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Weltgeschichten unserer Korrespondenten

Weltgeschichte Warum die Schweizer doch ein ehrliches Volk sind

Dinge in der Schweiz zu verlieren, ist gar nicht so einfach, zeigt eine Studie. Unser Schweiz-Korrespondent hat es trotzdem versucht. Ein Experiment mit glücklichem Ausgang.
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Stadtansicht von Zürich: Das Hotel Storchen, die Türme der Kirchen Fraumünster and St. Peter und der Fluss Limmat. Quelle: Reuters
Zürich

Stadtansicht von Zürich: Das Hotel Storchen, die Türme der Kirchen Fraumünster and St. Peter und der Fluss Limmat.

(Foto: Reuters)

Zürich Vor einer Weile habe ich in der Zürcher Straßenbahn mein Telefon verloren. Das Tram, bei dem es sich in der neutralen Schweiz tatsächlich um ein Neutrum handelt, war weg. Mein Smartphone auch. Ich rechnete mit einem Diebstahl, wollte den Verlust meinem Mobilfunkbetreiber melden. Aber ich hatte die Rechnung ohne die Schweizer gemacht.

In Deutschland gelten die Eidgenossen als verschwiegen und eigenwillig, mitunter gar egoistisch. Britische Politiker schimpften die Privatbankiers früher die „Gnome von Zürich“. Und wegen der Heimlichtuerei der Banken drohte der damalige Finanzminister Peer Steinbrück den Eidgenossen einst gar mit der „Kavallerie“. Dabei sind die Schweizer im Alltag ziemlich ehrliche Leute.

So ehrlich, dass sich der Reporter eines Nachrichtenportals vor einer Weile einen Spaß daraus machte, seine Geldbörse in Zürich absichtlich zu verlieren. Wieder und wieder ließ er sie, scheinbar versehentlich, auf die Straße fallen. Und wieder und wieder hob ein Passant sie auf und trug sie ihm hinterher. Fazit: Dinge in der Schweiz zu verlieren, ist gar nicht so einfach.

Die Aufrichtigkeit der Schweizer ist jetzt sogar statistisch belegt. In einer aktuellen Studie haben Ökonomen aus den USA und der Schweiz die Ehrlichkeit in verschiedenen Ländern überprüft. „Ehrliches Verhalten ist ein zentrales Merkmal des ökonomischen und sozialen Lebens“ schreiben Alain Cohn, Michel André Maréchal, David Tannenbaum und Christian Lukas Zünd im Magazin „Science“. Die Schweizer haben das offenbar längst erkannt – denn sie schneiden in der Studie besonders gut ab.

Um die Ehrlichkeit zu vermessen, machten die Ökonomen den Geldbeutel-Test gleich im ganz großen Stil: Helfer besuchten 355 Städte in 40 Ländern und gaben insgesamt rund 17.000 Geldbörsen ab. Die Tester wandten sich dabei stets an Banken, Theater, Museen, Postämter, Hotels oder öffentliche Stellen wie etwa Polizeistationen.

Schweizer ehrlicher als Dänen, Niederländer und Deutsche

In den Geldbörsen hatten die Forscher Visitenkarten platziert. Das Ergebnis: Die Schweizer liegen in Sachen Ehrlichkeit noch vor Dänemark und den Niederlanden, Deutschland folgt auf Platz neun. Aber in allen Ländern waren die Menschen ehrlicher, als die Forscher erwartet hatten. Und noch ein Ergebnis hat die Forscher überrascht: Je dicker die Geldbörse, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass sie zurückgegeben wird. Ihre Erklärung: Menschen wollen nicht als Diebe betrachtet werden.

Auch mein unfreiwilliges Experiment fand einen glücklichen Ausgang. Als ich am heimischen Computer die Hotline meines Mobilfunkbetreibers suchen wollte, fand ich die Mail eines freundlichen Schweizers im Postfach: „Grüezi! Habe Ihr Natel gefunden. Sie können es hier abholen“. Mein Glück: Im Etui hatte meine Visitenkarte gesteckt - und der Finder war aufrichtig.

Trotzdem will ich den Versuch lieber nicht wiederholen. Ab jetzt kontrolliere ich, ob mein Smartphone noch da ist, bevor ich aus dem Tram steige. Ehrlich!

Mehr: 12.000 Touristen aus China lassen in Luzern die Kassen klingeln.

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