Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke
Weltgeschichten unserer Korrespondenten

Weltgeschichte So besonders feiern die Russen den ersten Schultag

Eine Zuckertüte gibt es für Russlands i-Dötze nicht. Trotzdem ist der Schulstart selbst für die älteren Kinder ein besonderer Tag – mit ganz eigenen Ritualen.
Kommentieren
Russische Erstklässler bei der Feier zur Einschulung. Quelle: AFP/Getty Images
Erster Schultag in Russland

Russische Erstklässler bei der Feier zur Einschulung.

(Foto: AFP/Getty Images)

Moskau Arischa drückt den Strauß weißer Pfingstrosen an ihre Brust und sich selbst an ihre Klassenlehrerin Julia Jurjewna. Mit weißem Hemd, blauem Rock und Bändern im Haar steht die Kleine im Foyer ihrer Schule und weiß nicht so recht etwas mit sich anzufangen. Dabei ist der Schulanfang nichts Neues für die Achtjährige – geht sie doch schon in die zweite Klasse.

Die Jungs in ihrer Klasse toben ihrem Alter entsprechend herum – ohne Rücksicht auf die feierliche Kleidung mit Hose und Jackett. Drei Monate haben sie sich nicht gesehen.

Das Schülerleben in Russland hat seine angenehmen Seiten: Die Sommerferien von etwa Anfang Juni bis Anfang September sind deutlich länger als in Deutschland. Da gerät die strenge Schulordnung schon mal in Vergessenheit. Doch dann ruft die Lehrerin die Schüler zur Ordnung und stellt sie paarweise für den Appell in der Aula auf.

Dort klatschen schon die Eltern rhythmisch im Takt des Kinderlieds „Eine Freundschaft beginnt mit einem Lächeln“ aus dem sowjetischen Trickfilm „Kroschka Jenot“ („Der kleine Waschbär“) zum Einmarsch der kleinen Gladiatoren. Dirigiert und mehrfach ermuntert werden die Kinder von der Schuldirektorin.

Die Klassen zwei bis vier haben Aufstellung genommen. Die Blumen als Geschenk an ihre Lehrer sind sie inzwischen erfolgreich losgeworden. Die Pracht ist inzwischen auch bescheidener als in früheren Jahren. Denn die Schule selbst hat darum gebeten, lieber Geld für bedürftige Kinder zu spenden, als die Lehrer mit Blumen zu überhäufen.

Das Angebot wird von den Eltern angenommen, „doch ein paar Blumen müssen doch sein – schon aus Tradition“, finden viele nach wie vor.

Trotz Stress mit dem hektischen Kauf von Schuluniform und Lehrmitteln in letzter Sekunde ist der erste Schultag der Kinder für die meisten russischen Eltern ein Feiertag – und jedes Jahr aufs Neue: von der ersten bis zur elften, der russischen Abschluss-Klasse. Und dazu gehören stets Blumen und Festtagskleidung.

Sicherheitsmaßnahmen sind deutlich erhöht

Seit dem Terroranschlag von Beslan im Jahr 2004 gehören aber auch erhöhte Sicherheitsmaßnahmen dazu. Damals hatten Terroristen im Nordkaukasus in einer Schule mehr als 1000 Geiseln genommen. Drei Tage lang waren Kinder, Lehrer und Eltern in ihrer Gewalt, dann endete das Drama in einem Blutbad. 333 Menschen, darunter 186 Kinder kamen ums Leben, als Sicherheitskräfte die Schule stürmten.

Seither stehen vor jeder russischen Schule zu Schuljahresbeginn auch mehrere Polizeibeamte.

Doch in Moskau bleibt es an diesem Tag zum Schulstart friedlich. Durch die Stadt toben an diesem Tag nur Erstklässler mit ihren Eltern auf der Suche nach den schönsten Fotomotiven in Parks und auf den Boulevards. Die Stadtregierung hat zudem wie jedes Jahr zur Einschulung eifrig Zirkuskarten an die Jüngsten verteilt, so dass bei vielen die erste Erinnerung an die Schule ein Zirkusbesuch ist.

Auch deswegen haben die Erstklässler der Moskauer Schule 1247 die Prozedur in der Aula als erste hinter sich gebracht, die „Großen“ ab Klasse fünf dürfen noch ein bisschen ausschlafen, weil nicht alle gleichzeitig in die Aula passen.

Die Schule hat sich gründlich auf den ersten Schultag vorbereitet. Nach dem feierlichen ersten Klingelzeichen, das die Direktorin per Handglocke gibt, beginnt das Kulturprogramm: Litauische Volkstänze, schließlich trägt die Schule den Namen des litauischen Dichters Jurgis Baltrušaitis.

Danach werden die neuen Lehrer und Schüler vorgestellt und leisten einen Eid auf die Schulordnung. Anschließend betreten sie die Schule durch ein symbolisch errichtetes Tor, ehe unter reichlich Applaus und guten Wünschen erst die Kinder und dann die Eltern aus der Aula entlassen werden.

Während die Eltern anschließend im Speisesaal verköstigt werden und ein wenig Smalltalk halten, beginnt für Arischa und ihre Klassenkameraden der Ernst des Lebens. Immerhin: Am ersten Schultag gibt es nur eine Unterrichtsstunde.

Die Schüler müssen das Buch vorstellen, das sie im Sommer am liebsten gelesen haben. Und spätestens jetzt wird klar: Auch die längsten Ferien haben mal ein Ende.

Mehr: Warum Russlands Regierung das Pilzesammeln kontrollieren will

Startseite

Mehr zu: Weltgeschichte - So besonders feiern die Russen den ersten Schultag

0 Kommentare zu "Weltgeschichte: So besonders feiern die Russen den ersten Schultag"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.