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Weltgeschichten unserer Korrespondenten

Weltgeschichte Subbotnik - die russischen Helden der Feiertagsarbeit

Eine alte Tradition aus Sowjetzeiten hat sich in Russland bis heute gehalten: Der samstägliche Zusatzdienst zum Wohl der Gesellschaft.
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Freiwillige bemalen Futterhäuschen für Vögel bei einer Subbotnik-Aktion in Moskau. Die Tradition des zusätzlichen Dienstes an der Gesellschaft hatte einst Lenin begründet. Quelle: imago images / ITAR-TASS
Subbotnik

Freiwillige bemalen Futterhäuschen für Vögel bei einer Subbotnik-Aktion in Moskau. Die Tradition des zusätzlichen Dienstes an der Gesellschaft hatte einst Lenin begründet.

(Foto: imago images / ITAR-TASS)

Moskau Swetlana Wladimirowna schaut zufrieden in die Sonne und plaudert: Die schönste Zeit ihres Lebens habe sie als junge Erzieherin im ehemaligen Pionierlager Orljonok verbracht, erzählt sie. „Da herrschte so ein toller kollektiver Geist, einer war für den anderen da“, schwärmt sie.

Dann unterbricht sie sich plötzlich mit dem Warnruf: „Vorsicht mit der Farbe, sonst bekleckern Sie sich“. Zu spät: Ein paar Spritzer der sonnengelben Farbe sind auf meiner Jeans gelandet. Der Kittel, den mir die Kindergartenleiterin vorsichtshalber vor meinem Einsatz als freiwilliger Malergehilfe ausgehändigt hat, ist ein Stück zu kurz. Später wird mein grau-grüner Schal dafür noch einen blauen Farbklecks abbekommen, der sich nicht wieder herauswaschen lässt. Ein bleibendes Andenken an meinen ersten Subbotnik-Einsatz.

Vor genau 100 Jahren, am 10. Mai 1919, hatte die junge Sowjetrepublik den ersten Massen-Subbotnik veranstaltet. Über 200 Arbeiter beteiligten sich an dem samstäglichen Zusatzdienst der Eisenbahnlinie Moskau – Kasan. Vom Wort Samstag – russisch Subbota – erhielt das Phänomen auch seinen Namen. Revolutionsführer Lenin verfasste zu diesem Anlass seinen Artikel „Großer Beginn“, in dem er vom Heldentum der Arbeiterklasse beim Aufbau des Sozialismus sprach.

Die kommunistische Ideologie feierte die Subbotniks als Ausdruck des kommunistischen Bewusstseins der sowjetischen Bevölkerung. Diese stelle persönliche Bedürfnisse hintan, um bei der Errichtung des Staates zu helfen. Unentgeltlich und an Feiertagen! Zu Beginn waren wohl tatsächlich ideologische Beweggründe für die Beteiligten ausschlaggebend, doch schnell wurde aus der freiwilligen Anwesenheit eine Pflichtveranstaltung. Wer nicht mitmachte, galt als „politisch unzuverlässig“, eine gerade in den 30er-Jahren höchst gefährliche Einstufung. Die Russen sprachen daher ironisch von „erzwungen freiwilliger“ Beteiligung an den Subbotniks.

Galten die Subbotniks zunächst noch der Steigerung der Arbeitsproduktivität, so verwandelte sich ihr Sinn später in einen großen Frühjahrsputz. Und in dieser Form hat der Subbotnik selbst die Sowjetunion überlebt.

Noch heute rufen Städte und Gemeinden ihre Bürger nach der Schneeschmelze zum Wegräumen des wieder zutage tretenden Mülls, zur Begrünung der Parkanlagen und zur Auffrischung von Fassaden und Umzäunungen auf. Gerade das Streichen der Zäune ist ein alljährlich wiederkehrendes Ritual, das inzwischen allerdings weitgehend von Gastarbeitern aus Zentralasien übernommen wird.

In Kindergärten und Schulen hingegen müssen-dürfen die Eltern ran. Ganz so rigoros wie einst sind die Teilnahmeforderungen nicht mehr. Der moralische Druck – ausgeübt vom Elternkomitee im WhatsApp-Chat – erinnert freilich noch an „die gute alte Zeit“. Und so freut sich Swetlana Wladimirowna am Ende dieses Frühlingstags über den frisch gestrichenen Eingangsbereich und den ebenso strahlenden Spielplatz. Alles in himmelblau-sonnengelb. „Es geht doch nichts über ein tolles Kollektiv“, meint sie.

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