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Weltgeschichten unserer Korrespondenten

Südafrika Warum die Dürre in Kapstadt ausfällt

In der Region Kapstadt hatten alle Experten für dieses Frühjahr mit einer Jahrhundert-Dürre gerechnet. Doch die Katastrophe kann abgesagt werden – vorerst.
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Ben Peters, ein Wasserbauingenieur der Stadt, beaufsichtigt den Aufbau einer Meerwasser-Entsalzungsanlage in Strandfontein, einem Vorort von Kapstadt. Quelle: dpa
Wasserkrise in Kapstadt

Ben Peters, ein Wasserbauingenieur der Stadt, beaufsichtigt den Aufbau einer Meerwasser-Entsalzungsanlage in Strandfontein, einem Vorort von Kapstadt.

(Foto: dpa)

Kapstadt Wie schnell sich das Blatt wenden kann: Wochenlang hatten seit Jahresbeginn Horrormeldungen über den sogenannten „Day Zero“ die Berichterstattung über Kapstadt und seine Wasserkrise bestimmt - den Tag, an dem die Wasserversorgung der Vier-Millionen-Stadt zusammenbrechen und Kapstadt als erste Metropole weltweit sprichwörtlich austrocknen würde.

Von einem unaufhaltsamen Kollaps der Stadt war die Rede und von Chaos und Anarchie im Kampf der Menschen um das Wasser. Soldaten sollten, so hieß es, an Day Zero jede der rund 200 öffentlichen Wasserausgabestellen besetzen, an denen sich die Kapstädter ihre Wasserration von dann nur noch 25 Liter am Tag abholen sollten.

Deutsche Zeitungen malten besonders düstere Szenarien, vielleicht auch deshalb, weil sich viele in ihrer Warnung vor dem Klimawandel bestätigen sahen – und glaubten, mit Kapstadt das optimale Anschauungsobjekt gefunden zu haben.

Umso mehr verblüfft, wie wenig nun gerade in den deutschen Medien über die vor drei Wochen gegebene Entwarnung zur Wasserkrise am Kap zu lesen ist: Nachdem der kritische Tag zunächst von Mitte April über Anfang Juni bis in den späten August gewandert war, verkündete die in Kapstadt tonangebende liberale Oppositionspartei Demokratische Allianz (DA) in Gestalt ihres Vorsitzenden Mmusi Maimane Mitte März, dass Day Zero für dieses Jahr nun ganz abgesagt worden sei – und das, obwohl bislang noch niemand weiß, wie der für Kapstadt so wichtige Winterregen zwischen Mai und August in diesem Jahr ausfallen wird.

Gewagt ist die Absage aber auch deshalb, weil 2017, nach zwei bereits sehr schwachen Regenjahren, das regenärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen am Kap vor fast 100 Jahren war - eine Abfolge an Dürrejahren wie sie statistisch eigentlich nur alle 400 Jahre vorkommen dürfte.

War die ganze Aufregung also nur Panikmache, oder ist die Apokalypse womöglich nur verschoben? Sicher ist, dass die Lage zu Jahresbeginn am Kap bitter ernst war – und nicht wenige Experten, wie etwa Kevin Winter von der Universität Kapstadt, Day Zero für fast unausweichlich hielten. Die daraufhin mit viel Elan gestartete Kampagne zum Wassersparen zeigte dann jedoch sofort Wirkung.

Seit Beginn der Dürre im Jahr 2015 hat die südafrikanische Küstenmetropole ihren täglichen Wasserverbrauch jedenfalls um sagenhafte 60 Prozent reduziert - ein Rückgang, der von Experten als „weltweit beispiellos“ beschrieben wird. Der Rückgang ist umso bemerkenswerter als die Kapstädter noch vor drei Jahren im Schnitt mit täglich 235 Litern Wasser pro Person sogar mehr als der weltweite Durchschnitt von 160 Litern pro Person am Tag verbraucht hatten.  

Daneben hat die drohende Katastrophe die Stadtverwaltung rechtzeitig dazu bewogen, nicht mehr wie bislang einfach auf den Regen zu warten, sondern die Wasserversorgung über die nächsten fünf Jahre auf eine weit breitere Grundlage zu stellen. Allein in den nächsten beiden Jahren werden deshalb rund 250 Millionen Euro in alternative Wasserquellen fließen, wie das Anbohren von Grundwasser, die Entsalzung von Meerwasser und die stärkere Aufbereitung von Abwasser.

Auch hat die für Kapstadt und das Umland so wichtige Landwirtschaft in der Not eine zentrale Rolle gespielt: Mit dem Ende der Erntezeit im Februar ging der Verbrauch gerade hier drastisch zurück, Aber nicht nur das: Landwirte aus einer von der Dürre verschonten Region nordöstlich von Kapstadt spendeten mehr als zehn Milliarden (!) Liter Wasser aus ihren prall gefüllten Reservoirs. Allein damit kann der Wasserverbrauch der Stadt nun fast einen weiteren Monat lang gedeckt werden.

