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Afrika Warum Robert Mugabe Simbabwe immer noch im Griff hat

Obwohl der Diktator im vergangenen Jahr gestürzt und ein neuer Präsident gewählt worden ist, spielt er in Simbabwe immer noch eine große Rolle – und nutzt das für sich.
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Rund acht Monate nach dem Militärputsch und seinem Rücktritt versucht Langzeitpräsident Robert Mugabe immer noch Einfluss in Simbabwe zu nehmen. Quelle: dpa
Robert Mugabe

Rund acht Monate nach dem Militärputsch und seinem Rücktritt versucht Langzeitpräsident Robert Mugabe immer noch Einfluss in Simbabwe zu nehmen.

(Foto: dpa)

KapstadtWochenlang hatte er eisern geschwiegen. Doch am Ende, nur einen Tag vor den Parlaments- und Präsidentschaftswahlen in Simbabwe, hatte sich Robert Mugabe schließlich doch noch zu Wort gemeldet. Auf einer spontan einberufenen Pressekonferenz im Garten seiner Luxusvilla in der Hauptstadt Harare erklärte der im November vom Militär gestürzte Despot, er werde bei den Wahlen nicht für jene Partei stimmen, die ihm fast 40 Jahre lang sklavisch gefolgt war und seine Macht zementiert hatte.

„Ich kann nicht für diejenigen stimmen, die mich am Ende verraten haben“, klagte der inzwischen 94-Jährige mit Verweis auf seinen Nachfolger Emmerson Mnangagwa, der den Urnengang später gewann. Ob Mugabes Parteinahme für die Opposition den Wahlausgang zugunsten seines Nachfolgers beeinflusst hat, lässt sich nicht mit Gewissheit sagen. Sicher ist nur, dass nicht wenige Wähler von seiner Wahlempfehlung eher abgeschreckt gewesen sein dürften.

Mugabe selbst ist ganz der Alte geblieben: rachsüchtig, nachtragend, dünnhäutig und vor allem machthungrig. Dass er sich, anders als seine Frau, lange Zeit eher wenig aus Geld machte, konnte man an seinem spartanisch möblierten Büro ablesen: Ein uraltes tragbares Radio stand dort, ein alter Computer, die ganze Einrichtung völlig antiquiert. „Nein“ war sich seine inzwischen verstorbene Biografin Heidi Holland nach einem Besuch sicher, „ein Materialist ist Mugabe nicht. Sein Aphrodisiakum ist die Macht.“

Für viele Simbabwer ist Mugabes Sturz in die Bedeutungslosigkeit gerade deshalb eine große Genugtuung – und Befreiung. Während die Menschen vor allem in den letzten 20 Jahren seiner langen Herrschaft mit hoher Arbeitslosigkeit und Hyperinflation kämpfen mussten, lebte seine Familie ein Leben in Saus und Braus, allen voran die Söhne Chatunga und Robert Jr., die beide den Hang der Mutter zum Luxus teilen.

Auch für die von ihrem Vater so geschätzte Bildung (Mugabe hat sechs Universitätsabschlüsse) haben sich die Söhne nie interessiert: Chatunga flog von einer katholischen Privatschule in Harare, Robert Jr. von einer Universität in Dubai. Derzeit leben die beiden im Johannesburger Luxusvorort Sandton und sind dort für eher bizarre Auftritte bekannt.

Vor einem Jahr kam es bei einem Besuch der Mutter zum Eklat: Grace Mugabe prügelte dabei ein Fotomodel, das sich in der Hotelsuite der Söhne aufgehalten hatte, mit einem Verlängerungskabel krankenhausreif. Dank ihrer diplomatischen Immunität entkam sie jedoch damals einem Gerichtsverfahren.

Grace Mugabe, wegen ihres Schuhfetischs auch als „Gucci Grace“ bekannt, gilt unter Beobachtern als Hauptgrund für die Metamorphose ihres Mannes: Die First Lady war seine Sekretärin im Präsidentenamt, als Mugabe mit seiner ersten Frau Sally verheiratet war. Als die aus Ghana stammende und im Volk beliebte First Lady 1992 starb, kam die bis dahin geheime Liaison mit Grace an die Öffentlichkeit.

Noch immer genießt Mugabe viele Vorzüge

Seiner 40 Jahre jüngeren und extrem verschwendungssüchtigen Gattin wollte Mugabe nun die Welt zeigen – und vor allem, wie bedeutsam er war. Es verging kaum ein Monat, in dem beide nicht ins Ausland reisten, wo er sich feiern ließ – und sie unverfroren auf Staatskosten shoppte.

Am Ende stachelte die Instant-Akademikerin, die nach nur drei rekordverdächtigen Monaten von ihrem Gatten höchstpersönlich den Doktortitel erhielt, ihren Mann sogar dazu an, im Land eine Familiendynastie zu errichten – mit ihr als Nachfolgerin. Eine fatale Fehlentscheidung, mit der Mugabe den Bogen überspannte – und das Militär auf den Plan rief.

Obwohl Mugabe sein Land in Grund und Boden gewirtschaftet hat, genießt der Diktator noch immer all die Vorzüge des höchsten Staatsamtes. Einer offiziellen Mitteilung zu Jahresbeginn ist zu entnehmen, dass er trotz seiner Verbalangriffe auf seinen Nachfolger ein für sich und seine Familie extrem generöses Ruhestandspaket aushandeln konnte: So haben die Mugabes Anspruch auf 25 Angestellte, ein Büro, zwei Immobilien, eine Autoflotte und ein Spesenkonto.

Dazu zählen ein offizieller Wohnsitz in Harare, sechs Sicherheitsbeamte und jeweils zwei Fahrer, Privatsekretäre, Gärtner, Köche, Kellner und Hausangestellte. Auch erhält die Familie diplomatischen Status, Flug- und Zugreisen in der ersten Klasse und an jedem Besuchsort eine Luxuskarosse zur freien Verfügung.

Das i-Tüpfelchen ist jedoch, dass Simbabwe dem staatlichen „Herald“ zufolge fortan den Geburtstag des Diktators am 21. Februar als „Robert Mugabe National Youth Day“ feiern wird – ein Schlag ins Gesicht von Millionen junger Menschen, denen Simbabwes Gründervater mit seiner desaströsen Politik die Zukunft gestohlen hat.  

Die Figur Mugabes hat somit etwas typisch Afrikanisches. Gerade die Rolle des Gründervaters der Nation, die Mugabe anfangs sogar mit einigem Erfolg spielte, ist beispielhaft für die Art politischer Führung in Schwarzafrika. So vorteilhaft es einst auch gewesen sein mag, dass der Präsident zunächst als personelle Klammer eines oft heterogenen Gemeinwesens diente, so groß sind die Nachteile dieser Stellung.

Denn sie führte fast überall zunächst zu einem starken Autoritarismus, der dann fast immer in einer kaum verbrämten Diktatur wie dann auch in Simbabwe mündete – mit den bekannten Folgen für die Menschen- und Bürgerrechte. Und natürlich für die Privatkonten des Amtsinhabers und seine weit verzweigte Entourage.

 

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