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Weltgeschichten unserer Korrespondenten

Weltgeschichte Bis zu zehn Stunden ohne Strom: Südafrika droht der Kollaps

Südafrika versucht, mit Stromabschaltungen einen Netzkollaps zu verhindern. Doch das Vorgehen droht, der Wirtschaft des Landes erheblich zu schaden.
20.12.2019 - 13:20 Uhr Kommentieren
Wer jüngst mit der Seilbahn auf den Tafelberg fahren wollte, musste ausharren: Die Stromausfälle beeinträchtigen Leben und Urlaub in Südafrika.
Blick vom Tafelberg auf Kapstadt

Wer jüngst mit der Seilbahn auf den Tafelberg fahren wollte, musste ausharren: Die Stromausfälle beeinträchtigen Leben und Urlaub in Südafrika.

Kapstadt Über 200 Wege führen auf den weltberühmten Tafelberg. Doch der mit Abstand schnellste und sicherste ist (bislang) noch immer die Fahrt mit der Seilbahn. Im Oktober wurde sie 90 Jahre alt – und hatte seitdem noch nie einen Unfall.

Nun aber drohen der Bahn und ihrer Zuverlässigkeit aus unerwarteter Ecke Gefahren: Rund 500 Besucher blieben vergangene Woche stundenlang auf dem Berg stecken, weil ein Notstromgenerator der Tafelbergbahn sich bei einem der zuletzt immer häufigeren Stromausfälle im Land nicht – wie eigentlich geplant – automatisch eingeschaltet hatte.

Wahida Parker, die Chefin der Table Mountain Aerial Cableway Company (TMACC), macht dafür die permanenten Stromschübe nach dem Wiedereinschalten der Elektrizität bei einem Blackout verantwortlich. Den Besuchern, die vergangene Woche in der Talstation vergeblich auf ihre Auffahrt warteten, wurden zunächst einmal Freikarten für einen anderen Tag angeboten.

Wenig deutet derweil auf eine Besserung der Lage hin: In Südafrika dieser Tage gehen buchstäblich die Lichter aus. In der vergangenen Woche wurden die Stromabschaltungen, mit denen das Gesamtnetz vor einem völligen Kollaps bewahrt werden soll, erstmals bis auf Stufe sechs intensiviert, die es bis dato gar nicht gab. Im Klartext heißt das: bis zu zehn Stunden am Tag kein Strom. Und das kurz vor Weihnachten, wenn die Industrie eigentlich weniger Strom als sonst verbraucht, da das Land ab Anfang Dezember in den Ferienmodus schaltet.

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    Für das wirtschaftlich bereits schwer gebeutelte Land sind die jüngsten Stromabschaltungen, die euphemistisch „load shedding“ (Lastenminderung) heißen, besonders verheerend: Unter den gegenwärtigen Umständen mit immer neuen und plötzlichen Blackouts ist ein Sturz der Wirtschaft in eine neuerliche Rezession praktisch vorprogrammiert.

    Zumal die Gold- und Diamantenbergwerke, die noch immer das Rückgrat der südafrikanischen Wirtschaft bilden, den Betrieb unter Tage vergangene Woche aus Sicherheitsgründen eine Zeitlang einstellen mussten. Bereits im dritten Quartal ist Südafrikas Wirtschaft um 0,6 Prozent geschrumpft.

    Die aktuelle Lage weckt dabei Erinnerungen an das Krisenjahr 2008, als Südafrikas Bergwerke wegen schwerer Stromengpässe tagelang ihre Förderung aussetzen mussten. Passiert ist beim Energieversorger Eskom seitdem jedoch kaum etwas: Zwar sind zwei riesige neue Kohlekraftwerke im Norden des Landes gebaut worden, doch bereiten die mindere Qualität und das schlechte Design solche Probleme, dass bislang nur ein Bruchteil ihres Stroms zur Verfügung steht – und dies wohl noch lange so bleiben wird.

    Noch weniger wurde an den vorhandenen Kraftwerken getan, die im Durchschnitt inzwischen 40 Jahre alt sind. Die Versäumnisse des Staates, die zunehmend brüchige Infrastruktur des Landes zu warten und zu erneuern, kommen dem Land am Kap nun immer teurer zu stehen.

    Eskom ist nur einer von vielen Staatsbetrieben in Südafrika, die wirtschaftlich komplett marode sind und eigentlich sofort abgewickelt werden müssten. Anfang des Monats wurde der Betrieb des seit Jahren insolventen staatlichen Flugcarriers South African Airways (SAA) einem externen Verwalter übergeben, der nun Rettungsmöglichkeiten ausloten soll. Dies könnte am Ende sowohl auf die Rettung profitabler Teile als auch auf die Liquidation des gesamten Unternehmens hinauslaufen.

    Die Geschichte der Tafelbergbahn

    Für Südafrika geht es jetzt ums Ganze: Unabhängig davon, ob die Airline eine allerletzte Chance erhält oder bankrottgeht, weiß Präsident Cyril Ramaphosa, dass die Probleme dort nur eine Art von Generalprobe für einen viel härteren Kampf mit den noch weit mächtigeren Gewerkschaften beim Strommonopolisten Eskom sind.

    Gegenwärtig erzeugt das einstmals kerngesunde und preisgekrönte Unternehmen, das vom regierenden Afrikanischen Nationalkongress (ANC) in Grund und Boden gewirtschaftet worden ist, rund 95 Prozent des südafrikanischen Stroms. Seine Schuldenlast ist dabei auf fast 30 Milliarden Dollar gewachsen, was rund neun Prozent des südafrikanischen Bruttosozialprodukts (BIP) entspricht – ein gewaltiger Mühlstein, der am Ende das ganze Land in den Abgrund reißen könnte.

    Was das alles für die Tafelbergbahn bedeutet, lässt sich derweil noch nicht genau abschätzen. Wenn es so wie zuletzt mit Stromausfällen bis zu zehn Stunden weiterginge, könne man kein ungestörtes Besuchserlebnis des Berges mehr garantieren, warnt Wahida Parker.

    Tröstlich ist, dass die Bahn Hindernisse gewöhnt ist – und sie bislang alle gemeistert hat: Eigentlich sollte sie nämlich bereits 1913 gebaut werden. Aber dann kam der Erste Weltkrieg dazwischen, und so wurde die schließlich von einer deutschen Firma montierte Cablecar erst am 4. Oktober 1929 eröffnet.

    1997 wurde sie dann komplett renoviert: Seitdem verkehren zwei Bahnen, die binnen fünf Minuten bis zu 70 Personen auf das Wahrzeichen Kapstadts befördern können – an Spitzentagen im Sommer bis zu 8.000 Besucher. Und wenn sie dies wie vergangene Woche einmal nicht kann, bleiben dem (fitten) Besucher ja noch immer 200 alternative Wege, die am Ende auf die Bergplatte hinauf führen – wenn auch weniger schnell und komfortabel.
    Mehr: Superfood Tarantel-Donut: Ein Selbstversuch in der Insektenküche von unserem Korrespondenten Mathias Peer.

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