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Weltgeschichten unserer Korrespondenten

Weltgeschichte Das Leben in Russland ist süßer als im Westen

Ob im Tee, Kaffee oder als Gebäck – 140 Gramm Zucker pro Tag nimmt jeder Russe im Schnitt zu sich. Die Ursache liegt bei Peter dem Großen.
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Die geleeartige Süßspeise aus Apfelpüree ist sehr beliebt, aber auch sehr süß. Quelle: imago stock&people
Russisches Pastila

Die geleeartige Süßspeise aus Apfelpüree ist sehr beliebt, aber auch sehr süß.

(Foto: imago stock&people)

MoskauMit Geschenken hat Wladimir Putin in den vergangenen Tagen Schlagzeilen gemacht: Der Kremlchef reiste kurz entschlossen zur Hochzeit der österreichischen Außenministerin Karin Kneissl und schenkte dem Ehepaar neben ein paar Folklore-Stücken eines russischen Kosakenchors unter anderem auch einen Samowar.

Ob das Brautpaar damit etwas anzufangen weiß, bleibt abzuwarten, aber immerhin heißt es im russischen Sprichwort ja auch nur: „Bringe keinen Samowar nach Tula“ – was im Deutschen etwa der Weisheit entspricht: „Trage keine Eulen nach Athen“. Von der Steiermark war nicht die Rede, also ist zu hoffen, dass Frau Kneissl den Samowar auch in Betrieb nehmen kann.

Doch wozu ist der eigentlich gut? Ein Samowar ist im Prinzip ein alter Teekocher und wurde früher auch beispielsweise mit Tannenzapfen beheizt. Vielleicht ist er auch an der Vorliebe der Russen für das Süße schuld. Denn wer es sich leisten konnte, trank den seit Peter dem Großen in Russland bekannten bitteren Tee mit (mindestens) einem Stück Zucker.

Tee und Kaffee trinken die meisten Russen bis heute gern gezuckert. Doch das ist schon lange nicht mehr die einzige Leckerei, die sie sich genehmigen. Das Angebot reicht von traditionellen Süßigkeiten wie Pastila – einem getrockneten Fruchtpüree – über das Honiggebäck Tschak Tschak (bei den Tataren) oder die bei den Kaukasiern beliebten Nüsse im eingedickten Traubensaft (Tschurtschchella) bis hin zu zahlreiche Torten und Gebäcksorten.

Als „fürchterlich süß“ charakterisierte einmal ein deutscher Kollege von mir bei einem gemeinsamen Besuch in einem Moskauer Café den dortigen Käsekuchen. Tatsächlich nehmen es weder russische Konditoren noch die Verbraucher mit den Normen der Weltgesundheitsorganisation allzu streng. Und so ist das Leben in Russland süßer als im Westen – zumindest bei Kuchen und Törtchen.

Statistisch gesehen liegt der Pro-Kopf-Verbrauch von Zucker bei bis zu 140 Gramm pro Tag und damit deutlich über dem Wert in Deutschland. Das hat natürlich auch Auswirkungen auf Aussehen und Gesundheit. Sind junge Russinnen in der Regel rank und schlank, so gehen die Formen später weiter auseinander. Auch Zuckerkrankheit ist in Russland weit verbreitet.

Ludmila Iwanowna leidet ebenfalls daran. Doch die Rentnerin sieht die Gründe dafür anderswo. „Ich hatte ein Hormonproblem nach meiner zweiten Schwangerschaft“, sagt sie. Nur darum sei sie jetzt auch etwas fülliger, erklärt sie resolut und rührt den Zucker in den Tee. Dazu gibt es einen Bonbon der Marke „Roter Oktober“. „Ich kann den Tee ja schlecht so bitter runterschlucken, wenn ich ihn genießen soll“, meint sie.

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