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Weltgeschichten unserer Korrespondenten

Weltgeschichte Professor Weißwäscher: Korruptions-Experte wegen Geldwäsche angeklagt

Ein führender Experte für Geldwäschefälle hat offenbar selbst Geld gewaschen. Doch es bleiben Widersprüche: Die Summe ist zu klein, als dass ein rationaler Mensch dafür seine Karriere aufs Spiel setzen würde.
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Der Professor soll 2,5 Millionen Dollar gewaschen haben.
Geldwäsche

Der Professor soll 2,5 Millionen Dollar gewaschen haben.

Salvador Wenn ein Journalist in Lateinamerika in den letzten Jahren einen Experten zum Thema Geldwäsche, Drogenkrieg und -schmuggel sprechen wollte, dann wurde oft er befragt: Bruce Bagley, Professor für internationale Studien an der Universität von Miami.

Der 73-jährige Schnellredner und -denker mit der weißen Mähne und Bart kennt sich mit dem Thema aus. Bagley hatte das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen genauso beraten wie zahlreiche US-Behörden und auch die Regierungen Kolumbiens, Ecuadors, Boliviens, Panamas und Mexikos. Er war wiederholt bei Anhörungen vor dem US-Kongress über Lateinamerika sowie als Sachverständiger für Drogenhandel und organisierte Kriminalität in Lateinamerika aufgetreten.

Zuletzt sagte er vor wenigen Monaten noch bei der Opioid-Anhörung im US-Senat als Experte aus. Auch die Friedrich-Ebert-Stiftung veröffentlichte Gespräche mit ihm zur organisierten Kriminalität. In seinem Standardwerk „Drug Trafficking, Organized Crime and Violence in the Americas Today“ wies er vor vier Jahren darauf hin, dass Geldwäsche als Teil des Drogengeschäfts besonders schnellen Reichtum verschaffe.

Irgendwann scheint es Bagley gereizt zu haben, das mal selbst zu testen. Die Justiz in New York klagt ihn jetzt an, insgesamt 2,5 Millionen Dollar für einen kolumbianischen Verbindungsmann gewaschen zu haben. Das Geld wurde aus der Schweiz und den Vereinigten Arabischen Emiraten in mehreren Tranchen auf das Konto von Bagleys Firma in Miami überwiesen.

Das Geld kam von einem Lebensmittelkonzern und einem Vermögensberater. Es soll sich jedoch – so die Staatsanwaltschaft – um abgezweigte Gelder aus Venezuela handeln. Professor Bagley kannte die Herkunft des Geldes damals und schloss trotzdem mehrere Scheinverträge ab, um es zu verbergen, so die Anklage.

Simpler Geldwäschevorgang

Bagley soll das eingegangene Geld dann jeweils in einem Geldscheck einem Unbekannten in seiner Bankfiliale übergeben haben. Zehn Prozent der Summe zweigte er sich jedes Mal als Beteiligung oder Bearbeitungsgebühr auf sein Privatkonto ab.

In einem Interview gegenüber dem TV-Nachrichtensender Vivoplay aus Caracas ist die Geldwäscheexpertin Marta Calamar offensichtlich verblüfft darüber, wie einfältig Bagley vorgegangen ist. „Es ist ein so simpler Geldwäschevorgang, wie ein Anfänger, dass man den Eindruck hat, Bagley wollte das gar nicht verstecken“, sagt Calamar.

Tatsächlich scheint die Summe zu klein, als dass ein halbwegs rationaler Mensch dafür seine gesamte Karriere aufs Spiel setzen würde. Die Frage ist jetzt: Wusste Bagley es nicht besser, weil er in seinem akademischen Elfenbeinturm lebte und von den in den letzten Jahren immer raffinierter gewordenen Gelwäschemechanismen keine Ahnung hatte? Hielt er sich für unantastbar? Oder ist er tatsächlich unschuldig?

Bagley erklärt alles als ein „Missverständnis“. Gegen 300.000 Dollar auf Kaution wurde er jetzt freigelassen. Wenn er verurteilt wird, drohen im 20 Jahre Haft. Seinen geplanten Kurs über „Drogenhandel in Lateinamerika“ an der Universität in Miami für das erste Semester 2020 hat die Fakultät jetzt abgesagt. Er wolle das alles seinen Studenten persönlich erklären.

Mehr: Wer viel Geld erbt oder gewinnt, braucht einen guten Plan – und der hängt entscheidend vom Alter ab. Experten machen Vorschläge für Jung und Alt.

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