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Weißrussland „Staatlich unterstützte Piraterie“ – Ryanair-Chef vermutet KGB-Agenten an Bord von umgeleiteter Maschine

Wizz Air und Air Baltic meiden den Luftraum über Weißrussland. Großbritannien entzieht Betriebslizenz der Fluggesellschaft Belavia.
24.05.2021 Update: 24.05.2021 - 16:46 Uhr Kommentieren
Die Behörden im autoritär regierten Weißrussland hatten am Sonntag ein Flugzeug auf dem Weg von Athen nach Vilnius umgeleitet und in der Hauptstadt Minsk zur Landung gezwungen. Quelle: AP
Ryanair-Maschine in Vilnius

Die Behörden im autoritär regierten Weißrussland hatten am Sonntag ein Flugzeug auf dem Weg von Athen nach Vilnius umgeleitet und in der Hauptstadt Minsk zur Landung gezwungen.

(Foto: AP)

Berlin, Moskau, Minsk, Paris, Dublin, Vilnius An Bord der Ryanair-Maschine, die von weißrussischen Behörden am Sonntag zur Landung gezwungen wurde, waren nach Ansicht von Unternehmenschef Michael O'Leary auch Agenten des Geheimdienstes KGB. „Es wirkt, als dass es die Absicht der Behörden war, einen Journalisten und seine Reisebegleiterin (aus dem Flugzeug) zu entfernen“, sagte der Chef der irischen Billigfluglinie am Montag dem irischen Radiosender Newstalk.

„Wir vermuten, dass auch einige KGB-Agenten am Flughafen (in Minsk) abgeladen wurden.“ O’Leary sagte, es handle sich um einen „Fall von staatlich unterstützter Entführung, (...) staatlich unterstützter Piraterie“.

An Bord des Flugzeugs war unter den mehr als 100 Passagieren auch der vom weißrussischen Machthaber Alexander Lukaschenko international gesuchte Blogger Roman Protassewitsch. Er wurde nach Angaben des Menschenrechtszentrums Wesna am Sonntag auf dem Airport in Minsk festgenommen.

Litauischen Angaben zufolge seien fünf Passagiere nicht den Weiterflug nach Litauen angetreten. Der Chef der litauischen Kriminalpolizei, Rolandas Kiskis, sagte am Montag, beim Start in Athen hätten sich 126 Passagiere an Bord befunden. Am planmäßigen Ziel in der litauischen Hauptstadt Vilnius seien mit dieser Maschine am Sonntagabend schließlich jedoch nur 121 Passagiere angekommen.

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    O'Leary und der irische Außenminister Simon Coveney hatten die Vermutung geäußert, dass es sich bei den übrigen fehlenden Passagieren um weißrussische Geheimdienstmitarbeiter gehandelt habe. Demnach hätte Weißrussland Agenten bereits beim Abflug auf griechischem Boden eingesetzt. Litauens Kriminalpolizei-Chef Kiskis wollte sich zur Identität der fehlenden Passagiere nicht äußern

    Ryanair verurteilte die „rechtswidrigen Handlungen der weißrussischen Behörden“ als „Akt der Luftpiraterie“. „Dies wird jetzt von den EU-Sicherheitsbehörden und der Nato behandelt“, teilte das Unternehmen mit. Ryanair arbeite mit der EU und dem Verteidigungsbündnis zusammen. „Aus Sicherheitsgründen können wir keine weiteren Kommentare abgeben“, betonte die Airline.

    O’Leary lobte die Besatzung für ihren „phänomenalen Job“. Der Vorfall sei „sehr beängstigend“ gewesen, für Personal und Passagiere, die stundenlang von Bewaffneten festgehalten worden seien.

    Coveney forderte die EU zu einer „sehr deutlichen Antwort“ auf. Die Führung von Weißrussland besitze keine demokratische Legitimität und verhalte sich wie eine Diktatur, sagte Coveney dem Sender RTÉ.

    Auch Wizz Air meidet weißrussischen Luftraum

    Auch Wizz Air meidet nach der erzwungenen Landung eines Linienflugzeuges in Minsk den weißrussischen Luftraum. Ein Sprecher der Airline teilte am Montag mit, dass ein Flug von der ukrainischen Hauptstadt Kiew nach Tallinn (Estland) umgeleitet wurde, so dass er nicht durch den weißrussischen Luftraum musste. „Wir überwachen und bewerten kontinuierlich die Situation“, sagte er der Agentur BNS.

    Die polnische Fluglinie Lot bereitet nach eigenen Angaben ebenfalls alternative Routen für Flüge vor, deren Route bislang durch den weißrussischen Luftraum führen. Die Entscheidung solle zeitnah bekanntgegeben werden, sagte ein Sprecher. Am Montag standen Verbindungen nach Minsk und Moskau auf dem Flugplan.

    Zuvor hatte bereits die lettische Fluggesellschaft Air Baltic angekündigt, den weißrussischen Luftraum bis auf Weiteres zu umfliegen. Bereits umgeleitet worden seien Flüge von Riga nach Odessa (Ukraine) und Tiflis (Georgien), teilte eine Sprecherin mit. Air Baltic ist die größte Fluglinie in den baltischen Staaten.

    Die EU fasst verschärfte Sanktionen gegen Weißrussland wegen der erzwungenen Landung einer Ryanair-Maschine ins Auge – bis hin zur Kappung von Landverbindungen. Laut einem EU-Vertreter könnte jeglicher Transitverkehr von dem osteuropäischen Land in die EU ausgesetzt werden.

    Zudem drohe der weißrussischen Airline Belavia ein Landeverbot auf EU-Flughäfen. Ferner wurde erwogen, Flüge von EU-Airlines über Weißrussland auszusetzen. Die Nato-Botschafter werden sich nach Angaben eines Vertreters der Verteidigungsallianz am Dienstag mit dem Vorfall befassen.

    Großbritannien entzieht Fluggesellschaft die Lizenz

    Großbritannien reagierte bereits mit Maßnahmen gegen die weißrussische Staatsairline. Die Betriebslizenz der Fluggesellschaft Belavia für das Vereinigte Königreich sei ausgesetzt worden, teilte die Regierung in London am Montag mit. Verkehrsminister Grant Shapps wies nach eigenen Angaben die britische Zivilluftbehörde zudem an, „Airlines zur Meidung des belarussischen Luftraums anzuhalten“, um den Schutz von Passagieren zu wahren.

    Nach Angaben der Airline Ryanair informierte die weißrussische Flugsicherung die Besatzung des Fluges von Athen nach Vilnius am Sonntag über eine angebliche Bombendrohung gegen die Maschine, als sie sich in belarussischem Luftraum befand. Eine Umleitung nach Minsk wurde angeordnet, ein belarussischer Kampfjet eskortierte das Flugzeug zur Hauptstadt.

    Der britische Außenminister Dominic Raab sprach von einem „fahrlässigen und gefährlichen“ Vorgehen der belarussischen Behörden und „einem schockierenden Angriff auf die zivile Luftfahrt und internationales Recht.“

    Großbritannien sehe keinerlei Beweise, die die Behauptung einer Bombendrohung erhärten würden. London habe Belarus' Botschafter in Großbritannien einbestellt und berate mit Verbündeten über weitere Schritte, darunter Sanktionen. Raab forderte auch die Freilassung von Pratassewitsch. Dessen Verhaftung sei unter „fadenscheinigen Vorwürfen“ erfolgt.

    Mehr: Keine Spur von festgenommenen Blogger in Minsk

    • dpa
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