Dennoch ist Vorsicht geboten. Wasserexperte Winter weist darauf hin, dass mit der Entwarnung wieder der alte Schlendrian einsetzen, und Anreize zum Wassersparen schwinden könnten, wie der rasche Anstieg des Verbrauchs um fast 10 Prozent in den Tagen nach der Entwarnung zeigt.

Auch haben die zum Teil apokalyptischen Medienberichte über ein vermeintliches Austrocknen der Stadt dem wichtigen Tourismus Schaden zugefügt. Nicht wenige Urlauber, darunter auch viele umweltbewusste Deutsche, haben geplante Reisen ans Kap vorsorglich storniert, um nicht Teil des Problems zu werden. Dabei ging es bei den Warnungen an Touristen vornehmlich darum, auch diese zum Wassersparen zu animieren, zumal der von ihnen verbrauchte Teil am Gesamtvolumen vergleichsweise gering ist.

Am Alltagsleben am Kap dürfte sich kurzfristig ohnehin wenig ändern: so bleibt Sparstufe 6b beim Wasserverbrauch weiterhin in Kraft. Demnach dürfen Kapstadts Bürger eigentlich nur 50 Liter pro Person am Tag verbrauchen – für die persönliche Hygiene über die Klospülung bis zur Waschmaschine. Bei höherem Verbrauch steigen die Gebühren drastisch.

Auch dürfte es selbst bei einer guten Regenzeit zwischen Mai und August vermutlich längere Zeit dauern bis der extreme Wassermangel in der Region behoben ist. Erschwert wird die Lage noch dadurch, dass langfristige Wettervorhersagen immer schwieriger und ungenauer werden.

Dennoch sind die Meteorologen vorsichtig optimistisch: So hat sich das Hoch über dem Südatlantik, dessen Stärke die Tiefdruckgebiete weit nach Süden abgedrängt hatte, bereits im März spürbar abgeschwächt, was den Tiefs aus der Antarktis nun ein leichteres Durchkommen nach Kapstadt ermöglichen sollte.

Auch hat der ungewohnt kühle März dafür gesorgt, dass weniger Wasser als erwartet aus den Dämmen verdunstet ist, die bislang für rund 95 Prozent der Kapstädter Wasserversorgung verantwortlich sind.

Mit der nun endlich in Angriff genommenen Diversifizierung der Wasserquellen dürfte sich vor allem dies ändern. Bereits in Kürze wird eine erste große Meerwasserentsalzungsanlage in Betrieb gehen. Und vielerorts wird erfolgreich nach Grundwasser gebohrt. Dadurch sollen Kapstadt in nur zwei Jahren täglich weitere 300 Millionen Liter pro Tag zusätzlich zur Verfügung stehen  -  mehr als die Hälfte des gegenwärtigen Gesamtverbrauchs pro Tag.

Dennoch sind neue Engpässe im mehrheitlich ariden Westkap jederzeit möglich. „Allen Bürgern muss klar sein, dass wir nie wieder so viel Wasser wie vorher verbrauchen können“ warnt Xanthea Limberg, die Wasserbeauftragte von Kapstadt. Wassersparen müsse zum neuen Alltag werden. Schon deshalb ist die nun erfolgte Absage des Day Zero zwar eine Form der Entwarnung und Grund zur Erleichterung – allerdings nur unter Vorbehalt. 

Der Handelsblatt Expertencall
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1 Kommentar zu "Südafrika: Warum die Dürre in Kapstadt ausfällt"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Danke für die (vorsichtige) „Entwarnung“. Die war wirklich fällig.

    Normalerweise läuft es in der Medienlandschaft wohl leider eher so, dass erst alle Welt mit zum Teil apokalyptischen Medienberichten verrückt gemacht wird, und dann bricht bezüglich des betreffenden Themas regelmäßig das große Schweigen aus.

    Wie es weitergeht, geht im täglichen Overkill immer neuer „brandaktueller“ Meldungen ganz einfach unter.

    Dabei sind „Fortsetzungen (bzw. Artikel, die an einem Thema von allgemeinem öffentlichem Interesse „dran“ bleiben) schon aufgrund ihres i.d.R. weitaus höheren Informationsgehalts insbesondere hinsichtlich funktionierender Praxisbeispiele dazu, auf welche Art und Weise man in anderen Regionen ein gravierendes Problem in den Griff bekommen hat nicht nur für den normalen Leser von ungleich größerem Mehrwert als die oft reißerischen „Erstmeldungen“; für die von deren Folgen unmittelbar Betroffenen (siehe „Auch haben die zum Teil apokalyptischen Medienberichte über ein vermeintliches Austrocknen der Stadt dem wichtigen Tourismus Schaden zugefügt. Nicht wenige Urlauber, darunter auch viele umweltbewusste Deutsche, haben geplante Reisen ans Kap vorsorglich storniert, …“) erst recht.