamistischer Bewegungen gerade auch an der Südgrenze Russlands sollten schon allein Grund genug für ein Umdenken in der Politik gegenüber Russland sein. In der Geschichte sind Konflikte niemals durch feindselige Abgrenzung gelöst worden, vielmehr ist ein Dialog auf der Grundlage gegenseitigen Respekts und zumindest dem Versuch, die Position des jeweils anderen zu verstehen, angezeigt.

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