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Weltgeschichte Wie Mascha und der Bär die Welt eroberten

Folkloristisch angehaucht, aber mit moderner 3D-Computergraphik, erobert ein russischer Zeichentrickfilm die Herzen der kleinen Zuschauer – weltweit.
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Mascha

MoskauNun ist Mascha also auch noch ein Fußball-Star. Angesichts der Weltmeisterschaft im eigenen Land konnten die Macher der populären russischen Trickfilmserie das Thema natürlich nicht umgehen.

Und so streiten sich die beiden Protagonisten zunächst um die Fernbedienung, ehe sie beim Fußball landen und später demonstriert Mascha dann in drei weiteren Kurztrickfilmen, dass auch Mädchen mit dem runden Leder umgehen können – in der letzten Folge darf sie sogar einen Freistoß á la Ronaldo ins Eck zirkeln.

Dennoch wird das Fußball-Special wohl kaum irgendwann zu den Klassikern der Kultserie zählen. Ihm fehlt das, was die Serie ansonsten auszeichnet: Der anarchische Humor, die Anspielungen auf andere literarische Werke und natürlich das Mitleid der Zuschauer mit dem geplagten Bären.

„Ich mag den Mischka am liebsten“, meint so so der kleine Moskauer Yota. Der Siebenjährige, dessen Vater aus Japan stammt, kennt eine Menge Trickfilme – auch aus anderen Ländern. Aber „Mascha und der Bär“, „die sind wirklich lustig“, befindet er.

Inspiriert zu dem Trickfilm hat den Autor Oleg Kusowkow ein Stranderlebnis auf der Krim 1996: Dort beobachtete er ein kleines Mädchen, das mit einer solch überbordenden Energie und Neugier die Nerven von Eltern und Mitmenschen malträtierte, dass es sich Kusowkow tief ins Gedächtnis einprägte.

Weitere Inspiration habe er bei der US-Zeichentrickserie „Tom und Jerry“ gefunden, gestand Kusowkow zudem einmal. Doch „Mascha und der Bär“ ist keine bloße Kopie. Die Handlung geht weit über die Verfolgungsjagden des amerikanischen Vorbilds hinaus.

Die sowjetische Trickfilmschule, aus der Kusowkow hervorging, hat durchaus eine eigene bewegte Geschichte. Das in den 30er Jahren gegründete Filmstudio „Sojusmultfilm“ hat während seines inzwischen 80-jährigen Bestehens mehr als 1.500 Zeichentrickfilme produziert.

Dazu zählen klassische Märchenfilme wie die „12 Monate“, „Die Schneekönigin“, oder „Das bucklige Pferdchen“, aber auch experimentellere, nicht weniger erfolgreiche Werke wie die hippiemäßigen „Bremer Stadtmusikanten“, oder die mit subversiver Ironie ausgestattete Zeichentrickserie „Winnie Pooh“, die Puppentrickfilmreihe „Tscheburaschka“, oder der philosophisch angehauchte „Igel im Nebel“ von Juri Norstein.

Alle ziehen in Russland nach wie vor Kinder – und nicht wenige Erwachsene – in ihren Bann. Doch selbst die populärste sowjetische Trickfilmreihe „Nu Pogodi“ hatte international nie den Erfolg von „Mascha und dem Bären“.

Angefangen hat der Erfolgszug als Teil des russischen Sandmännchen-Pendants „Gute Nacht Kinder“ 2009. Doch schon nach wenigen Jahren waren der russische Bär und die ebenso folkloristisch mit Kopftuch gekleidete Mascha schon internationale Stars.

Die Herstellerfirma Animakkord hat 2016 wohl 300 Millionen Dollar Ertrag erzielt, mehr als die Hälfte davon durch Lizenzverkäufe für Reklame und Souvenirs. 40 Prozent der Einnahmen kommen aus dem Ausland. Inzwischen unterhält Animakkord ein Büro in Miami, um den Vertrieb in den USA und Lateinamerika anzukurbeln.

Unumstritten ist Mascha in Russland nicht. Eltern klagten schon, dass ihre Kinder sich das Verhalten Maschas zum Vorbild nähmen. Lidija Matwejewa, Psychologieprofessorin an der Lomonossow-Universität, warnte gar, dass Mascha „ungestraft soziale Normen verletzt“ und damit das traditionelle Erziehungsmodell gefährde.

Den Kindern sind diese Einschätzungen völlig egal, sie lachen weiter aus vollem Halse mit ihrer Heldin. Und deswegen wird es von Mascha und dem Bären wohl noch einige Fortsetzungen geben.

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