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Weltgeschichten unserer Korrespondenten

Südafrika Kapstadt ist für die nächste Dürre gewappnet

Dank eines harten Wassersparprogramms und eines durchschnittlichen Regenwinters ist die Wasserversorgung von Kapstadt in diesem Sommer gesichert.
06.11.2018 - 14:55 Uhr Kommentieren
Im vergangenen Sommer in Südafrika waren weite Teile des Landes ausgetrocknet. Es sah sogar so aus, als würde die Wasserversorgung zusammenbrechen. Inzwischen hat es aber ausreichend geregnet. Quelle: mauritius images
Dürre in Südafrika

Im vergangenen Sommer in Südafrika waren weite Teile des Landes ausgetrocknet. Es sah sogar so aus, als würde die Wasserversorgung zusammenbrechen. Inzwischen hat es aber ausreichend geregnet.

(Foto: mauritius images)

Kapstadt Wer mit dem Flugzeug von Kapstadt nach Johannesburg fliegt, überquert nach kurzer Zeit einen der größten Stauseen Südafrikas. Über dem Theewaterskloof-Damm, also genau dort, wo sich seit 1978 eine riesige Wasserfläche erstreckte, schauten Flugreisende noch vor einem halben Jahr fast nur auf sonnenverbrannte Erde, aus der vereinzelt ein paar kahle Baumstämme ragten.

Der gesamte Westteil des Stausees, der Kapstadt mit rund 40 Prozent seines Trinkwassers versorgt, war komplett trocken, die Brücken ohne jede Funktion. Insgesamt war der lebenswichtige Damm im April dieses Jahres zu nur noch wenig mehr als zehn Prozent gefüllt – und damit an seinem absoluten Nutzungslimit angelangt.

Kein Wunder, dass damals Horrorszenarien eines „Day Zero“ am Kap weltweit die Runde machten – des Tages, an dem die Wasserversorgung der Vier-Millionen-Stadt kollabieren und Kapstadt als erste Metropole weltweit sprichwörtlich austrocknen würde.

Sechs Monate später könnte die Lage unterschiedlicher kaum sein. „Dank eines endlich wieder einmal durchschnittlich nassen Winters und rigoroser Wassersparmaßnahmen hat sich der Zustand extremer Wasserknappheit in eine komfortable Lage mit vergleichsweise viel Wasser verkehrt“, konstatiert Tom Brown, ein zum Obstfarmer mutierter Geschäftsmann, dessen detaillierte Berichte zur Wasserkrise am Kap in diesem Jahr Pflichtlektüre waren.

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    Lagen die Stände der sechs Dämme, aus denen Kapstadt bis vor Kurzem den größten Teil seines Wasserbedarfs zog, im vergangenen November im Schnitt bei 38 Prozent, sind es nun mit 74 Prozent fast doppelt so viel. Sogar der Theewaterkloof-Damm hat kräftig zugelegt, auch wenn er mit einem Pegelstand von derzeit rund 57 Prozent noch immer ein ganzes Stück hinter den anderen Dämmen herhinkt.

    „Die Natur hat uns in diesem Jahr ausreichend Wasser für mehr als 18 weitere Monate geschenkt – mehr als genug, um uns zumindest durch ein weiteres Dürrejahr zu tragen“, frohlockt Brown.

    Dass die Kehrtwende gelang, hat neben der vergleichsweise guten Regenzeit vor allem damit zu tun, dass am Kap inzwischen um jeden Tropfen Wasser gerungen wird: Fast ein halbes Jahr lang durfte jeder „Capetonian“ maximal 50 Liter am Tag verbrauchen, was einer Waschmaschinenladung oder fünf Klospülungen entspricht. Knapp  zwei Liter waren jeweils zum Trinken, Kochen sowie zur täglichen Hygiene erlaubt. Und eine Dusche durfte allenfalls 90 Sekunden dauern, was 15 Litern entspricht.

    Auch die Gastronomie reagierte spontan: Einige Restaurants offerierten statt Pasta gedünstete Gemüsesorten, die auch mit Meerwasser zubereitet werden konnten. Und mancherorts malten Schüler im Kunstunterricht  nicht mehr mit Wasserfarben, weil das Ausspülen der Pinsel zu viel Wasser gekostet hätte.

    Allerdings hat das Szenario eines Day Zero auch viele Touristen abgeschreckt. Die Buchungen aus Europa gingen nach Zahlen der Investitionsagentur der Region Westkap (Wesgro) im April jedenfalls um fast zehn Prozent zurück. Dabei sind die Touristen nur für knapp ein Prozent des Wasserverbrauchs verantwortlich – und essenzieller Bestandteil der lokalen Ökonomie.

    Nachdem es nach drei extremen Trockenjahren in Serie nun endlich wieder normal geregnet hat, scheint die Metropole am Kap der guten Hoffnung schon deshalb auf lange Sicht gerettet, weil die Stadtverwaltung insgesamt weit besser vorausgeplant hat, als viele Kritiker glauben. So sind die Verantwortlichen seit fast zehn Jahren dabei, die Wasserversorgung auf eine breitere Grundlage zu stellen und die bis vor Kurzem extreme  Abhängigkeit vom Dammwasser drastisch zu reduzieren:  Dazu gehört der (gegenwärtig eher langsam voranschreitende) Bau kleiner, aber teurer Entsalzungsanlagen sowie das Anzapfen bislang ungenutzter Grundwasserspeicher auf den sandigen Kap-Ebenen.

    Die Folge: Inzwischen stammen fast zehn Prozent des Kapstädter Trinkwassers aus einer Quelle jenseits der Stauseen. Mitte 2019 soll der Anteil bereits bei erstaunlichen 30 Prozent liegen. „Wir haben für dieses zusätzliche Wasser viel Geld gezahlt und werden das auch weiter tun, aber sollten das nun verfügbare Wasser deshalb auch wieder etwas großzügiger als zuletzt nutzen“, sagt Brown. Zumal es viel Geld kostet, um Frischwasser und Rostschutzmittel durch Gullis und unterirdische Kanäle zu spülen, damit diese wegen des (durch die Sparmaßnahmen bedingten) wenigen Abwassers im Sommer nicht stinken und vergammeln.

    Die Stadtregierung hat inzwischen reagiert und die extrem scharfen Restriktionen leicht gelockert: Seit Anfang Oktober dürfen in Kapstadt nun wieder 80 Liter Wasser pro Person und Tag verbraucht werden. Angesichts der guten Dammstände und des Mentalitätswandels bei den Nutzern wird nun sogar darüber nachgedacht, vielleicht schon mit Beginn der Ferienzeit im Dezember bis zu 100 Liter Wasser pro Person am Tag zu erlauben und gleichzeitig auch das zumindest partielle Bewässern von Gärten sowie auch das Auffüllen von Swimming Pools.

    Mit den Zugeständnissen würde die Stadt eine  einzigartige Leistung belohnen: Seit Beginn der Dürre im Jahr 2015 haben die Kapstädter nämlich ihren täglichen Wasserverbrauch um sagenhafte 60 Prozent gesenkt – ein Rückgang, der von Experten als „weltweit beispiellos“ gelobt wird, gerade im Vergleich mit anderen Metropolen. So verbraucht zum Beispiel jeder der rund 22 Millionen Einwohner von Mexiko-Stadt nach einer Studie der staatlichen Universität UNAM rund 300 Liter pro Tag. Was schon bald dazu führen könnte, dass die größte Stadt Lateinamerikas ohne ein grundsätzliches Umdenken der nächste Kandidat für einen Wassernotstand werden könnte.

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