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Weltgeschichten unserer Korrespondenten

Schweiz Wie ein kleines Dorf als „Mini-Schweiz“ das bedingungslose Grundeinkommen testet

2500 Franken, jeden Monat, ohne etwas dafür zu tun: Die Künstlerin Rebecca Panian möchte in der Schweiz ein umstrittenes Prinzip ausprobieren.
24.07.2018 - 15:54 Uhr Kommentieren
„Dorf testet Zukunft“, heißt das Projekt, mit dem die Filmemacherin Rebecca Panian in Rheinau das bedingungslose Grundeinkommen testen will. Quelle: Keystone
Rebecca Panian

„Dorf testet Zukunft“, heißt das Projekt, mit dem die Filmemacherin Rebecca Panian in Rheinau das bedingungslose Grundeinkommen testen will.

Zürich Normalerweise schafft es Rheinau selten in die Nachrichten: Das idyllische 1300-Seelen-Dorf ist vor allem für seine Klosterinsel bekannt, der Rhein macht hier eine doppelte Schleife. Doch das hat sich geändert – denn das kleine Örtchen will eine spannende Frage klären: Wie sieht unser Leben aus, wenn wir für Geld nicht arbeiten müssen?

„Dorf testet Zukunft“ heißt das Projekt, mit dem die Filmemacherin Rebecca Panian in Rheinau das bedingungslose Grundeinkommen testen will. Ein Jahr lang sollen jede Rheinauerin und jeder Rheinauer monatlich rund 2500 Franken erhalten. Im vergangenen Monat erteilte die Gemeindeversammlung dem Plan ihren Segen. Doch noch ist das Experiment nicht in trockenen Tüchern. Schon vor zwei Jahren hatte die gesamte Schweiz über die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens abgestimmt.

Der Plan fiel zwar durch, doch immerhin jeder vierte Schweizer konnte sich für die Idee begeistern. Nun will Filmemacherin Panian im Kleinen versuchen, was im Großen nicht gelungen ist. Panian suchte per Videoaufruf nach einer „Mini-Schweiz“ – und wurde in Rheinau fündig. Das Dorf ähnele mit seiner Bevölkerungsstruktur dem ganzen Land, so die Filmemacherin. Panian möchte über das Experiment einen Dokumentarfilm drehen, zugleich soll ein vierköpfiges Forscherteam den Versuch begleiten.

Die Schweizer betreten damit Neuland: Zwar gab es bereits ein ähnliches Experiment in Finnland, dort erhielten Bürger jedoch lediglich 600 Euro. Laut Panian sei das Projekt nicht vergleichbar. Das bedingungslose Grundeinkommen gilt als eine mögliche Lösung für die Herausforderungen, vor denen die traditionelle Arbeit steht – und hat prominente Fürsprecher. So glaubt etwa Götz Werner, der Gründer der Drogeriemarktkette dm, dass es für mehr Gerechtigkeit sorgt, weil prekäre Jobs dann besser entlohnt werden müssten.

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    Auch der Philosoph Richard David Precht hat sich für die Idee stark gemacht. Das Einkommen könne als Ersatz dienen, wenn traditionelle Jobs durch Digitalisierung und Automatisierung verdrängt werden.

    Kritiker wenden dagegen ein, dass das bedingungslose Grundeinkommen für den Staat kaum zu finanzieren wäre. Der Politikwissenschaftler Christoph Butterwegge sieht darin sogar einen Angriff auf den Wohlfahrtsstaat: „Wer schon reich ist, braucht es nicht, für die Armen reicht es nicht.“

    Auch in Rheinau sorgt das Projekt für Gesprächsstoff. Werden sie ihr Leben dank des bedingungslosen Grundeinkommens auf Kosten der anderen leben – oder nutzen sie die neue Freiheit sinnvoll? Gemeindepräsident Andreas Jenni sieht das Experiment positiv: „Ein solcher Versuch macht die Politik fassbarer“, sagte er der „Neuen Zürcher Zeitung“.

    Den Plänen zufolge sollen die Familien in Rheinau für jedes Kind bis 18 Jahren 625 Franken im Monat erhalten. Junge Erwachsenen erhalten abgestufte Beträge. Für alle über 25 Jahre soll es 2500 Franken geben. Doch ganz „bedingungslos“ ist das Grundeinkommen nicht: Wer mehr Geld verdient oder als Sozialleistung erhält, soll das Geld zurückerstatten.

    Geschätzte drei bis fünf Millionen Franken dürfte das Vorhaben kosten. Der Haken dabei: Das nötige Geld ist noch nicht zusammen. Filmemacherin Panian will es per Crowdfunding einwerben. Wer nun aber darüber nachdenkt, schnell nach Rheinau zu ziehen, ist zu spät: Mitmachen dürfen nur Einwohner, die vor dem 5. Juni gemeldet waren. 

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