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Weltgeschichte Warum sich die Schweizer mit der Einführung der Elternzeit schwer tun

In der Schweiz blockieren seit Jahren konservative Kräfte die Einführung von Elternurlaub. Jetzt prescht der Pharmakonzern Novartis vor.
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Ein Mann hält ein Baby auf dem Arm. In der Schweiz gibt es per Gesetz bislang nur einen einzigen Tag Vaterschaftsurlaub. Der Schweizer Pharmakonzern Novartis prescht jetzt mit einer für Schweizer Verhältnisse großzügigen Vaterschaftsregelung voran. Quelle: dpa
Junger Vater

Ein Mann hält ein Baby auf dem Arm. In der Schweiz gibt es per Gesetz bislang nur einen einzigen Tag Vaterschaftsurlaub. Der Schweizer Pharmakonzern Novartis prescht jetzt mit einer für Schweizer Verhältnisse großzügigen Vaterschaftsregelung voran.

(Foto: dpa)

ZürichPapa werden ist nicht schwer, Papa sein dagegen sehr - zumindest in der Schweiz. Denn eine Elternzeit wie in Deutschland und vielen anderen europäischen Ländern gibt es in der Eidgenossenschaft nicht. Laut Gesetz steht Vätern bei der Geburt eines Kindes nur ein einziger bezahlter Urlaubstag zu.

Der Pharmariese Novartis will nun nicht länger auf eine gesetzliche Regelung warten. Jetzt hat Firmenchef Vas Narasimhan angekündigt, dass sich frischgebackene Väter ab diesem Sommer insgesamt 14 Wochen Vaterschaftsurlaub nehmen dürfen – mehr als bei jedem anderen Schweizer Unternehmen. Wenn Väter sich für unbezahltem Urlaub entscheiden, dürfen sie sich sogar ein Jahr frei nehmen.

Damit ziehen die Novartis-Väter im Vergleich zu Eltern in Deutschland zwar noch immer den Kürzeren – hierzulande besteht ein gesetzlicher Anspruch auf Elternzeit von bis zu 14 Monaten bei zwei Drittel des Nettoeinkommens. Doch für Schweizer Verhältnisse sind die neuen Novartis-Regeln geradezu luxuriös. Seit Jahren diskutieren Schweizer Politiker über die Einführung eines gesetzlichen Vaterschaftsurlaubs oder gar einer Elternzeit, die sich beide Partner aufteilen können. Passiert ist seitdem: nichts.

Dass es Müttern in der Schweiz lange Zeit nicht besser ging, ist da nur ein kleiner Trost. Noch zur Jahrtausendwende befanden sie sich in einer grotesken Situation: Sie durften nach der Geburt qua Gesetz nicht arbeiten, waren finanziell aber auch nicht abgesichert. Mütter mussten etwa Voraus Geld zurücklegen oder waren auf ihren Ehemann angewiesen. Erst im Jahr 2005 konnten sich die Eidgenossen zur Einführung des Mutterschaftsurlaubs durchringen.

Die Väter müssen weiter warten. Während die meisten Nachbarländer längst eine Elternzeit eingeführt haben, hadert die Schweiz noch mit der Einführung von einigen Wochen Vaterschaftsurlaub. Dabei zeigte eine Studie der Eidgenössischen Koordinationskommission für Familienfragen im vergangenen Jahr, dass sich die Elternzeit nicht nur positiv auf die Gesundheit von Mutter und Kind auswirkt, sondern auch auf die Wirtschaft.

Das Gremium schätzte die Kosten der Elternzeit auf 1 bis 1,5 Milliarden Franken – mit der Erhöhung der Erwerbsquote von Frauen um ein Prozent und die dadurch generierten Steuereinnahmen wären die Kosten einer 18-wöchigen Elternzeit bereits gedeckt. Durchsetzen konnte sich die Kommission mit ihren Plänen trotzdem nicht – ihr Vorschlag gilt für Schweizer Verhältnisse als zu extrem.

Arbeitgeber- und Gewerbeverband fürchten zusätzliche Kosten. Und die Schweizerische Volkspartei läuft gegen die Pläne Sturm. Sie wittert einen staatlichen Eingriff ins Familienleben. Im Parteiprogramm heißt es: „Die SVP (…) lehnt einen staatlich diktierten Vaterschafts- oder Elternurlaub ab“.

Bei vielen Schweizern treffen die Rechtskonservativen damit durchaus einen Nerv. Kinder zu erziehen, gilt noch immer als Privatsache – um die sich in erster Linie die Mütter zu kümmern haben. „Wenn ich meine Kinder in den Hort bringe, muss ich mir anhören, dass ich mich nicht genügend um sie kümmere“, berichtet eine Managerin, die Job und Familienleben unter einen Hut bringen möchte.

Doch werdende Eltern können hoffen. Nicht nur der Vorstoß von Novartis verschafft dem Thema neue Aufmerksamkeit. Auch im Berner Bundeshaus bewegt sich was. Nachdem eine Volksinitiative eine vierwöchige Elternzeit für Väter gefordert hat, arbeitet das Parlament an einem Gegenvorschlag, dem durchaus Chancen eingeräumt werden. Doch bis daraus ein Gesetz wird, dürfte es noch viele Monate dauern. Der Urlaub für Väter ist eine schwierige Geburt.

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