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Weltgeschichten unserer Korrespondenten

Weltgeschichte Stromausfälle legen Südafrika lahm

Südafrika wird seit vergangener Woche täglich von massiven Stromausfällen geplagt. Grund dafür sind jahrelange Probleme des Strommonopolisten Eskom.
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Neben geplanten Abschaltungen kommt es in Südafrika auch immer wieder zu unerwarteten Stromausfällen. Quelle: Bloomberg
Stromausfall in Südafrika

Neben geplanten Abschaltungen kommt es in Südafrika auch immer wieder zu unerwarteten Stromausfällen.

(Foto: Bloomberg)

KapstadtEs fühlte sich ein wenig gespenstisch an als am vergangenen Freitag um kurz nach 22 Uhr die Vororte an der Kapstädter Atlantikküste plötzlich im Dunkeln versanken. Wo kurz zuvor noch das Leben pulsierte, war es von einer Minute auf die andere zappenduster geworden.

Nur das Fußball-WM-Stadion am Rande der Innenstadt, wo Cape Town City gerade gegen das Team aus Polokwane kickte, strahlte wie ein Juwel in der Dunkelheit. Es verfügt über Hilfsgeneratoren und eine eigene Stromstation.

Auch an der nahgelegenen Waterfront, Kapstadts Vergnügungsmeile, war der Stromausfall vielerorts zu spüren. Sogar der Mobilfunk war betroffen: Wer nach dem Restaurantbesuch ein Uber-Taxi rufen wollte, kam oft wegen der zum Teil nicht mehr mit Strom versorgten Funkmasten nicht mehr ins Netz.

Seit Mitte vergangener Woche wird Südafrika täglich von solch massiven Stromausfällen geplagt – den schlimmsten seit mehreren Jahren, wie der Energieexperte Chris Yelland besorgt konstatiert. Anders als noch im Dezember sorgte das jüngste „Loadshedding“, wie die Abschaltungen zur Entlastung des unter Druck geratenen Stromnetzes beschönigend heißen, diesmal im Land für helle Aufregung – und Wut.

Denn anders als vor drei Monaten musste der staatliche Strommonopolist Eskom, der rund 90 Prozent aller Elektrizität am Kap generiert, die Produktion diesmal auf Anhieb um den bisher festgelegten Höchstbetrag von 4000 Megawatt drosseln. Noch dazu an einem Wochenende im Hochsommer, wenn der Verbrauch, anders als in den kalten Winternächten zwischen Juni und August, vergleichsweise gering ist.

Ein Ende der Engpässe ist nicht in Sicht. Mindestens bis zur Wochenmitte wird zum Beispiel meinem Vorort Green Point, aber auch der Kapstädter Innenstadt nebenan, jeden Tag von 12 bis 14:30 Uhr und dann nochmal von 20 bis 22:30 Uhr der Strom abgedreht. Wie es danach weitergeht, weiß derzeit niemand.

Der plötzliche Sprung von Null auf die Maximalstufe 4 zeigt nach Ansicht von Experten wie brandgefährlich die Lage bei Eskom inzwischen ist – so gefährlich, dass allen Beschwichtigungen des Stromversorgers zum Trotz ein Zusammenbruch des gesamten Netzes nicht mehr gänzlich ausgeschlossen werden kann.

Vor eben diesem Schicksal wird das Netz bislang durch die präventiven Stromabschaltungen bewahrt, die nach Ansicht der meisten Experten eine Folge der sträflich vernachlässigten Instandhaltung vieler Stromkraftwerke des Unternehmens, aber auch seiner sonstigen Infrastruktur ist.

Jahrelanges Missmanagement

Doch selbst wenn es nicht zum GAU käme, könnten die massiven Stromabschaltungen zum Sargnagel für die bereits schwer angeschlagene Wirtschaft in Afrikas einzigem Industriestaat werden. Entsprechend groß ist landesweit die Empörung über die Geheimniskrämerei des Unternehmens, aber auch die nun wieder einmal ins Auge gefassten Erhöhungen des Strompreises.

Nachdem dieser in den vergangenen zehn Jahren bereits um satte 400 Prozent angehoben wurde, ohne, dass seitdem mehr Elektrizität produziert worden wäre, hat Eskom bei der Regulierungsbehörde nun eine weitere Strompreiserhöhung um rund 17 Prozent beantragt – obwohl es im Gegenzug seinerseits nur Stromausfälle liefert.

Dies könne nun vor allem dem Goldbergbau den Todesstoß versetzen, warnte prompt die Bergbaukammer in Johannesburg. Im ganzen Sektor seien mehr als ein Drittel der Arbeitsplätze gefährdet, wenn der Strom noch teurer werde.

