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Weißrussland Oppositionsführerin Kolesnikowa nach Verschleppung mit physischer Gewalt bedroht

Die Politikerin hat ihren Pass zerrissen, um sich der Abschiebung zu widersetzen. Auch der Oppositionelle Maxim Snak ist festgenommen worden.
09.09.2020 Update: 09.09.2020 - 23:17 Uhr Kommentieren
Der Oppositionsführerin in Weißrussland wurde Gewalt angedroht. Nur durch das Zerreißen ihres Passes konnte sie ihre Abschiebung in die Ukraine verhindern. Quelle: dpa
Maria Kolesnikowa verschleppt

Der Oppositionsführerin in Weißrussland wurde Gewalt angedroht. Nur durch das Zerreißen ihres Passes konnte sie ihre Abschiebung in die Ukraine verhindern.

(Foto: dpa)

Minsk Der belarussischen Oppositionspolitikerin Maria Kolesnikowa ist nach ihrer Entführung durch Maskierte in Minsk nach Angaben ihrer Anwältin physische Gewalt angedroht worden. Die 38-Jährige sei nun in einem Untersuchungsgefängnis in Minsk. Sie habe auch Quetschungen von der gewaltsamen Verschleppung am Montag davongetragen. Das teilte Kolesnikowas Anwältin Ljudmila Kasak nach einem Treffen mit ihr am Mittwochabend mit. Die Uniformierten hätten sie zudem unter Gewaltandrohung und gegen ihren Willen zur ukrainischen Grenze gebracht, um sie in das Nachbarland abzuschieben, sagte Kasak. Kolesnikowa hatte ihren Pass vor dem Grenzübergang zerrissen und so ihre Abschiebung vereitelt.

Im Moment werde Kolesnikowa ohne ein Dokument festgehalten, in dem stehe, wer sie wann, wo und warum verhaftet habe. Sie werde Klage wegen der Entführung einreichen und wegen des Gesundheitszustands der Politikerin eine gerichtsmedizinische Untersuchung beantragen, sagte Kasak. In Minsk kam es am Abend zu Solidaritätskundgebungen, bei denen Menschen die Freilassung Kolesnikowas forderten. Es kam zu mehreren Festnahmen.

„Maria fühlt sich gut und wacker trotz des erlebten Stresses in den vergangenen zwei Tagen“, sagte Kasak. Demnach hatte sie der Geheimdienst KGB zunächst aufgefordert, das Land freiwillig zu verlassen, was sie aber abgelehnt habe, sagte Kasak. Die Juristin erwartet für diesen Donnerstag eine offizielle Vernehmung ihrer Mandantin durch Ermittler. Zugleich forderte sie, Kolesnikowa und anderen Gefangene freizulassen und die politische Verfolgung sämtlicher Andersdenkender in Belarus umgehend zu beenden.

Sie war am Montag von maskierten Männern auf offener Straße in der Hauptstadt Minsk verschleppt worden. Nach Behördenangaben wurde sie am Dienstag an der Grenze zur Ukraine festgesetzt. Wo sie sich aufhält, war unklar.

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    Kolesnikowa ist eine der prominentesten Persönlichkeiten der weißrussischen Opposition, die nach der umstrittenen Präsidentenwahl Anfang August den Rücktritt von Amtsinhaber Alexander Lukaschenko fordert und ihm Wahlbetrug vorwirft. Sie wurde nach Angaben ihres Anwalts wegen des Vorwurfs der versuchten Machtübernahme festgenommen worden. Dies sei Teil eines Strafverfahrens, meldete die russische Nachrichtenagentur RIA am Mittwoch unter Berufung auf Kolesnikowas Anwalt

    Die weißrussische Führung geht immer massiver gegen die Opposition vor. Die weißrussische Literaturnobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch, die eine Verbündete Kolesnikowas ist, warf den Behörden vor, das eigene Volk zu terrorisieren.

    Die weißrussischen Behörden nahmen eines der letzten noch auf freiem Fuß befindlichen Führungsmitglieder des Widerstands gegen Lukaschenko fest. Mit Ski-Masken vermummte Personen holten Anwalt Maxim Snak am Mittwoch aus dem Büro des oppositionellen Koordinationsrats, der Demonstrationen gegen Lukaschenko organisiert, wie Snaks Partner Gleb German mitteilte. Snak habe nur noch das Wort „Masken“ tippen können, bevor ihm sein Handy abgenommen worden sei.

    Nicht identifizierte Personen drangen außerdem in die Wohnung von Alexijewitsch ein, wie es weiter hieß. Sie war im August bereits von Ermittlern vernommen worden, die eine strafrechtliche Untersuchung gegen Mitglieder des Koordinationsrats eröffnet hatten.

    Der Vorwurf lautete: Untergraben der nationalen Sicherheit, weil zu einem Machttransfer aufgerufen wurde. Bereits damals wurden mehrere Mitglieder des Koordinationsrats festgenommen. Die gegen Lukaschenko angetretene Kandidatin Swetlana Tichanowskaja reiste nach der Wahl am 9. August nach Litauen aus.

    Tichanowskaja war im Wahlkampf von zwei weiteren führenden Bürgerrechtlerinnen, Veronika Zapkala und Maria Kolesnikowa, unterstützt worden. Kolesnikowa wurde am Montag in Minsk festgenommen und am Dienstag mit zwei weiteren Mitgliedern des Koordinationsrats an die ukrainische Grenze gefahren. Im Niemandsland zerriss Kolesnikowa Berichten zufolge ihren Pass in kleine Teile, womit die Ausweisung für die belarussischen Behörden unmöglich geworden sei. Sie wurde festgenommen, ihr Verbleib war aber zunächst unklar. Am Mittwoch teilte denn Kolesnikowas Vater mit, Ermittler hätten ihn informiert, dass sie in einem Gefängnis in Minsk sei.

    Alexijewitsch wies in einer am Mittwoch veröffentlichten Erklärung Lukaschenkos Sicht der Dinge zurück, Oppositionelle versuchten ihn mit ausländischer Hilfe zu stürzen. „Wir haben keinen Putsch vorbereitet, wir haben versucht, einen Riss in unserem Land zu vermeiden“, sagte sie.

    „Sie (Lukaschenkos Leute) haben unser Land gestohlen und jetzt versuchen sie, die Besten von uns zu entführen. Aber Hunderte andere werden kommen, um die zu ersetzen, die aus unseren Reihen genommen wurden. Es war nicht der Koordinationsrat, der rebellierte, es war das ganze Land, das aufgestanden ist.“ Zu Lukaschenkos Vorgehen sagte sie: „Das ist Terror gegen unser eigenes Volk.“

    Nach offiziellem Ergebnis erhielt der seit 26 Jahren autoritär herrschende Lukaschenko bei der Präsidentenwahl rund 80 Prozent der Stimmen. Die Opposition spricht von Wahlfälschung.

    Am Dienstagabend löste die Polizei eine Kundgebung mit mehreren hundert Teilnehmern auf, wie das Menschenrechtszentrum Wjasna mitteilte. Mindestens 45 Personen seien festgenommen worden.

    Mehr: Mehr als 100.000 Menschen demonstrieren trotz Verbot und vieler Festnahmen. Der Staatschef verbarrikadierte sich derweil in seiner Residenz.

    • ap
    • rtr
    • dpa
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