Die seit vielen Jahren bekannten Probleme des Stromversorgers haben sich in der mit Skandalen gespickten Amtszeit des inzwischen abgelösten Präsidenten Jacob Zuma noch einmal stark verschärft. So stand der lukrative Energiesektor bis zuletzt im Fokus der mit Zuma eng befreundeten indischen Unternehmerfamilie Gupta.

Diese hatte von Eskom unter anderem hochdotierte Abnahmeverträge für Kohle aus ihren Gruben erhalten, aber auch auf andere Weise direkten Einfluss auf die Besetzung des Topmanagements von Eskom genommen.

Neben dem jahrelangen Missmanagements sind Eskoms operative und finanzielle Nöte aber auch eine direkte Folge einer Kostenexplosion bei seinen beiden riesigen Kohlekraftwerken Medupi und Kusile, die eigentlich bereits ab 2015 ans Netz gehen sollten, aber nach angeblich zu spät bemerkten Konstruktionsfehlern und anderen gravierenden Mängeln weit davon entfernt sind, die Stromversorgung am Kap wie erhofft zu stabilisieren. Bis heute wurden über 300 Milliarden Rand (rund 20 Milliarden Euro) in die beiden Megakraftwerke gesteckt – doppelt so viel wie ursprünglich geplant.

Wegen dieser jahrelangen Schlamperei und der massiven Korruption, die von völlig überbezahlten Angestellten bis zur maßlos überteuerten Beschaffung wichtiger Bauteile reichen, ist Eskom finanziell in eine extrem prekäre Lage geraten. Als privates Unternehmen wäre der Staatsversorger längst abgewickelt worden. Inzwischen beträgt seine Verschuldung umgerechnet rund 30 Milliarden Euro, was 15 Prozent der gesamten Staatsverschuldung entspricht.

Trotz massiver Strompreiserhöhungen reichen die Einnahmen aus dem operativen Geschäft nicht aus, um die Kreditzinsen zu bedienen oder die notwendigen Wartungsarbeiten an der Infrastruktur des Unternehmens zu finanzieren.

Schäden für Südafrikas Wirtschaft

Zu allem Unglück für Südafrika will die Ratingagentur Moody's, die Südafrikas Staatsschulden als letzte der großen drei Agenturen noch auf Investmentniveau führt, nun in zwei Wochen ihr Verdikt über deren Bonität geben.

Nach dem Desaster bei Eskom in den letzten Tagen würde es nach Ansicht des führenden Investmentanalysten Chris Gilmore kaum überraschen, wenn nun auch Moody's den Daumen über Südafrika senkt – und das Land durch den damit verbundenen Kapitalabfluss noch tiefer ins Schlamassel stürzen würde. Vor allem die Randwährung dürfte unter einer solchen Zurückstufung massiv leiden.

„Der ANC hat den perfekten Sturm erzeugt“ sagt Gilmore. „Das Wachstum ist mit rund ein Prozent viel zu niedrig, ohne dass eine Wende zum Besseren sichtbar wäre.“ Entsprechend groß sei die Wahrscheinlichkeit einer Rückstufung der Staatsschulden auf Ramschniveau.

Staatschef Cyril Ramaphosa verkündete im Februar die Aufspaltung Eskoms in drei getrennte Teile. Das ist nach Ansicht von Fachleuten zwar ein erster Schritt auf dem Weg zu einer vielleicht noch möglichen Genesung, aber nicht ausreichend für die nötige Sanierung. So benötigt der Staatskonzern Unsummen von Geld, weil die Belegschaft über Jahre hinweg trotz sinkender Stromproduktion auf 48.000 Mitarbeiter angewachsen ist.

Südafrikas Regierungspartei hat viele ausgediente und oft korrupte Parteimitglieder bei Eskom untergebracht, um im Gegenzug viele weiße Techniker zu entlassen, die man nun händeringend sucht. Eskom in seinem aufgeblähten Zustand mit frischem Geld zu versorgen, sei wie „Wasser in ein Sieb schütten“,  diagnostiziert denn auch Finanzminister Titpo Mboweni.

Dennoch rechnet der Minister schon zur Jahresmitte mit ersten Ergebnissen der nun eingeleiteten Reformen. Doch im Land selbst ist davon zurzeit nichts zu spüren. Vielmehr scheint sich die Lage mit jedem Monat nur weiter zu verschärfen. Die meisten Experten rechnen inzwischen mit Stromengpässen für die nächsten 18 bis 24 Monate, nicht wenige sogar noch darüber hinaus.

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